Erstellt am 17. Februar 2016, 11:18

von Claus Stumpfer

Pia Zerkhold: "Wir haben uns alle nichts geschenkt". NÖ-Sportlerin Pia Zerkhold (17) holte im Team-Mixed-Crossbewerb (Snowboard Cross) Platz 5. NÖN-Sportredakteur Claus Stumpfer bat die Athletin zum Gespräch.

Claus Stumpfer im Gespräch mit Pia Zerkhold.  |  NOEN, ÖOC, GEPA

NÖN: Ihr seid heute im Team-Mixed-Crossbewerb Fünfte geworden, im Vorjahr habt ihr bei den europäischen Jugendspielen Silber geholt – bist Du zufrieden, oder hast Du Dir doch vielleicht eine Medaille erwartet? Waren die Gegner bei den Weltspielen hier stärker?
Pia Zerkhold: Es waren schon ein paar Länder mehr dabei, aber eigentlich nicht solche, dass man sagen könnte, es wäre heuer schwerer gewesen, eine Medaille zu holen, als im Vorjahr.
 
Das klingt nicht so, als wärst Du ganz zufrieden! Ihr seid aber auch um ein Jahr älter geworden, was Euch schon zu noch größeren Favoriten gestempelt hat.
Genau! Wir haben alle vier Fahrer bei den Rennen ziemlich blöde Fehler gemacht, die wir im Training doch vermeiden konnten. Und wir haben heuer auch schon Leute geschlagen, gegen die wir jetzt gefahren sind, aber heute hat es nicht geklappt. Es wäre so gesehen alles möglich gewesen.
 
Alles war möglich, sogar aufs oberste Stockerl klettern?
Zumindest das große Finale wäre in Normalform von allen sicher drinnen gewesen. Gewonnen hat Deutschland, und die hatten aber schon ein sehr gutes Team, waren die Favoriten. Auch die Schweiz auf Platz zwei ist keine Überraschung.
 
Stell unseren Lesern vielleicht kurz unser Team vor. Wer waren Deine Kollegen heute und welcher war jetzt wirklich Schuld, dass es nichts mit einer Medaille geworden ist. Und sag, dass es die zwei Nicht-Niederösterreicher waren!
Klar, die Niederösterreicher waren es nicht! (lacht) Nein, dass kann man so sicher nicht sagen. Neben mir und meinem Boarderkollegen Marco Dornhofer (17, Oberwölbling, Team Trendsport Weichberger St. Pölten, Anm. d. Red.) waren noch die Ski-Freestyler Martina Rainer aus Salzburg und der Steirer Marcel Illmaier für Österreich am Start. Aber wir alle haben unsere Fehler gemacht. Marco war eigentlich sehr gut drauf heute, aber einmal hat es ihn geschmissen. Auch ich hatte heute einige gute Läufe, bei anderen war es sehr eng, und ein paar Mal sind mir Leute von hinten aufs Board rauf gefahren und das bremst, da verliert man Speed, und das ist natürlich fatal.  Beim Start ist es für mich eigentlich immer sehr gut gegangen, und weil man das ja selbst am besten beeinflussen kann, bin ich auch nicht ganz unzufrieden.

Man kann aber schon sagen, dass heute von den Gegnern die Ellenbogen auf der Strecke ausgepackt wurden?
Wir haben uns alle nichts geschenkt, denke ich. Es gab Überholmanöver, die ich vorher nicht für möglich gehalten hatte.
 
Du bist überholt worden, oder hast überholt?
Beides, die Strecke hat zu Überholmanövern eingeladen, und deshalb war es sicher sehr attraktiv zum Zuschauen.
 
Wie war die Strecke hier in Lillehammer? War das von den Schwierigkeiten her schon auf Weltcupniveau, oder doch eher Europacup, vielleicht sogar Nachwuchs?
Die Strecke war voll gut, weil es gescheite Steilkurven gab, Banks und auch weite Sprünge, das war auf alle Fälle Top-Europacupniveau. In Österreich gab es bisher ja kaum Schnee, und daher haben wir daheim noch keine Strecken zum Trainieren zusammengebracht, die solche Elemente drinnen hatten. Das war auch ein Nachteil.
 
Kurz müssen wir auch noch über das Einzel-Rennen gestern reden. Du bist Achte geworden, Dornhofer Neunter …
Genau (seufzt).
 
Der Tonfall in der Stimme sagt mir, dass Du auch damit nicht ganz zufrieden bist!
Also wie ich her gefahren bin, war es so, dass ich mir schon gesagt habe, ins Halbfinale möchte ich kommen. Mit Platz Acht habe ich daher nun mein Minimalziel auch erreicht und das freut mich. Aber wenn ich denke, wie ich dann  im Rennen gefahren bin, muss ich einfach sagen, dass weit mehr drinnen gewesen wäre. Ich hab unglaublich blöde Fehler gemacht.
 
Gab es eine Passage auf der Strecke, mit der Du bis zum Schluss nicht klar gekommen bist, oder war es doch immer unterschiedlich?
Eine Schlüsselpassage für mich gab es nicht. Es waren viele Schläge in den Steilkurven drinnen, und daher war es schon schwer herauszufinden, wie man es genau am besten fährt, aber es gab nichts Bestimmtes. Beim Training hatte der Start bei mir noch nicht hingehauen, aber im Rennen war das ab dem ersten Einzellauf super. Damit bin ich echt zufrieden!
 
Was war ausschlaggebend, dass Du es knapp nicht ins große Finale geschafft hast?
Im Semifinale bin ich bei der Startsektion auf der Kante hängen geblieben, das war noch im Kampf Erste gegen Zweite. Dadurch bin ich dann hingefallen, aber sofort wieder auf, weil ich gehofft habe, dass auch bei den Dreien vor mir noch was passieren könnte. Und so kam es dann auch, tatsächlich sind noch zwei Mädels gestürzt, aber eine von ihnen hat sich doch knapp vor mir ins Ziel gerettet. In dem Heat ist wirklich viel passiert.
 
Und wie war es dann im Kleinen Finale?
Da habe ich Boardkontakt gehabt, bin also mit einer anderen Fahrerin kollidiert, das hat mich ein bisserl rausgebracht, dann haben mich alle anderen überholt. Ich bin nochmals reingefahren, aber es war auch dann kein perfekter Lauf und so blieb es halt beim achten Platz.
 
Wie gefällt es Dir hier in Lillehammer bei diesen Jugendspielen, jetzt einmal abseits der Bewerbe?
Wir sind rechtzeitig vor der Eröffnung hier gewesen, und das war ein super Spektakel. Dann ist auch ganz toll, dass wir in den Zimmern bunt gemischt sind, also Snowboardcrosser, dann auch die Bobfahrerin Mercedes Schulte aus Böheimkirchen, eine Rodlerin und eine Eishockeyspielerin – wir haben uns alle nicht gekannt, aber das ist total lustig.
 
Aber das sind schon alles Österreicher, oder sind auch die Nationen gemischt?
Schon lauter Österreicher, aber eben von unterschiedlichen Sportarten. Natürlich hat man von anderen Nationen speziell die Boarderkollegen jetzt besser kennengelernt und das ist auch schön.
 
Im Hinblick darauf, dass man als Gegner möglicherweise die nächsten 15 Jahre mit vielen von ihnen wird Leben müssen? Man teilt sich ja quasi den Arbeitsplatz dann!
Das stimmt! Und es ist sicher angenehmer, wenn man dann abseits der Piste ein freundschaftliches Verhältnis hat.
 
Wie schauen Deine weiteren Ziele heuer noch aus?
Jetzt bleibe ich noch bis zur Schlusszeremonie hier, nütze die Zeit zum Trainieren, genieße aber auch noch ein bisschen das Flair der Spiele hier und dann geht’s im Europacup weiter. Ich möchte heuer schon noch wichtige FIS-Punkte sammeln, aber wie und wo es genau weitergeht, weiß ich jetzt gar nicht, die Schneelage ist ja überall sehr prekär. Ich hoffe, man stellt noch ein paar Rennen heuer auf die Beine.

Du warst jetzt hier bei den Jugendspielen. Haben die Deinen Gusto auf die richtigen Olympischen Spiele noch mehr geweckt?
Ja schon, es war immer ein Ziel von mir, aber jetzt erst recht!
 
Du bist siebzehn Jahre alt, das heißt, in zwei Jahren bei den Spielen in Südkorea bist Du Neunzehn, theoretisch wäre ein Start dort nicht ganz ausgeschlossen. Siehst Du da schon eine reale Chance, oder sagst du Dir selbst, dass erst mit 23 Jahren, also 2022, Deine Zeit kommen wird?
2018 kommt glaube ich ein bisschen zu früh, das ist schon sehr theoretisch als Ziel. Dazu wäre ein enormer Leistungssprung noch notwendig, so realistisch muss man sein. Aber Peking 2022 ist definitiv mein Ziel.
 
Und wie schaut es mit Weltcupeinsätzen aus? Sind da bald welche in Aussicht?
Ich hoffe auf alle Fälle, dass ich im nächsten Jahr einmal den Heimweltcup fahren kann. Es war heuer schon knapp, aber dann war ich ein bisserl verletzt vor Montafon und mein Einsatz leider kein Thema mehr. Wenn man die Chance erhält, ist es schon wichtig, dass man auch ein gutes Resultat erzielen kann, dass weitere Einsätze sinnvoll erscheinen lässt.
 
Warum ist Deiner Einschätzung nach Niederösterreich im Snowboard besser vertreten, als in anderen Wintersportarten? Die NÖ-Boarder heizen ja seit Jahren den Westlern ordentlich ein! Wie bist beispielsweise Du zum Snowboardsport gekommen? War da vielleicht Benni Karl als Vorbild schon wichtig?
Nein, eigentlich nicht. Ich bin mit meinen Eltern immer in den Skiurlaub gefahren, hab dann auch etwas anderes probieren wollen, und das Snowboarden hatte ich recht schnell herraußen. Bei den österreichischen Schülerlandesmeisterschaften und dann auch den Bundesmeisterschaften bin ich dann aufgefallen.
 
Und wer hat da gesagt: „Aus der könnte was werden“?
Das war Erik Wöll vom NÖ-Verband. Er hat mich direkt angesprochen, und mir empfohlen, bei meinem Talent es bei einem Verein zu versuchen. Er hat mich auch in den Landeskader geholt, da gab es zunächst Trainingswochenenden, und dann kam die Anfrage, ob ich nicht in die Schule nach Schladming kommen möchte. Dann hab den Patrick Hof kennengelernt, und war sofort bei ihm im Team der Snowboardbase. Ich hab da gar nicht überlegt, was ist jetzt besser für mich, oder dergleichen. Das war keine Entscheidung gegen das Weichberger-Team, sondern das war einfach so.
 
Was machst Du schulisch? Oder bist Du schon fertig?
Ich besuche die Ski-Handelsakademie in Schladming und da habe ich sechs Jahre Unterricht, also drücke ich noch eine Weile die Schulbank. Da liegt einiges vor mir.
 
Im Vorfeld dieser Jugendspiele gab es auch eine Kickoff-Veranstaltung mit Medientraining und dergleichen. Wie hast Du das empfunden? Es geht das Gerücht, dass Euch Felix Gottwald mit seinem Vortrag voll begeistert hat.
Ja, der war wirklich toll, ist voll auf uns eingegangen, und nicht zu vergleichen mit allen anderen derartigen Veranstaltungen, die wir bisher besucht haben. Aber alles in allem sind diese Jugendspiele sicher eine Erfahrung, die wir bei künftigen Bewerben sehr gut nützen können.
 
Danke und noch schöne Tage hier in Lillehammer, viel Erfolg in den restlichen Saisonrennen und ich bin überzeugt, dass wir noch viel von Dir hören werden.


Zur Person: 

Pia Zerkhold (17)
Geboren: 26. Oktober 1998 in Wr. Neustadt
Wohnort: Scheibbs
Verein: Snowboardbase
Disziplin: Snowboard Cross
Erfolge 2015: 9. Europacup Bad Gastein, 2. EYOF Vorarlberg & Liechtenstein Snowboard Cross Team, 1. Österreichische Juniorenmeisterschaft

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