Erstellt am 19. Januar 2016, 06:23

von Bernhard Schiesser

Karl als Teilzeitkraft. Der Weltcup der Snowboarder umfasst in dieser Saison nur sieben Bewerbe. Totsagen lässt sich der Wilhelmsburger Benjamin Karl seine Sportart aber dennoch nicht.

 |  NOEN, GEPA pictures/ Mathias Mandl

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel - so lässt sich die Situation der Snowboarder zusammenfassen. Nach den Absagen der Bewerbe am Jauerling und in Japan schrumpfte das Programm auf sieben Parallel-Bewerbe zusammen. Warum es nicht mehr Rennen gibt? „Da gibt es mehrere Gründe. Der ÖSV will nicht alles alleine machen. Oft fehlt das Geld. Und in der FIS gibt es nur eine Person, die für die Organisation zuständig ist, und die ist dann oft überfordert“, sucht Benjamin Karl nach Erklärungen.

Karl fährt mindestens bis Olympia 2018 weiter

Totsagen will sich der 30-jährige Wilhelmsburger seinen Sport aber nicht lassen: „Schon bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano haben viele gesagt, dass es Snowboard nicht mehr lange geben wird. Das ist doch alles Blödsinn.“

Vor den Problemen will Karl allerdings nicht die Augen verschließen. Freilich würde er sich mehr Rennen wünschen. „Ich bin Fahrer und kann mich nicht noch um die Organisation von Rennen kümmern. Ich muss derzeit noch das nehmen, was mir angeboten wird“, fügt sich Karl den Gegebenheiten.

Zuletzt beim Weltcup in Bad Gastein schaffte der vierfache Weltmeister Rang vier. Seine gute Form will er beim Parallel-Riesentorlauf im slowenischen Rogla bestätigen. Dort soll es auch ein Krisengespräch der Teamführer geben. Das Ziel: In der nächsten Saison soll es wieder zumindest zehn Rennen geben. „Ideal wären 15“, so Karl.

Karl hat in seiner langen Karriere viel gewonnen. Was noch fehlt, ist olympisches Gold. Die nächste – und vermutlich letzte – Chance dafür bietet sich in zwei Jahren bei den Spielen in Südkorea. Dort soll es aber nur noch einen, anstatt bisher zwei Bewerbe, für die alpinen Snowboarder geben. „Bis dahin werde ich sicher weiterfahren. Ziele habe ich aber auch noch andere“, spielt Karl auf das Heimrennen am Jauerling an. In diesem Jahr hat man die Organisation ein wenig unterschätzt und zu spät damit begonnen. „Ich bin aber niemanden böse. Soweit ich weiß, plant Michi Dorfmeister schon ein Event für 2018. Dann wird das sicher wieder klappen.“

Karl hat aber längst nicht nur mehr Snowboard im Kopf. Er büffelt derzeit für seine Matura. Es fehlen nur noch die Prüfungen in Deutsch und Englisch. Was er nach seiner Karriere machen will, weiß er aber noch nicht: „Es geht darum, dass ich danach alle Möglichkeiten habe. Ich kann studieren, muss aber nicht.“