Erstellt am 26. Oktober 2015, 11:49

von Alexander Wastl

Djuricin junior: „Ebreichsdorf ist ein super sympathischer Verein“. Marco Djuricin, England-Legionär und Ex-Sturm-Spieler, sprach mit der NÖN über sein Auslandsengagement, seinen Vater und Ebreichsdorf-Coach Goran, sowie dessen Klub.

Marco Djuricin.  |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)

NÖN: Wie lebt es sich in London?
Marco Djuricin: Bis jetzt ist alles gut. Viel gesehen habe ich aber noch nicht, weil wir sehr viele Spiele haben.

Vergangene Woche war die Familie zu Besuch. Ist da auch der Fußball das Thema Nummer eins?
Zu Beginn natürlich, weil doch alles neu ist. Aber meine Mutter, meine Schwester und meine Frau waren auch dabei, deswegen wird dann nicht mehr so viel über Fußball gesprochen.

„Ich bin quasi in Berlin aufgewachsen, mir
ist der Schritt nach London leicht gefallen“

Bei Sturm Graz haben Sie in 44 Spielen 24 Tore erzielt, warum lief es bei Salzburg nicht so gut?
Gute Frage, wenn ich das wüsste. Zu Beginn habe ich viel gespielt, aber noch nicht so gut. Aber Salzburg ist ein ganz eigenes Projekt, es dauert einige Zeit um sich daran zu gewöhnen. Dann hat Marcel Sabitzer sehr gut gespielt, da musste man nicht mehr viel ändern. Ich habe dennoch versucht, im Training Gas zu geben und mir eine Chance zu erarbeiten. Ich konnte bei den Spielen aber nicht mein ganzes Potenzial abrufen.

Derzeit läuft es aber wieder ganz gut beim FC Brentford. Sie sind Fixstarter, haben drei Tore in neun Spielen erzielt. Auch ihre Zeit in Deutschland (Anm. Hertha BSC, Regensburg) kann als durchaus positiv gesehen werden. Sind Sie ein Mensch, dem es einfach leicht fällt im Ausland Fuß zu fassen?
Die drei Tore sind ganz okay, es könnten aber mehr sein. Ich habe auch einmal die Latte und zweimal die Stange getroffen. Man braucht auch immer ein bisschen Glück. Ich bin quasi in Berlin aufgewachsen, mir ist der Schritt nach London leicht gefallen. Ich hatte nicht vor, lange in Österreich zu bleiben, auch wenn die letzten zwei Jahre wunderschön waren.

Wie geht Ihre Frau Kristina mit dem Auslandsengagement um?
Für sie ist es nicht so einfach, sie ist oft alleine. Aber sie wusste damals, dass es so sein wird. Wir leben hier in einer super Stadt und sie war auch schon in Regensburg und Berlin dabei.

„Der ‚Kerschi‘ hat den Wiener Schmäh,
obwohl er ja eigentlich Tullner ist.“
Über seinen NÖ Teamkollegen

Ende der Saison endet Ihr Leihvertrag, haben Sie vor auf der Insel zu bleiben?
Ich bin noch Spieler bei Red Bull Salzburg, daher liegt die Entscheidung nicht alleine bei mir. Natürlich wäre es schön, wenn ich im Ausland bleiben könnte. Aber es sind noch acht Monate bis dahin, da wird noch so viel passieren.

Mit Konstantin Kerschbaumer (Anm. vorher Admira bzw. SKN St. Pölten) steht ein zweiter Österreicher im Team des FC Brentford. Wie ist das Verhältnis zu ihm?
Der ‚Kerschi‘ ist charakterlich ein sehr guter Mensch. Er hat den Wiener Schmäh, obwohl er ja eigentlich Tullner ist. Ein super lustiger Typ. Er ist mein Kabinennachbar und seine Freundin ist auch hier. Da unternimmt man natürlich viel gemeinsam. Er ist eine angenehme Person mit der man über alles reden kann. Das ist sehr wichtig für mich.

„Eine Sensation ist immer möglich. Das
hab' ich mit Sturm gegen St. Pölten erlebt.“

Zurück zu Ihrem Ex-Verein, Sturm. Morgen trifft Ihr Vater, Goran, mit seinen Ebreichsdorfern auf die Grazer. Darf er sich Chancen ausrechnen?
Wenn ich ehrlich bin, muss Sturm das schon gewinnen. Das ist ja auch klar, das ist eine Bundesliga-Mannschaft, da ist schon noch ein Unterschied zu erkennen. Aber mein Papa hat wirklich eine gute Mannschaft mit sehr guten Spielern, die auch Zweit-Liga-Erfahrung haben. Vielleicht können sie ein bisschen mithalten. Für sie wird es jetzt aber einmal wichtig sein, sich in der Regionalliga zu etablieren. Eine Sensation ist aber immer möglich. Das musste ich am eigenen Leib erfahren, als wir mit Sturm gegen St. Pölten im Halbfinale verloren haben.

Wie könnte man Sturm ein Bein stellen?
Wie gesagt, wenn Sturm 90 Prozent der Leistung abruft, wird es reichen. Das ist eine Mannschaft mit so viel Potenzial. Ich habe noch viel Kontakt mit einigen Graz-Spielern. Wenn sie dann plötzlich 0:3 gegen Grödig verlieren, wundert mich das auch.

Ihr Ergebnistipp?
Für die Zuseher wäre ein Unentschieden mit Verlängerung ideal. Ich glaube dass Sturm 3:1 gewinnt.

„Ich merke, der Papa schielt schon
mit einem Auge auf die Erste Liga“

Sie sind auch hier und da am Ebreichsdorfer Sportplatz anzutreffen. Wie haben Sie den kometenhaften Aufstieg des Vereins miterlebt?
Das ist ein super sympathischer Verein. Sie haben sich in den letzten Jahren sehr gut verstärkt. Mein Vater kennt in Wien circa 3.000 Spieler, der holt sich immer wieder gute Neue. Ich schau‘ sie mir immer gerne an, wir haben zwei Aufstiege gemeinsam gefeiert. Ich merke, der Papa schielt schon mit einem Auge auf die Erste Liga. Er war ja schon mal Co-Trainer bei Pasching, vielleicht schafft er es wieder hinauf.

Sie haben selbst schon mit der Ebreichsdorfer Mannschaft mittrainiert. Ihr Eindruck vom Team?
Wie gesagt, eine sehr sympathische Truppe. Mit Christoph Monschein haben sie einen sehr guten Stürmer, der ja auch Angebote aus höheren Ligen hatte. Sebastian Bauer und Marco Anderst kenne ich schon sehr lange, wir haben zusammen gespielt. Das sind sehr gute Spieler. In Österreich kann wirklich schon jeder Fußball spielen (lacht).

„Marcel Koller tauscht nicht viel, im
Endeffekt liegt es aber an mir selbst“
Über seine Nationalteam-Chancen

Wie ist Ihr Vater als Trainer, den Sie auch schon in der Rapid-Jugend hatten?
Das war schon komisch. Mein erster Verein war der SV Donau, da war er auch schon mein Trainer. Man wird natürlich immer etwas anders beurteilt, das ist eh klar.  Aber es war eine gute Erfahrung. Er will ein Perfektionist sein, ist aber auch sehr lernfähig und lässt sich sogar von seinem jungen Sohn etwas sagen. Er ist ein junger Trainer, vielleicht schafft er nochmal den Sprung nach oben. Dafür arbeitet er jedenfalls sehr akribisch. Zum Glück ist er aber nicht mehr so emotional wie früher, jetzt ist er viel gelassener.

Ihr Vater war selbst Offensivspieler, was haben Sie von ihm geerbt?
Den Laufstil. Ich habe ein paar alte Videos gesehen, das sieht ziemlich ähnlich aus (lacht). Auch die Schnelligkeit. Die Technik nicht so, er meint, dass er kein guter Techniker war. Als Kind musste ich immer Übungen machen, das kommt mir jetzt entgegen.

Österreich schwebt mit dem Nationalteam derzeit auf Wolke sieben. Sie gaben dieses Jahr Ihr Team-Debüt. Sehen Sie eine Chance bei der Euro dabei zu sein?
Jetzt will natürlich jeder dabei sein, von mir war es aber schon immer das Ziel im Nationalteam zu spielen. Ich war jetzt schon einmal dabei und bin stets auf der Abrufliste. Marcel Koller tauscht nicht viel, im Endeffekt liegt es aber an mir selbst. Ich habe jetzt in England die Möglichkeit mein Spiel ein bisschen zu ändern, robuster zu werden und Bälle besser zu halten. Marc Janko ist für mich ein sehr guter Stürmer, er braucht ganz wenige Chancen. Er hat sich das komplett verdient.