Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:43

von Wolfgang Wallner

Risikofaktor Fußball. Ob bei den Public Viewing-Veranstaltungen oder vor Ort in Frankreich: Innenministerium und ÖFB arbeiten umfassendes Sicherheitskonzept aus.

Sicherheitskonzept für Euro 2016 präsentiert. ÖFB-Präsident Leo Windtner, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Cobra-Kommandant Bernhard Treibenreif, der die österreichischen Teamkicker zum Thema »Verhalten bei Gefahr« schulen wird.  |  NOEN, BMI/A. Tuma

Rund 1.500 Fans am Wiener Neustädter Hauptplatz, rot-weiß-rote Fahnen und Euro-Fieber pur: So könnte es Anfang Juni laufen, wenn ab 10. Juni die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich angepfiffen wird. „Ein großes Fest für die Fußballfans, aber auch eine große Herausforderung im Sicherheitsbereich“, weiß Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Mit einem Zehn-Punkte-Programm, das die Niederösterreicherin nun gemeinsam mit ÖFB-Präsident Leo Windtner vorgestellt hat, will man die Fans bestmöglich schützen. Auch bei den Fanfesten auf NÖ-Boden, die nicht nur in Wr. Neustadt zurzeit eifrig geplant werden. „Bei den Public-Viewing-Veranstaltungen werden wir noch strengere Maßstäbe anlegen müssen“, betont die Innenministerin.

„Wir sind froh, dass es neben dem Sicherheitsgürtel in Frankreich selbst auch Flankenschutz aus Österreich gibt“, sagt Windtner. Der Terror in Paris sei „für das Team natürlich belastend gewesen“. Doch „es wäre das falsche Zeichen, wenn wir uns einschüchtern lassen“, sagt Teamkapitän Christian Fuchs. Dem Pittener und seinen kickenden Kollegen will Mikl-Leitner den Rücken freihalten: „Damit sich das Kribbeln im Bauch nur auf den Fußball bezieht.“

Keine konkrete Bedrohungslage

Eine konkrete Bedrohungslage gebe es derzeit nicht, sekundiert Peter Gridling, der Leiter des Verfassungsschutzes: „Weder im Hinblick auf die Europameisterschaft noch für das österreichische Nationalteam. Doch große Events sind natürlich als potenzielle Terrorziele gefährdet.“ Österreichs Behörden seien ständig mit den französischen Kollegen im Kontakt.

„Wir wollen nicht dramatisieren, sondern bestmögliche Vorkehrungen garantieren“, erklärt Innenministerin Mikl-Leitner, „dabei muss Sicherheit zu einem guten Teil unsichtbar funktionieren.“

Österreichs Nationalteam wird in Frankreich von einem Security-Officer und zwei Personenschützern ständig begleitet. Dazu kommen Eskorten bei den Transfers von und zu den Spielen. „Wir werden jeweils am Tag vor dem Match anreisen, dann sofort wieder zurück ins Base Camp fliegen“, weiß Windtner zu berichten. Das ÖFB-Team reist am 8. Juni nach Frankreich. In der Gruppenphase stehen die Spiele gegen Ungarn (14. Juni in Bordeaux), Portugal (18. Juni in Paris/Prinzenpark-Stadion) und Island (22. Juni in Paris/St. Denis) auf dem Programm. „Eine der größten Fanbewegungen, die jemals in Europa stattgefunden haben“, verweist Mikl-Leitner auf allein rund 30.000 Österreicher, die bei der EM erwartet werden.

Für die Austro-Anhänger wird das Innenministerium in Kooperation mit „Sports Media Austria“ ständig aktuelle Infos über sicherheitsrelevante Entwicklung publizieren. Szenekundige Beamte werden die organisierten Fangruppen aus Österreich auch vor Ort begleiten. Eine „Task Force“ wird detaillierte Maßnahmen ausarbeiten. „Dabei kommt die Expertise bei der Heim-Euro 2008 zugute“, sagt Mikl-Leitner. „Wir werden alles unternehmen, um die Sicherheit der ÖFB-Delegation und der österreichischen Fangemeinde zu gewährleisten.“