Erstellt am 11. April 2017, 11:50

von APA Red

Coach Bresnik: Bester Thiem, den es je gab. Für Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem geht es in die nächste heiße Turnierphase, für ihn die wichtigste des Jahres.

Der Niederösterreicher freut sich auf die Sandplatzsaison  |  APA (AFP/Getty)

Der 23-jährige Weltranglisten-Neunte beginnt beim ATP-Masters-1000-Turnier in Monte Carlo die europäische Sandplatz-Saison, auf die sich der French-Open-Halbfinalist 2016 besonders freut. Thiem bereitet sich in der Südstadt akribisch vor, am Donnerstag fliegt er nach Monaco.

Übrigens nicht aus Wien, sondern aus München, weil der Bayern-Fan einer Einladung zum Champions-League-Schlager des FC Bayern München gegen Real Madrid folgt. Thiem ist vor knapp zwei Wochen nach einem Auftakt-Aus in Miami nach langer Übersee-Reise in die Heimat zurückgekehrt.

Sein Coach Günter Bresnik berichtete im Gespräch mit der APA von guten Fortschritten und einer guten Vorbereitungsphase. "Die Vorbereitung läuft super. Da kann man wirklich gezielt wieder an ein paar Dingen arbeiten", schilderte Bresnik. So wurde das Material wie Schläger und Schuhe neu adaptiert. Viel Umfang und viele Schläge habe sein Schützling trainiert, am Dienstag u.a. auch mit Andreas Haider-Maurer, der im Mai sein Comeback feiern möchte.

"Kann mit Druck gut umgehen"

Immer wieder betont Thiem, dass Sandplatz sein Lieblingsbelag ist, obwohl er auch auf Hartplatz und im Vorjahr in Stuttgart sogar auf Rasen schon Titel geholt hat. Und natürlich ist die Erwartungshaltung im Vergleich zu 2016 weiter gestiegen. "Das mag schon ein gewisser Druck sein. Aber damit kann er gut umgehen. Ich kann nicht sagen, ich erwarte mir nichts und dann ist alles besser", glaubt Bresnik. Sein Schützling habe genaue Vorstellungen, von dem, was er erreichen möchte.

Die Turnierplanung steht mit kleinen Änderungen: Thiem spielt vor Paris fix Monte Carlo, Barcelona, Madrid und Rom. Bresnik: "Ob er noch zusätzlich etwas spielt, das wird man sehen, wie es läuft." So ist weder München, wo Thiem Vorjahresfinalist war, noch das von Nizza nach Lyon übersiedelte ATP-Event unmittelbar vor den French Open fix. In Nizza hat Thiem 2015 und 2016 jeweils den Titel geholt und war dann erst ganz knapp nach Roland Garros angereist.

Spielt Thiem aber bei den größeren Masters-1000er-Sand-Turnieren wie Monte Carlo (2016 Achtelfinale), Madrid (1. Runde) und Rom (Viertelfinale) besser, kann er auch weit besser punkten als bei den kleineren 250er-Events in München oder Lyon. "Es ist nicht so, dass das der Zenit war", meinte auch Bresnik mit Blick auf die Vorjahresergebnisse.

"Auf Sand da kennt er seinen Stellenwert"

Thiem hatte Roland Garros vor kurzem zu seinem "wichtigsten Turnier in diesem Jahr" erklärt. Bresnik sieht es nicht ganz so. "Alle Grand-Slam-Turniere sind für einen Tennisspieler ein Highlight. Alle vier. Es ist kein größeres Highlight, weil du dort letztes Jahr gut gespielt hast. Mir wäre es auch recht, wenn er in Australien, Wimbledon oder bei den US Open gut spielt." Auf Asche verfügt sein Schützling aber nach wie vor wohl auch über das größte Selbstvertrauen. "Auf Sand da kennt er seinen Stellenwert."

Und diese Einstellung im Kopf bewirkt auch Wunder. "Er hat heuer einmal auf Sand gespielt, mit der denkbar schlechtesten Vorbereitung, die es gibt, und das Turnier gewonnen", erinnerte Bresnik an den ATP-500-Titel des Lichtenwörthers in Rio de Janeiro." Dabei habe Thiem in diesem Jahr noch nicht ein Mal so gut gespielt, wie er es könne.

"Dominic ist sicher heute der beste Tennisspieler, der er je war"

Wenn Bresnik seinen Schützling im Vergleich zu April 2016 sieht, hat der 55-jährige Niederösterreicher ein klares Statement parat: "Man kann ganz objektiv sagen, dass er jetzt wesentlich besser Tennis spielt als vor einem Jahr." Natürlich hat sich auch die Konkurrenz verbessert. "Wie es in der Relation ausschaut, wird man sehen. Aber absolut gesehen, ist Dominic sicher heute der beste Tennisspieler, der er je war."

Ist der Reifeprozess so weit fortgeschritten, dass Thiem ganz Großes erreichen kann? "Ich finde, dass Dominic momentan ein Niveau hat, wo es niemanden mehr überraschen würde, wenn er - welches Turnier auch immer - gewinnt", sagt Bresnik. Der Weltranglisten-Neunte zählt nicht nur für ihn bei jedem Turnier zumindest zum erweiterten Favoritenkreis.

Thiem hatte im Vorjahr nach Miami fünf Matches gegen Top-Ten-Spieler in den Beinen, dieses Jahr erst eines gegen Stan Wawrinka (Indian Wells). Gerade diese Begegnungen auf höchster Ebene braucht man, will man sich im Ranking und spielerisch weiter verbessern.

Allerdings hat es auch mit dem eigenen Aufstieg Thiems zu tun. "Wenn du selbst erste 10 bist, spielst bei den meisten Turnieren erst im Semifinale oder Finale gegen diese Leute. Bei den Grand-Slam-Turnieren musst du zumindest ins Viertelfinale kommen." Top-Ten-Niveau haben für Bresnik aber Gegner wie Nick Kyrgios ("spielt heuer besser als einige in den Top Ten"), Alexander Zverev oder David Goffin.

Positive Signale hinsichtlich Davis-Cup-Heimspiel

Thiem wird nach Paris in der Rasen-Saison sicher in Halle spielen. Stuttgart, wo er Titelverteidiger ist, ist noch nicht geklärt. In Sachen Davis-Cup-Heimspiel im September gegen Rumänien gibt es positive Signale. "Im September ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er dabei ist", sagte Bresnik, der überrascht war, dass das ÖTV-Team in Weißrussland verloren hat. "Jürgen (Melzer) hat in den Wochen davor sehr gut gespielt und war für mich klarer Favorit gegen beide Einzelspieler", meinte er.

Doch Bresniks Fokus liegt freilich ganz auf Thiem, mit dessen Gesamtzustand er aktuell sehr zufrieden ist. "Heute steht er da wie eine tausendjährige Eiche. Vor Verletzungen bist du nie gefeit, da kann immer eine Kleinigkeit passieren. Aber im Moment passt alles." Thiem agiere kompakter, ausdauernder, war immer schon außergewöhnlich schnell und "ist sicherlich ein Mann geworden in den letzten zwei, drei Jahren".

Thiem zu Davis-Cup: "Schaut sehr gut aus"

Dominic Thiem selbst gab ebenfalls positive Signale, dass er im September ins Davis-Cup-Team zurückkehren könnte. "Es ist natürlich noch nicht sicher, aber es schaut sehr gut aus", sagte Thiem in einem ORF-Interview.