Erstellt am 28. Oktober 2015, 05:47

von Wolfgang Wallner

"Bin sehr stolz auf das junge Team". Neulengbachs Frauenchef Alex Achterberg spricht über positive Überraschungen, Sorgen und Perspektiven.

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NÖN: Nach dem Umbruch im Sommer hat sich der NÖSV Neulengbach gleich wieder im Vorderfeld etabliert. Wie fällt die Saisonbilanz vor den letzten Herbstrunden aus?
Alexander Achterberg: Wir haben den halben Kader verloren, mussten mehr als ein Dutzend Spielerinnen holen. Unser Ziel war die vordere Tabellenhälfte. Dass wir im Moment auf Platz zwei liegen, macht mich sehr stolz. Ich bin mehr als zufrieden mit der Hinrunde. Das Lob gilt den Mädels, aber auch den Trainerinnen um Liese Brancao.

Das Trainerduo Brancao/Gstöttner war ja nach Tito Spindlers Abgang ursprünglich als Interimslösung gedacht. Bleiben die Beiden nun über den Winter hinaus in der Verantwortung?
Definitiv ja. Li hält die Mannschaft zusammen, arbeitet super mit den Jungen. Fix ist auch, dass wir das Trainerteam aufstocken. Andi Janota ist A-Lizenz-Trainer, hat in der Bundesliga bei Landhaus und zuletzt in Maria Anzbach gearbeitet. Vorerst wird er uns in der Wintervorbereitung unterstützen.

Meister St. Pölten ist wohl außer Reichweite. Kann Neulengbach auch im Sommer auf dem zweiten Platz stehen?
Schön wär‘s – und auch reizvoll wegen des Startplatzes in der Champions League. Ich will die Spielerinnen aber nicht belasten, kann daher Platz zwei nicht als Ziel ausgeben. Wir haben nun mal eine ganz junge Truppe. Dass es da Formschwankungen gibt, ist normal. Andererseits: Die Mädels lernen von Spiel zu Spiel dazu.

Sind Verstärkungen im Winter angedacht?
Große Sprünge können wir nicht machen. Man muss bedenken, dass wir vielleicht ein Drittel des Budgets von St. Pölten-Spratzern haben. Wenn sich für die Innenverteidigung etwas ergibt, würden wir zugreifen. Sofern das Preis/Leistungsverhältnis passt.

Stichwort St. Pölten: Der FSK hat heuer den Neulengbacher Stammplatz in der Champions League übernommen, ist nach zwei engen Partien gegen Verona ausgeschieden. Wie haben Sie den St. Pöltner Auftritt gesehen?
Durchaus positiv für den österreichischen Frauenfußball. Mir hat‘s gefallen, wie St. Pölten gespielt hat. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Nici Billa und Lisa Makas nicht ganz ersetzt werden konnten. Von den Legionärinnen muss eigentlich mehr kommen.

Die Neulengbacher Juniors haben voriges Jahr die 2. Bundesliga gewonnen. Wie ist die Herbstsaison der Youngsters einzuschätzen?
 Ganz hat es bisher nicht geklappt mit dem Platz im Vorderfeld. Da denke ich speziell an das Spiel in Kärntnen, wo wir nur mit neun Mädchen antreten konnten. Die fehlende Quanität spüren leider vor allem die Juniors. Das wird im Frühjahr viel besser. Da stoßen mit Laetitia Barabas, Bilan Taskin und Ines Eggenberger weitere Talente dazu, die mit 14 Jahren spielberechtigt sind.

Talente prägen den ganzen Kader. Die Routiniers wie Nina Burger sind weg, sind zum Teil in die deutsche Bundesliga gewechselt.
Burger wie auch unsere Ex-Spielerinnen Skorvankova und Vojtekova spielen in Sand eine überraschend gute Rolle. Ganz so schlecht ist das Niveau in Österreich also nicht. Meister St. Pölten würde ich vom Level her im gesicherten Mittelfeld der deutschen Bundesliga sehen.

Von den Legionärinnen profitieren nicht nur die ÖFB-Herren, sondern auch die Damen. Wo steht Österreich heute im Frauenfußball?
Wir sind am aufsteigenden Ast. Nicht nur im Nationalteam, sondern auch in der Frauen-Bundesliga, wo die Vereinsarbeit wesentlich besser geworden ist. Das Problem ist allerdings, dass die Klubs praktisch kein Geld haben. Der ÖFB investiert in das Nationale Frauenzentrum. Das ist gut und schön, aber für die Vereine an der Basis gibt‘s nichts. Da gibt‘s in Skandinavien viel versprechendere Modelle. Schwer enttäuscht bin ich vom ORF. Der hat einen eigenen Sportkanal, schafft‘s aber nicht Champions League oder Bundesliga-Topspiele zu übertragen.