Erstellt am 26. Juli 2016, 09:02

von Peter Sonnenberg

Zwei Brüder, zwei Sieger. Jürgen und Gerald Melzer drückten dem ATP-Turnier in Kitzbühel ihren Stempel auf: Ersterer meldete sich lautstark zurück und Zweiterer schaffte den Sprung unter die Top 100.

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Ein Stück heimischer Sport geschichte wurde letzte Woche bei den Generali-Open in Kitzbühel geschrieben: Erstmals traf mit Jürgen und Gerald Melzer ein öster reichisches Brüderpaar im Rahmen eines ATP-Turnieres auf einander.

Zudem sorgte Gerald mit seinem Halbfinaleinzug dafür, dass er seit Montag erstmals unter den Top 100 der Weltrangliste aufscheint. Wie sein Bruder Jürgen, der jahrelang Stammgast im Kreis der weltbesten Tennisspieler war.

Vor allem das direkte Auf einandertreffen im Viertelfinale sorgte für Emotionen. „Fürchterlich. Meine Frau und ich haben uns extra ein wenig zurückgezogen, weil wir es uns nicht anschauen wollten“, empfand Melzer-Vater Rudolf kein Vergnügen, seinen Söhnen zuzuschauen.

Ähnlich sah es das Publikum in Kitzbühel, das recht unschlüssig war, wen es unterstützen sollte. Für die zwei Deutsch-Wagramer Aushängeschilder war es auf jeden Fall eine Woche, die sie nie vergessen werden.

"Hab immer gewusst, dass er Top-Ten-Spieler schlagen kann"

Vor allem der 35-jährige Jürgen feierte ein Comeback nach Maß: Nach seinen starken Auftritten beim Daviscup in der Ukraine, setzte er mit Siegen über den Spanier Taro Daniel und Österreichs Nummer eins, Dominic Thiem, für weitere Ausrufe zeichen. Für Vater Rudolf keine Überraschung: „Ich habe immer gewusst, dass er in fittem Zustand immer noch einen Top-Ten-Spieler schlagen kann.“

Der Entdecker der beiden Melzer-Brüder, ihr ehemaliger Trainer Heribert Elias pflichtet ihm bei: „Jürgens Spielweise, die Tempowechsel, Stopps und überraschenden Schläge, sieht man auf der Tour kaum mehr. Und genau deshalb haben gerade junge Spieler damit ein Problem.“

Ein Grund für seine tolle Rückkehr sieht Jürgen Melzer auch in seinem Abstecher zum Fußball. Er spielte ja im Frühjahr ein paar Spiele beim 1. Klasse-Verein ATSV Deutsch-Wagram: „Das hat vor allem mental geholfen.“

Stichwort junge Spieler: Der um neun Jahre jüngere Gerald wurde für seine harte Arbeit der letzten Monate mit dem Einzug ins Kitzbühel-Halbfinale belohnt. Er nahm den harten Weg der Challenger-Tour in Kauf, um wichtige Punkte für die Weltrangliste zu sammeln.

Jetzt scheint er auf Platz 90 herum auf und konnte deshalb das bittere Halbfinal-Aus, trotz zwölf (!) abgewehrter Matchbälle, leichter verkraften: „Ein Traum ging für mich trotzdem in Er füllung.“