Erstellt am 12. Mai 2016, 17:11

von APA Red

Thiem spielt "nicht bei Olympia". Dominic Thiem hat am Mittwoch in Rom nicht nur mit seinem Achtelfinalsieg über Tennis-Superstar Roger Federer aufhorchen lassen.

 |  NOEN, APA (AFP)

Für seinen Verzicht "gebe es viele Gründe", die er aber vorerst nicht anführen wolle. Auch seine Nicht-Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) sorgte für Aufsehen. "Ich spiele nicht bei Olympia", sagte Thiem nach dem Match. 

"Vielleicht erkläre ich das zu einem anderen Zeitpunkt, aber nicht heute", betonte der 22-jährige Niederösterreicher, der bestätigte, dass er während der Sommerspiele in Rio beim ebenfalls auf Hardcourt stattfindenden mexikanischen Turnier in Los Cabos (8. bis 14. August) antreten werde.

Thiem hätte über seine Weltranglisten-Platzierung die Olympia-Teilnahme sicher gehabt, hatte aber schon zuletzt durchklingen lassen, dass er wohl auf das Großereignis in Rio verzichten werde.

Österreich wird damit wohl in beiden Einzelbewerben nicht vertreten sein. 2012 in London waren Jürgen Melzer und Tamira Paszek dabei.

Die Vorarlbergerin als aktuell beste ÖTV-Dame sowie Gerald Melzer als hinter Thiem nächstgereihter ÖTV-Herr rangieren aber klar außerhalb der Top 100.

Der Cut wird jedoch schon in gut drei Wochen am 6. Juni unmittelbar nach den French Open gezogen und wird in etwa bei Weltranglistenplatz 70 liegen.

Gerald Melzer wie Paszek würden da schon ein herausragendes Abschneiden beim Paris-Grand-Slam brauchen, um da noch hineinzurutschen. Schafft das Paszek nicht, wird es wie vor vier Jahren auch kein österreichisches Mixed-Doppel geben.

Da auch eine Qualifikation im Damen-Doppel illusorisch ist, bleibt nur noch das Herren-Doppel, um einen olympischen "Salto nullo" für Brasilien abzuwenden.

In London hatten Jürgen Melzer und Alexander Peya gemeinsam gespielt. Peya ist als Weltranglisten-20. der aktuell beste ÖTV-Doppelspieler. Neben ihm sind auch der Steirer Oliver Marach, der Vorarlberger Julian Knowle und auch Jürgen Melzer für Rio vorakkreditiert.

Letzterer ist zwar seit September außer Gefecht, setzt aber noch auf eine kleine Olympia-Hoffnung. Realistisch ist dies freilich nicht. Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek hofft jedenfalls, dass es doch noch ÖTV-Teilnehmer am olympischen Tennisturnier gibt.

Er wurde im Vorjahr zu Österreichs Olympia-Coach im Tennis bestellt, könnte die Spiele nun aber pikanterweise schon zum zweiten Mal verpassen.

Für die Spiele 2000 in Sydney wäre der Kärntner als Weltranglisten-38. qualifiziert gewesen, verzichtete aber. Ganz ähnlich also wie nun bei Thiem. "Im Nachhinein bereue ich es, dass ich damals nicht gefahren bin", sagte Koubek der APA - Austria Presse Agentur. "Mir persönlich würde des taugen, noch eine Chance als Trainer zu bekommen. Mir würde es Spaß machen und ich könnte die Spieler dementsprechend pushen."

Über Thiems Olympia-Absage war Koubek quasi schon vorinformiert, wollte vor einer definitiven Äußerung darüber von Thiem selbst bzw. dessen Trainer Günter Bresnik aber keinen offiziellen Kommentar abgeben.

"Von der Person und dem Sportler aus gesehen, kann ich Dominics Entscheidung verstehen", sagte Koubek. "Und ich gebe dem Spieler da auch überhaupt keine Schuld."

Der Ex-Top-20-Spieler sieht eher den Internationalen Tennisverband (ITF) in der Pflicht, in Olympia-Jahren eine Änderung vorzunehmen.

Einerseits gibt es bei den Spielen keine Punkte für die Weltrangliste, andererseits ist der Terminkalender besonders im Sommer rund um Olympia stark überfüllt. Koubek würde es daher auch nicht überraschen, wenn Thiem auf einen Davis-Cup-Einsatz Mitte Juli in der Ukraine verzichtet.

Übrigens war Österreichs Verband (ÖTV) punkto Olympia direkt nach den London-Spielen sehr ambitioniert. Der damalige Verbandspräsident Ronald Leitgeb hatte da unter dem Motto "ÖTV Goes Rio 2016" einen mit bis 100.000 Euro jährlich gefüllten Fördertopf für einen zehn- bis zwölfköpfigen Kader inklusive Thiem angekündigt.

Olympia sollte quasi Grand-Slam-Status bekommen. Das sieht zumindest Thiem nicht so.