Erstellt am 12. Juli 2016, 05:12

von Bernhard Schiesser

Beate Schrott: „So trete ich nicht ab“. Hürdensprinterin Beate Schrott musste wegen Schmerzen im Oberschenkel auf die EM verzichten. Noch mehr tut derzeit aber das Gemüt weh. Sie sucht nach Antworten.

Am 5. August beginnen in Rio die Olympischen Spiele. Beate Schrott hofft trotz fehlender Limit-Bestätigung auf ihre Nominierung.    |  Foto: APA/EPA/Suki

NÖN: EM-Verzicht, fehlendes Olympialimit, keine Form – wie gehen Sie damit um?

Beate Schrott: Es geht mir derzeit wirklich nicht gut. Da gibt’s nichts schönzureden. Ich versuche es mit Tapetenwechsel, werde ab sofort wieder in St. Pölten trainieren. Bei meiner Trainingsgruppe in Holland bin ich fast durchgedreht. Ich bekomme dort nicht das, was ich momentan brauche.

Was fehlt?

Schrott: Ich brauche ein für mich passendes Umfeld. Ich trainiere dort mit Weltmeistern und Olympiasiegern. Das ist natürlich einerseits super, in meiner Situation aber nicht, weil man dann gleich einmal das fünfte Rad am Wagen ist und meine Situation nicht die oberste Priorität hat.

Ihre Bestzeit beträgt 12,82 Sekunden. In dieser Saison liefen Sie bislang 13,34. Warum fehlt die Form?

Schrott: Genau darüber denke ich nach. Es ist ja nicht so, dass ich faul wäre. Ich gebe jeden Tag auf dem Trainingsplatz alles, und trotzdem bin ich derartig weit davon entfernt, was ich eigentlich draufhabe. Vielleicht habe ich zu viel trainiert. Ich nehme jetzt jedenfalls Intensität raus und hoffe, dass die Zeiten dann endlich nach unten gehen.

Sie haben das Olympialimit schon im Vorjahr mit 12,92 deutlich unterboten. Die geforderte Bestätigung von 13,30 in dieser Saison fehlt aber. Gibt es dennoch eine Chance auf Olympia?

Schrott: Ich habe vor meinem EM-Verzicht beim ÖOC angerufen und ihnen meine Situation erklärt. Es hatte einfach keinen Sinn, dort mit Schmerzen anzutreten und erneut eine schwerere Verletzung zu riskieren. Diesen Fehler habe ich im Vorjahr bei der WM gemacht und daraus habe ich gelernt. Ich hoffe, dass das ÖOC jetzt eine Ausnahme macht und mich dennoch nominiert. Die Entscheidung darüber soll in den nächsten Tagen fallen.

Man ist geneigt zu fragen, warum Sie sich das noch antun? Ist nach dieser Saison Schluss?

Schrott: Ich weiß, dass ich niemanden etwas beweisen muss. Es gibt aber so viele Menschen, die mich unterstützen und hinter mir stehen. Denen will ich etwas zurückgeben. Es tut einfach so weh, dass ich das derzeit nicht schaffe. Ich weiß auch, dass der Sport nicht das Einzige auf der Welt ist, aber er ist für mich immer noch sehr wichtig. So trete ich jedenfalls sicher nicht ab.