Erstellt am 26. März 2016, 19:59

von Bernhard Schiesser

Janko zog durch 26. Teamtor mit Herzog und Sindelar gleich. Mit seinem Tor beim Testspiel gegen Albanien hat ÖFB-Teamstürmer Marc Janko am Samstag in Wien mit zwei österreichischen Fußball-Größen gleichgezogen.

Marc Janko  |  NOEN, HERBERT PFARRHOFER (APA)

Österreich startet mit einem Sieg ins Euro-Jahr. Was nach rascher 2:0-Führung aber nach einer leichten Übung für die Koller-Elf aussah, entpuppte sich gegen EM-Teilnehmer Albanien vor allem nach der Pause als schwere Geburt. Nach dem Anschlusstreffer der Gäste kam der Motor der Österreicher nämlich gehörig ins Stottern.

Begonnen hat aber das erste von insgesamt vier Vorbereitungsspielen bis zur Euro im Juni wunschgemäß. Österreich schnürte die Alabaner in den ersten Minuten mit bedingungslosem Offensivpressing am eigenen Strafraum ein. Wie erwartet igelten sich die Gäste hinten ein, vom erwarteten Abwehr-Bollwerk – Albanien kassierte während der kompletten EM-Qualifikation auswärts keinen Gegentreffer – war aber nichts zu sehen.

Janko jubelt über 26. Teamtreffer

Österreichs Offensivreihe agierte agil und ideenreich. Und schon in der 6. Minute ging die Koller-Elf in Führung. Über Julian Baumgartlinger und Zlatko Junuzovic wurde Marc Janko freigespielt. Der Mödlinger stellte im Zweikampf mit seinem Gegenspieler erst seine technischen Fertigkeiten unter Beweis und alleine vor Albanien-Keeper Berisha seine Goalgetter-Qualitäten. Er hob den Ball sehenswert zum 1:0 in die Maschen.

War das 1:0 der Österreicher noch toll herausgespielt, so darf das 2:0 in die Kategorie Gastgeschenk gereiht werden. Nach einem langen Abschlag von Torhüter Robert Almer schlief nämlich die Abwehr der Albaner. Keiner fühlte sich für Martin Harnik zuständig, der alleine auf Berisha zusteuert und keine Mühe hatte den Ball im Tor unterzubringen.

In dieser Tonart ging es aber nicht weiter. Österreich versuchte zwar weiterhin hoch zu pressen, tat dies aber oft mit zu wenig Nachdruck. So hatten die technisch durchaus versierten Albaner mit Fortdauer des Spiels immer weniger Mühe sich spielerisch zu befreien. Das fiel auch Teamchef Marcel Koller auf: „In der Defensivarbeit hatten wir schon in der ersten Halbzeit das ein- oder andere Problem.“

Probleme nach Seitenwechsel

Österreichs Probleme sollten in der zweiten Halbzeit größer werden. Schon in der 47. Minute gelang den Gästen der Anschlusstreffer. Abwehrchef Aleksandar Dragovic attackierte bei einem Angriff der Albaner durchs Zentrum viel zu hoch. Die entstandene Lücke erkannte zwar Ermir Lenjani, nicht aber Dragovics Mannschaftskollegen. Der albanische Offensivspieler startete dynamisch durch und ließ ÖFB-Keeper Robert Almer mit einem satten Schuss ins kurze Kreuzeck keine Chance. Dieser Genickschlag saß. „Wir hatten danach keine Ruhe mehr im Spiel“, kritisierte Koller. Sinnbildlich für die durchwachsene Leistung der Österreicher in der zweiten Halbzeit fiel besonders ÖFB-Superstar David Alaba durch eine Vielzahl an Fehlpässen und Unkonzentriertheiten auf.

Bis auf eine brenzlige Situation nach einem Freistoß der Gästen, gab es für Albanien aber keine klaren Torchancen. In der 79. Minute brannten hingegen Ergys Kace die Sicherungen durch. Nach einem gemeinen Tritt gegen Dragovic flog der albanische Mittelfeldspieler verdient vom Platz. Anstatt Gelb-Rot hätte der slowakische Schiedsrichter Kruzliak aber durchaus auch die Rote Karte zeigen können.

In der Schlussphase bekamen die Österreicher in Überzahl wieder vermehrt Kontrolle ins Spiel. Der eingewechselte Guido Burgstaller hätte in der Nachspielzeit für das 3:1 sorgen können, scheiterte aber an Keeper Berisha.

"Am Ende zählt der Sieg"

Alle drei Niederösterreicher im Kader des ÖFB-Teams kamen bei diesem Testspiel zu Einsatz. Der Mödlinger Marc Janko glänzte mit dem Klasse-Tor zur 1:0-Führung – seinem bereits 26. Im Teamdress. Das Spiel analysiert der 32-Jährige trocken: „Am Ende zählt der Sieg über einen EM-Teilnehmer. Wir waren mit Fortdauer des Spiels zu passiv, deshalb haben wir Probleme bekommen. Ich bin bei der Bewertung von Testspielen aber immer ein bisschen im Zwiespalt.“

Christian Fuchs führte Österreich wie gewohnt als Kapitän aufs Feld. Der Pittener nahm seine tolle Form aus Leicester mit zum ÖFB-Team. Bei Österreichs starker erster Halbzeit war Fuchs als Linksverteidiger einer der agilsten Kicker in rot-weiß-rot. Er hob die gute Anfangsphase hervor: „Das war ein guter Test. Wir haben erste Halbzeit wirklich gut gespielt und hätten sogar höher als 2:0 führen können.“ Den Rückfall nach der Pause verfolgte Fuchs von der Bank aus. Für ihn kam der Wullersdorfer Markus Suttner ins Spiel. Der Ingolstadt-Legionär konnte dabei nicht so recht in die großen Fußstapfen von Fuchs treten.

Bereits am Dienstag geht es mit dem nächsten Testspiel gegen die Türkei weiter. Anpfiff im Ernst-Happel-Stadion ist um 20.30 Uhr.

Statistik:

ÖSTERREICH - ALBANIEN 2:1 (2:0).
Torfolge: 1:0 (6.) Janko, 2:0 (13.) Harnik, 2:1 (47.) Lenjani.
Gelbe Karte: Kace (55., Foul).
Gelb-Rote Karte: Kace (79., Foul).
Österreich: Almer; Klein, Dragovic, Hinteregger (46. Wimmer), Fuchs (46. Suttner); Baumgartlinger (76. Ilsanker), Alaba (87. Schöpf); Harnik, Junuzovic, Arnautovic (87. Burgstaller); Janko (79. Okotie).
Albanien: Berisha; Hysaj, Cana, Mavraj, Agolli; Abrashi (86. Basha), Xhaka (86. Kukeli); Lila (46. Roshi), Kace, Lenjani (79. Sadiku); Balaj (46. Cikalleshi).
Ernst-Happel-Stadion, 28.600 Zuschauer, SR Kruzliak (SVK).

Die besten Torschützen in der Geschichte der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft:

1. 44 Tore: Toni Polster (95 Länderspiele/1982 - 2000)
2. 34: Hans Krankl (69/1973 - 1985)
3. 29: Johann Horvath (46/1924 - 1934)
4. 28: Erich Hof (37/1957 - 1968)
5. 27: Toni Schall (28/1927 - 1934)
6. 26: Mathias Sindelar (43/1926 - 1937)
  . 26: Marc Janko (51/seit 2006)
  . 26: Andreas Herzog (103/1988 - 2003)
9. 24: Karl Zischek (40/1931 - 1945)
10. 23: Walter Schachner (64/1976 - 1994)

Stimmen zum Spiel:

Marc Janko (Österreich-Torschütze zum 1:0): "Wir wollten sie von Anfang an unter Druck setzen, das haben wir auch geschafft. Die erste Hälfte war in Ordnung, in der zweiten haben wir sie zu viel ins Spiel kommen lassen. Wir waren zu passiv, deswegen sind sie besser ins Spiel gekommen. Am Ende des Tages zählt der Sieg gegen einen EM-Teilnehmer. Es war ein guter Test, nicht mehr und nicht weniger. Bei Freundschaftsspielen bin ich immer ein bisschen zwiegespalten, wie man das bewerten soll. Leider kann man davon nicht wahnsinnig viel mitnehmen, aber es ist immer schön, wenn man gewinnt."

Christian Fuchs (Österreich-Kapitän): "Ich denke, Albanien hat es beim Tor richtig gut gemacht. Wir waren da immer einen Schritt zu langsam. An und für sich haben wir ein gutes Spiel gemacht, haben klar mehr Ballbesitz gehabt und waren die bessere Mannschaft. Deswegen war der Sieg in Ordnung. In der ersten Hälfte haben wir noch mehr Chancen gehabt, vielleicht hätten wir bei der Torausbeute noch das eine oder andere Tor machen müssen. Es war meiner Meinung nach ein guter Test. Ein Freundschaftsspiel hat nicht unbedingt den Charakter, als wenn es um Punkte geht."

David Alaba (Österreich-Mittelfeldspieler): "Ich denke, dass die erste Hälfte sehr, sehr positiv war. Wir haben genau das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben. In der zweiten Hälfte sind wir nicht so aus der Kabine gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben, sind irgendwie auch überrascht worden durch das Pressing. Dann haben die Kräfte etwas nachgelassen, ein bisschen war die Luft draußen. Im Großen und Ganzen war es okay. Wir wollten das Spiel gewinnen, das haben wir, und auch verdient. Es war eine lange Woche für uns."

Marcel Koller (Österreich-Teamchef): "In der ersten Hälfte haben wir nicht viel zugelassen, kriegen dann gleich nach der Pause den Anschlusstreffer, dann hat der Gegner Mumm gekriegt. Dann hätten wir mehr spielen müssen, das haben wir in der zweiten Hälfte nicht so gut gemacht wie in der ersten. Wir hatten aber auch noch Möglichkeiten vorne. Es war nicht alles glänzend, aber es gibt auch solche Spiele. Lieber jetzt als bei der EURO. Das soll uns eine Lehre sein, dass man das nicht so aus der Hand gibt. So viel Torgefahr haben sie aber auch nicht ausgestrahlt."