Erstellt am 20. Oktober 2015, 07:52

von Wolfgang Wallner

Ende mit Schrecken für Ober-Grafendorf. 339.000 Euro Schulden: Nach Götzendorf ist mit Ober-Grafendorf zweiter Landesligist binnen drei Jahren insolvent.

Das letzte Gegentor in der Ober-Grafendorfer Fußballhistorie: Torhüter Roman Ostojic am Boden, der Klub in der Insolvenz.  |  NOEN, Wolfgang Wallner

Beim ehemaligen Regionalligisten ATSV Ober-Grafendorf gehen die Lichter aus. Am Freitag gab der Klub die Einstellung des Spielbetriebs bekannt. Um die Zukunft der Nachwuchsabteilung und des Frauenteams wird noch gerungen. Erinnerungen werden wach an den ASC Götzendorf, der 2012 mitten in der Saison nach finanziellen Turbulenzen aufgeben musste.

Bereits am vergangenen Montag hatten die Pielachtaler beim Landesgericht St. Pölten Insolvenz angemeldet. Der Schuldenstand des Klubs liege bei 339.000 Euro, teilte der Gläubigerschutzverband Creditreform mit. Stand zunächst noch ein Sanierungsverfahren im Raum – dort hätten die Ober-Grafendorfer bei Annahme einer 20-Prozent-Quote durch die Gläubiger noch die Kurve kratzen können – stellte sich rasch heraus: Der ATSV ist nicht mehr zu retten. Zum Auswärtsspiel in Waidhofen kam’s gar nicht mehr.

"So etwas wie in Ober-Grafendorf hab’ ich nie erlebt"
Spielergewerkschafter Rudolf Nowotny

„Schmerzhaft, aber absehbar“ sei der Schritt gewesen, sagt NÖ-Fußballverbandspräsident Ludwig Binder. Fünf Trainer hatten die Ober-Grafendorfer heuer schon verbraucht, zählten seit dem Regionalliga-Abstieg zu den Sorgenkindern der Liga. Jede Halbsaison wurde der Kader ausgetauscht, ständig tauchten neue Forderungen auf. Die Spielergewerkschaft zog wegen ausständiger Kicker-Gelder vor Gericht. „So etwas wie in Ober-Grafendorf hab’ ich nie erlebt“, sagt Spielergewerkschafter Rudolf Nowotny. „Die haben russisches Roulette gespielt.“

Unternehmer Josef Mitterböck war der starke Mann. Für die NÖN war er nicht erreichbar. Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger ist erst seit 2014 Präsident, plädierte schon frühzeitig dafür, die Reißleine zu ziehen: „Der Vorstand hat sich zu lange an einen Strohhalm geklammert. Diese Schulden sind neben dem laufenden Betrieb nicht zu stemmen.“


Insolvenz-Fakten

Grundsätzlich haftet der Verein mit seinem Vermögen für seine Verbindlichkeiten.

Die Organe (z. B. der Obmann) haften gegenüber dem Verein, wenn sie vorsätzlich oder grob fahrlässig ihre Pflichten verletzen. Ist der Verein insolvent (zahlungsunfähig) und reicht das Vereinsvermögen nicht aus, müssen sie in diesem Fall finanziell in die Bresche springen.