Erstellt am 12. April 2016, 05:44

von Wolfgang Wallner

Ein Star ohne Allüren. Von St. Pölten zur Weltkarriere: Viktor Szilagyi (37) absolvierte in Krems sein 200. Länderspiel und will Österreich noch mal zur Weltmeisterschaft werfen.

Von St. Pölten aus in die weite Handballwelt: Viktor Szilagyi (37) hat in Krems sein 200. Länderspiel absolviert.  |  NOEN, APA/Pfarrhofer

Der alte Mann und das Mehr. Viktor Szilagyi hat es sich nie leicht gemacht. Sonst wäre er nicht die Handball-Legende, die er ist. Sonst wäre er nicht seit 18 Jahren Fixpunkt im Nationalteam. Auch mit 37 ist Szilagyi da, wenn das Team ruft – trotz des Abstiegskampfs mit seinem Bergischen HC in der deutschen Bundesliga. In Krems feierte er am Donnerstag sein 200. Länderspiel. „Viel mehr war drinnen für uns“, freut sich Szilagy über das „emotionale Erlebnis“, ärgert sich aber ebenso sehr über das 26:27 im Test: „Weil wir es den Tschechen zu leicht gemacht haben.“

Wir. Dieses Wort nimmt Szilagyi nicht leichtfertig in den Mund, er lebt den Teamspirit. „Ich hab’ schon früh erkannt, dass ich kein Einzelsportler bin!“ Eine Lektion, die der gebürtige Ungar, der als siebenjähriger Knirps in St. Pölten die ersten Bälle im Handballtor versenkte, in Deutschland gelernt hat. Dort verdient er seit 16 Jahren seine Brötchen, gewann als einziger Handballer alle drei großen Vereinspokale auf europäischer Ebene – darunter 2007 mit dem THW Kiel die Champions League.

Wichtig für das Team

„Als Handballer und als Persönlichkeit ist Viktor ungemein wichtig für das Team“, weiß Patrekur Johannesson. Mit dem heutigen Teamchef spielte Szilagyi zwei Jahre lang bei TUSEM Essen zusammen. Auch für Freundschaftsspiele legt sich der Mann, dessen Karriere 2006 nach einem Kreuzbandriss am seidenen Faden hing, voll ins Zeug.

„Solange ich Profi bin, stehe ich dem Nationalteam zur Verfügung, das war immer klar für mich“, sagt Szilagyi. Dass er hinter Ewald Humenberger (246 Partien) und Patrick Fölser (218) bald die Nummer drei unter Österreichs Rekordnationalspielern sein wird, „macht mich stolz“ erklärt der Teamplayer, der sich immer „in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Weil es nichts bringt, den Lautsprecher zu spielen, wenn man selbst die Hosen voll hat“. Darum geht er lieber vorne weg, will „den Geist weitertragen“. Jenen Spirit, der seit 2010 durch heimische Handball-Hallen weht. „Zwischen meinen Anfangszeiten und heute liegen Welten“, weiß Szilagyi. Er hat diese goldene Ära mitgeprägt.

Ob im Sommer Schluss ist, kann der Altmeister noch nicht sagen. „Hängt davon ab, ob wir den Klassenerhalt schaffen. Die zweite Liga tu ich mir nicht mehr an.“ Bei seinem Jubiläumsspiel blieb Szilagyi ohne Torerfolg, traf dafür beim zweiten Test gegen die Tschechen (23:26) sechsmal. Noch viel Luft nach oben fürs WM-Playoff gegen Dänemark im Juni. Noch ein großes Ziel für Szilagyi. Der alte Mann will mehr. Auch im Herbst einer einzigartigen Handballkarriere.