Erstellt am 08. März 2016, 05:24

von Wolfgang Wallner

Das Sieger-Gen im Blut. Dominic Thiem führt die „NÖ-Auswahl“ in Rot-weiß-Rot zum Erfolg in Portugal. Ex-Davis-Cupper Alexander Antonitsch analysiert das Erfolgsrezept von Thiem & Co.

Kabinenparty. Dominic Thiem, Dennis Novak (im Vordergrund), Alex Peya und Stefan Koubek feiern den Sieg gegen Portugal.  |  NOEN, APA/H. Fohringer

Jubelnd reißt Dominic Thiem die Arme in die Luft – 3:1 für Österreich. Und bei allen drei Punkten gegen Portugal war der 22-jährige Niederösterreicher federführend dabei. „Das Team ist super! So etwas will ich auch mal in Österreich erleben“, schließt der Lichtenwörther künftige Davis-Cup-Einsätze nicht aus.

Gleich drei Niederösterreicher standen im rot-weiß-roten Aufgebot. Neben Thiem auch Gerald Melzer und Dennis Novak. Der Gerungser Andreas Haider-Maurer (Fersenverletzung) konnt nur vor dem Fernseher mitfiebern: „Ich wäre zu gerne dabei gewesen!“

Kein Wunder: „Davis-Cup ist nicht irgendein Tennisturnier, ich hab’ früher für diese Partien gelebt“, erinnert sich Alexander Antonitsch zurück. Diesen Spirit sieht der in Gaaden (Bezirk Mödling) lebende Ex-Tennisprofi auch bei Dominic Thiem. „Für ihn ist der Davis-Cup brutal anstrengend. Er kommt am Mittwoch mit Jet-Lag, spielt dann in drei Tagen 13 harte Sätze. In Acapulco hatte es 30 Grad, in Guimaraes sitzen die Leut’ mit der Daunenjacke in der Halle!“ Der Lichtenwörther habe „alles weggesteckt, was ein Tennisspieler nicht mag“.

Man dürfe auch nicht vergessen, dass es der erste Davis-Cup-Auftritt für den Niederösterreicher war. „Da ist die ganze Halle gegen dich, da wirst du ausgebuht – auch damit musst du zurechtkommen“, weiß Antonitsch.

Antonitsch: Thiem hat das gewisse Etwas

Dominic Thiem war in „den entscheidenden Phasen da“, lobt Antonitsch, „man hat gesehen, dass er das gewisse Etwas hat, das Sieger-Gen“. Und nun habe auch „der Letzte kapiert, dass aus Dominic ein sehr, sehr Guter wird“. Routiniers wie Nadal, Federer, Tsonga oder Wawrinka, die noch vor dem Niederösterreicher liegen, haben ihren 30er bereits hinter sich. „Österreichs Tennis steht mit ihm eine rosige Zukunft bevor“, glaubt Antonitsch. „Er kann eine Überfigur werden, die andere mitzieht, wie es zu unserer Zeit ein Thomas Muster war.“ Thiems Erfolgsrezept sei sein Umfeld: „Mit Eltern, die selbst aus dem Tennis kommen. Mit einem Weltklassetrainer wie Günter Bresnik. Besseres gibt’s weltweit nicht.“

Gerald Melzer: „Sein Auftritt gegen Sousa war gar nichts. Das weiß er selbst“, analysiert Antonitsch. „Vielleicht hat er sich selbst zu viel Druck gemacht.“ Mittelfristig sieht er den Deutsch-Wagramer am Weg nach oben: „Gerald ist ein Kandidat für die Top 100.“

Dennis Novak: Der 22-jährige Pottendorfer steuerte mit einem Zweisatzerfolg über Pedro Sousa den vierten Austro-Punkt bei. „Echt lässig, ich hoffe, dass ich auch in Zukunft so oft wie möglich im Team bin“, sagt Novak. Dem Niederösterreicher attestiert Antonitsch „Riesenpotenzial im Einzel. Er braucht schlichtweg ein paar heftige Partien auf der ATP-Tour.“