Erstellt am 23. August 2016, 05:18

von Ernst Klement

Innermanzing statt Rio. Erfolgscoach Günther Bresnik über Österreichs Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Rio, den Fahrplan von Schützling Dominic Thiem und vieles mehr.

 |  NOEN, NÖN

NÖN: Sie waren die letzten zwei Wochen in Innermanzing statt in Rio. Warum verzichteten sie auf einen Start mit Dominic Thiem?

Günther Bresnik: Tennis und Golf stehen immer im medialen Mittelpunkt. Bei Olympischen Spielen sollen diese beiden Sportbewerbe nicht den anderen Sportarten die Show stehlen, die nur alle vier Jahre Aufmerksamkeit bekommen. Das ist einer der Gründe, warum ich nun in Innermanzing und nicht in Rio bin.

Wie sehr haben Sie die Tennisbewerbe in Rio verfolgt?

Bresnik: Das Wunderbare an diesen Olympischen Spielen ist der Sensationserfolg der Puerto Ricanerin Monica Puig im Damenbewerb. Sie ist der selbe Jahrgang wie Dominic, die beiden kennen sich von vielen Jugendturnieren seit Jahren.

Österreich schlitterte erneut in ein Olympia-Debakel. Wo sehen Sie die Probleme?

Bresnik: In Österreich bleibt doch immer alles beim „Alten“. Nach dem Debakel in London forderte man die tägliche Turnstunde — und sie wurde auch als guter Wahlkampfgag verwendet, gekommen ist genau das Gegenteil. Sportstunden wurden gestrichen, die engagierten Sportlehrer werden bei der Organisation von Sportveranstaltungen mehr behindert als gefördert, in unserem Bezirk wurden die Leichtathletikbewerbe gestrichen. Ich weiß das alles sehr genau, weil meine Töchter hier die Schule besuchen.

Es wurden aber zumindest 20 Millionen Euro in das Olympiaprojekt investiert?

Bresnik: Auch mit 20 Millionen Euro kann man sich keine Medaillen kaufen. Das Problem in Österreich ist, dass der Sport in unserem Land keinen Stellenwert hat. Angefangen von den Infrastrukturproblemen und fehlenden Sportstätten, bis zum Konkurrenzkampf. Die wenigen Weltklasseathleten, die Österreich hat, sind alles Ergebnisse von Privatinitiativen wie eben bei Dominic Thiem. Ich habe die internationale Perspektive und sehe, wie angesehen Sportler in den USA oder in Australien sind.

Fehlt vielen Olympiaathleten nicht der regelmäßige der Wettkampf auf Weltklasseniveau?

Bresnik: Natürlich! Dominic wird jede Woche auf Weltklasseniveau gefordert. Der Konkurrenzkampf fehlt in Österreich völlig. Bei den Spielen alle vier Jahre sehen wir das Ergebnis.

In Kitzbühel bekam Dominic Thiem bereits das silberne Verdienstzeichen um die Republik Österreich. Nicht zu früh?

Bresnik: Sicher nicht! Dominic tritt Woche für Woche für Österreich an und macht großartige Werbung für unser Land.

Sie haben im Zuge dieser Ehrung auch mit Sportminister Doskozil gesprochen — worüber?

Bresnik: Ich habe ihm meine Standpunkte nähergebracht. Das Gespräch ist sehr positiv verlaufen und ich habe den Eindruck, dass sich der Minister bemüht. Ob er den Stellenwert des Sports in Österreich steigern kann, wird die Zukunft zeigen.

Sie engagieren sich auch für die kleinen örtlichen Vereine abseits des Spitzensports in unserer Region. Worin sehen Sie da die Bedeutung?

Bresnik: Mich beeindruckt, mit wieviel Herz in den kleinen Sportvereinen gearbeit wird. Meine Tochter Johanna ist selbst Obfrau bei den Beachvolleyballern von Innermanzing, daher ist eine Teilnahme an den sportlichen Aktivitäten hier selbstverständlich und es macht auch wirklich viel Spaß.

Zurück zu Dominic: Die US Open stehen am Programm. Was dürfen die Fans erwarten?

Bresnik: Eine schwere Grippe und die Entzündung im Becken haben den Erfolgslauf von Dominic eingebremst. Natürlich werden die US Open Aufschluss geben, ob das Masters in London erreicht werden kann.