Erstellt am 28. September 2015, 05:02

von Bernhard Schiesser

Ernst als Baumeister. Mit 58 kehrte Ernst Baumeister in die Tipico Bundesliga als Trainer zurück. Bei der Admira will er Aufbauarbeit leisten und den Traditionsverein renovieren.

Zu Fuß in die Arbeit: Platzhirsch Ernst Baumeister.  |  NOEN, Wastl
Damit, dass er als Trainer noch einmal in die Bundesliga zurückkehrt, hat Ernst Baumeister nicht gerechnet. „Ich wollte eigentlich gar nicht mehr. Jetzt macht es aber umso mehr Spaß“, lacht der 58-Jährige verschmitzt. Kein Wunder: Seit er gemeinsam mit Oliver Lederer die Admira betreut, erlebt der Traditionsverein eine sportliche Renaissance.

Platz zwei nach dem ersten Meisterschaftsviertel – so gut war die Admira schon lang nicht mehr gestartet. Dabei waren die Südstädter als Abstiegskandidat Nummer eins ins Rennen gegangen. „Du sollst dich nicht täuschen“, spricht Baumeister jenes Gebot an, das vor allem im Fußball oft Gültigkeit hat.

Bis 2008 war Baumeister als Bundesligatrainer bei Austria, Pasching, Untersiebenbrunn und bei der Admira tätig. Mit den Erfolgen als Spieler (achtmal Meister, viermal Cupsieger, WM-Teilnahmen 1978 und 1982) konnte der Trainer Baumeister nie Schritt halten. „Das wäre auch schwer möglich gewesen, dann hätte ich ja neunmal Meister werden müssen“, nimmt’s der zwei Gehminuten vom Stadion in der Südstadt entfernt wohnende Baumeister mit Humor.

„Der Verein braucht Kontinuität“

Auf die Ziele mit der Admira angesprochen, ist es mit dem Spaß schnell vorbei. Baumeister will in der Südstadt etwas aufbauen, nämlich einen Ausbildungsverein, der auf gesunden Beinen steht und nicht in jeder Saison um den Klassenerhalt und um die Lizenz der Bundesliga bangen muss.

„Wenn wir als Mannschaft sportlich erfolgreich sind, dann können wir dem Verein helfen, sich besser aufzustellen“, hofft der 39-fache Teamspieler. „In der Vergangenheit war es bei der Admira oft so, dass irgendjemand ein paar Monate lang Feuer und Flamme war und dann gleich wieder den Hut draufgeschmissen hat. Der Verein braucht in der Führung Kontinuität“, ist Baumeister überzeugt, dass in der Südstadt ein gesunder Bundesligaverein entstehen kann.

Baumeister – der vor der Saison nur deshalb von der Admira engagiert wurde, weil Lederer die erforderliche Trainerausbildung fehlt – kann sich durchaus vorstellen, über die Saison hinaus beim Verein zu bleiben: „Wenn ich sehe, wie wir im Trainerteam zusammenarbeiten und wie unsere Burschen am Feld Gas geben, dann lacht mir das Herz.“ Eher gequält lächelt Baumeister auf das nach wie vor geringe Publikumsinteresse in der Südstadt angesprochen: „Die Menschen südlich von Wien können sich vermutlich keine Eintrittskarte leisten.“