Erstellt am 19. April 2016, 06:14

von Bernhard Schiesser

Grabenkampf um NÖ-Fußballthron. Die NÖN lud die Kandidaten Ludwig Binder und Hans Gartner zum Streitgespräch. Dabei blieb kein Auge trocken.

Freunde werden Hans Gartner (l.) und Ludwig Binder (r.) wohl nicht mehr. NÖN-Sportchef Bernhard Schiesser leitete ein mitunter hitziges Streitgespräch zwischen den beiden Kandidaten auf das NÖFV-Präsidentenamt.  |  NOEN, Erich Marschik

Am Samstag wird es ernst. Im Rahmen der ordentlichen Hauptversammlung wählen die NÖ-Fußballvereine ihren Präsidenten. Zur Wahl stehen der amtierende NÖFV-Präsident Ludwig Binder und Hans Gartner. Besonders brisant: Der Herausforderer hatte dieses Amt vor Binder zehn Jahre lang inne. Vor vier Jahren stieß Binder als Vizepräsident Gartner in einer Stichwahl vom Thron. Jetzt gibt’s die Revanche!

Und das sehr zum Ärger von Amtsträger Binder, der in Gartners Kandidatur ein „Aufreißen längst zugeschütteter Gräben“ ortet. Ein Vorwurf, der dem 64-jährigen Ziersdorfer ein Lächeln kostet: „Was war vor vier Jahren? Wer hat denn da die Gräben aufgerissen?“ Damit war im Streitgespräch, zu dem die NÖN lud, Runde eins eröffnet.


Und Binder nahm den verbalen Schlagabtausch an. „Der Unterschied ist der, dass ich damals nicht Ehrenpräsident war. Von dem erwartet man Unterstützung. Der sollte allenfalls in Notsituationen eingreifen“, hat Binder keine Freude mit Gartners Kandidatur. „Ich sehe eine Notsituation“, geht der Herausforderer zum Angriff über. „Das weise ich aufs Entschiedenste zurück“, wurde auch Binder im Ton rauer.

„Ich sehe eine Notsituation!“
Hans Gartner begründet seine Kandidatur.

Apropos Ton: Der soll laut Gartner vielen NÖ-Vereinen unter Binders Präsidentschaft nicht gepasst haben. Er sei von Vereinen aller Hauptgruppen des Landes gebeten worden, sich der Wahl zu stellen. 23 Vereine legten schließlich Unterstützungserklärungen für Gartner vor. Geht es im NÖ Fußballverband zu autoritär zu? „Nach Auffassung vieler Vereinsfunktionäre schon. Viele sind mit dem Stil unzufrieden. Das hat’s noch nie gegeben, dass die Funktionäre Angst vor einem Verbandspräsidenten haben mussten. Nun haben die Vereinsvertreter die Wahl zwischen verschiedenen Herangehensweisen.“

Für Binder ist dieser Vorwurf völlig aus der Luft gegriffen: „Das stimmt doch in keinster Weise. Ich hatte bei den zahlreichen Diskussionsveranstaltungen nicht den Eindruck, dass sich da jemand fürchtet. Die Diskussionen sind ruhig und konstruktiv über die Bühne gegangen. Einzig in der Hauptgruppe Nord hat’s Probleme gegeben. Das war zu erwarten, weil da der FC Angern im Vorfeld schon geschürt hat.“

Speziell von der March kommen nämlich Giftpfeile in Richtung St. Pölten. Der Obmann-Stv. des FC Angern soll im Vorfeld Stimmung bei den Vereinen für Gartner und gegen Binder gemacht haben. Besonders brisant: Robert Binder trägt den selben Nachnamen wie der NÖFV-Präsident, was bei manchen für Verwirrung sorgte. „Manche Vereine haben sich dann überhaupt nicht mehr ausgekannt, als sie von einem Herrn Binder eine E-Mail in Sachen Fußball erhalten haben.“

Geheime Wahlwerbung im Hintergrund

Mittlerweile sollte jedem klar sein, dass Ludwig Binder der Präsident ist und Robert Binder seinem Herausforderer Hans Gartner erneut in den Sattel helfen will. „Du hast je eh fleißig nachtelefoniert“, schmunzelt Gartner. Ludwig Binder leistete nämlich offenbar persönlich telefonische Aufklärarbeit.

Angerns Binder stellte übrigens zum wiederholten Male den Antrag zur Aufhebung der Eigenbauspielerregelung. Bei der NÖFV-Vorstandssitzung am Donnerstag wurde dieser Antrag, der ebenfalls bei der Hauptversammlung zur Abstimmung kommen sollte, aufgrund eines Formalfehlers nicht zugelassen. Übrigens: Weder Ludwig Binder noch Hans Gartner sind für ein Fallen der Eigenbauspielerregelung. „Wir haben nichts Besseres“, ist Gartner mit dem NÖFV-Präsidenten auf Linie.

So wie Gartner und Binder inhaltlich bei so ziemlich allen Sachthemen einer Meinung sind. Registrierkassenpflicht, Kostenlose Freigabe der Spieler mit 28, verpflichtendes Stellen einer Reservemannschaft, Schiedsrichtermangel – hier macht Gartner Binder weder einen Vorwurf noch hätte er grundlegend neue Ansätze.

„Ich bin kein Diktator. Die Prozesse laufen demokratisch ab.“
Ludwig Binder weist entsprechende Vorwürfe zurück.

Was also würde sich unter einem neuen Präsidenten Gartner ändern? „Der Stil und ich würde die Hauptgruppen wieder aufwerten. Momentan wird sehr viel im Präsidium entschieden. Da muss man die Hauptgruppen besser einbinden, aber auch mehr in die Verantwortung nehmen.“ Binder schüttelt erneut den Kopf: „Es wird im Präsidium das entschieden, was dort nach den Satzungen zu entscheiden ist. Alle werden informiert. Ich wüsste nicht, welche Hauptgruppe sich hintangesetzt fühlen sollte. Ich bin kein Diktator, die Prozesse laufen demokratisch ab.“ Eines hat sich laut Binder aber in seiner Amtszeit geändert: „Wir bereiten Sitzungen so vor, dass am Ende auch Ergebnisse rauskommen. Diese Konstruktivität hat es unter deiner Führung eben nicht gegeben.“


Die Fakten

  • Ludwig Binder (67) aus Neunkirchen und Hans Gartner (64) aus Ziersdorf stellen sich einer Stichwahl um das NÖFV-Präsidentenamt.

  • Im Rahmen der ordentlichen Hauptversammlung am Samstag (10 Uhr) in der Sportschule Lindabrunn wählen die derzeit 516 Vereine ihren Präsidenten.

  • Folgende Vereine unterschrieben die Unterstützungserklärung für Gartner: Angern, Pirawarth, Breitensee, Eckartsau, Haitzendorf, Hauskirchen, Hohenau, Hollenburg, Kleinhadersdorf, Kleinharras, Kremser SC, Langenlebarn, Matzen, Obersiebenbrunn, Ollersdorf, Pressbaum, Rehberg, Rohrbach, Rust, Sitzendorf, Tulln, Ziersdorf, Zwentendorf.

  • Die Wahl vor vier Jahren ging mit 279 zu 262 Stimmen zugunsten Binders aus.