Erstellt am 02. Februar 2016, 05:53

von Bernhard Schiesser

„Im positiven Radl“. Marc Digruber lieferte beim Nacht-Slalom in Schladming vor 40.000 Zuschauern seinen nächste Top-10-Platz ab. Der Frankenfelser erklärt, warum er jetzt zur Elite gehört.

Dieses Gesicht wird immer öfter erkannt. Marc Digruber (27) fuhr in dieser Saison in Santa Caterina und Schladming in die Top 10.  |  NOEN, APA/Johann Groder

NÖN: Sie wären wohl auch ein beliebter Politiker geworden …

Marc Digruber: Wirklich? Warum?

Weil Sie halten, was Sie versprechen. Sie kündigten vor der Saison an, dass Sie regelmäßig in die Top 10 fahren werden …

Digruber: Stimmt (lacht). Das war aber nicht nur so dahingesagt. Ich war mir einfach sicher, dass ich es draufhabe. Dass jetzt alles so wunderbar klappt, ist ein Wahnsinn.

Was sind die Gründe dafür?

Digruber: Ich habe eine super Materialabstimmung gefunden. Die Form passt, das Selbstvertrauen ist da und wir haben eine super Stimmung in unserer Trainingsgruppe. Und irgendwann kommt man dann in dieses positive Radl rein.

Das sich wie dreht?

Digruber: Du verbesserst dich mit der Startnummer, qualifizierst dich regelmäßig für den zweiten Durchgang, fährst dann bei besseren Bedingungen und dann kannst du mit dem nötigen Selbstvertrauen voll attackieren.

Traurig, dass es heuer keine Großveranstaltung wie Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele gibt?

Digruber: Eigentlich nicht. Im Moment hätte ich kaum Chancen auf eine Medaille, nächstes Jahr schaut das vielleicht anders aus. Ich will heuer noch einige Top-Platzierungen liefern und mir für die nächste Saison eine noch bessere Startnummer sichern. Dann geht’s vielleicht wirklich Richtung Top 5 oder Podest. So viel fehlt ja nicht mehr.

Sie starten derzeit nur im Slalom. Haben Sie Ambitionen, weitere Disziplinen dazuzunehmen?

Digruber: Ich trainiere ab und zu schon auch Riesentorlauf. Da hätte ich aber derzeit keine Chance mich für einen zweiten Durchgang zu qualifizieren. Dazu müsste ich mehr Zeit investieren. Darunter leidet dann aber wiederum das Slalomtraining. Das riskiere ich aber jetzt sicher nicht, wo es im Slalom so gut läuft. Was ich aber sehr wohl auf dem Plan habe, ist zukünftig die Kombination. Die WM 2017 in St. Moritz habe ich da ein wenig im Auge. Nach der Weltcupsaison werde ich dafür trainieren.

Stichwort Schulterklopfer. Wie lange ist die Schlange jener, die es immer schon gewusst haben?

Digruber: Ja, die gibt es natürlich. Ich bin alt genug, um das alles richtig einschätzen zu können. Grundsätzlich taugt mir das ja, wenn die Popularität steigt. Neulich war ich in Hofstetten einkaufen, und da hab’ ich erstmals wirklich gemerkt, dass sich ein bisschen etwas verändert hat. Ich musste Autogramme schreiben und Fotos mit Kindern machen. Das ist aber schön und keinesfalls störend. Ich bin ja noch lange nicht Marcel Hirscher.