Erstellt am 02. August 2016, 05:21

von Wolfgang Wallner

Schütz trifft, die Admira leidet. St. Pölten holt im Derby ersten Sieg in der Bundesliga, Südstädter fahren mit „Rucksack“ nach Liberec.

Einstand nach Maß. Erstmals stand Daniel Schütz (rechts, gegen Admiras Stephan Zwierschitz) in der Startformation. In allerletzter Minute machte der Flügelflitzer den SKN-Sieg perfekt.  |  NOEN, Wolfgang Wallner

Zwei Pflichtspielniederlagen in einer Woche: Das ist ein schwerer Rucksack, den die Admiraner mit ins Europa-League-Rückspiel am Mittwoch in Liberec mitnehmen. Dem 1:2 gegen die Tschechen in der Südstadt folgte am Sonntag das Derby-K.o. in der NV-Arena. Daniel Schütz markierte in Minute 94 den Siegestreffer der St. Pöltner. Der Joker fixierte damit den ersten SKN-Sieg in der Bundesliga.

Für die Admira ein Tiefschlag. „Wir werden die Mannschaft wieder aufrichten, damit wir am Mittwoch für Österreich das Ruder noch einmal herumreißen“, gibt sich Oliver Lederer, der Trainer der Südstädter kämpferisch. Die Derbyniederlage habe man „sich selbst zuzuschreiben. Weil wir bis zum Ausschluss Herr der Lage waren und genug Möglichkeiten vorgefunden haben.“ Markus Wostrys Ampelkarte (59.) brachte die Wende.

Manuel Hartl traf für die nun dominanten „Wölfe“ zum 1:0, der Ausgleich durch einen Spiridonovic-Elfer änderte wenig. Der SKN machte Druck und wurde durch Neuzugang Daniel Schütz belohnt. „Ein Riesenerlebnis. Für mich und für die Mannschaft“, strahlte der Ex-Grödiger. „Das Pendel ist diesmal auf unsere Seite ausgeschlagen“, spielt St. Pöltens Trainer Karl Daxbacher auf vorwöchige Last-Minute-Niederlage gegen die Wiener Austria an.

Peinliche Panne kann teuer werden

In der Südstadt begibt man sich dagegen auf Ursachenforschung. Nicht nur sportlich. Denn die Flutlichtposse in der Europa-League wird für die Admira wohl ein Nachspiel haben. Mehr als 50 Minuten blieb’s bei insgesamt drei Ausfällen der Beleuchtung zappenduster. „Peinlich“, fand das nicht nur Sportdirektor Ernst Baumeister. Auf der Suche nach den Ursachen tappt man noch im Dunkeln. Man habe, so beteuert man bei der Admira, die Anlage zweimal im Vorfeld der Partie überprüft. Nur eines ist klar: Die neu verlegte Rasenheizung ist „unschuldig“, sie hängt noch nicht am Stromnetz. Als Draufgabe durfte noch ein Flitzer knapp 40 Sekunden fast unbehelligt am Spielfeld sein Unwesen treiben. Auch das könnte teuer werden für die Admira, eine Strafe seitens der UEFA droht. Zumindest die eigenen Fans will man versöhnen – mit Gratistickets für die Spiele gegen Ried oder Altach für alle, die gegen Liberec im Dunklen ausgeharrt haben.

Umso bitterer, dass die St. Pöltner Fans die Steilvorlage übernommen haben. Und per Transparent mit der Aufschrift „Blendet euch das Licht?“ beim Derby in den offenen Wunden bohrten. Jene vom Austria-Spiel, als der SKN in allerletzter Minute das 1:2 kassiert hat, sind verheilt. „Im Fußball kommt alles zurück, wir haben gezeigt, dass wir absolut die Klasse für die Bundesliga haben“, unterstreicht St. Pöltens Spielmacher Lukas Thürauer. Selbst für das erste Auswärtsmatch gegen Salzburg rechnen sich die Niederösterreicher jetzt Chancen aus. „Auch Red Bull ist nicht unverwundbar“, glaubt SKN-Glücksengerl Schütz.

Unverwundbar sind freilich auch die St. Pöltner nicht. Ex-Kapitän Tomasz Wisio hat beim Landesgericht St. Pölten eine einstweilige Verfügung erwirkt, darf nun wieder bei den Profis mittrainieren. Verstößt der NÖ-Bundesligist gegen die Verfügung, ist eine Geldstrafe fällig. „Schwer nachvollziehbar. Wisio und Daniel Beichler werden in der Bundesliga nicht für uns spielen“, sagt Trainer Daxbacher. Hinter den Kulissen arbeiten die St. Pöltner an einer Einigung mit den beiden zu den Juniors versetzten Profis. Das erste SKN-Angebot haben die Routiniers abgelehnt.