Erstellt am 21. Mai 2016, 07:54

von Claus Stumpfer

"Anti-Wettkämpfer" ganz vorn. Der 60-jährige Purkersdorfer Helmut Tschellnig läuft beim Wüstenmarathon in Namibia zum Klassensieg. Der Gablitzer Karl Heinz Riegl musste am dritten Tag, der ersten Hitzeetappe, aufgeben.

 |  NOEN, zVg

Mit dem Gablitzer Karl Heinz Riegl und dem Purkersdorfer Helmut Tschellnig kamen von der 214 Startern beim Ultramarathon „Sahara Race“ in Namibia gleich zwei Athleten aus unserer Region. 250 Kilometer hatten sie vor sich. Wer würde durchkomen — Soldat oder Kabaretteur?

Und Tschellnig, der sich im Vorfeld in Understatement übte — „im Gegensatz zu Riegl bin ich ein ‚Anti-Wettkämpfer‘“, diktierte er uns in den Notizblock — hat sich im Bezirksduell am Ende klar durchgesetzt. Denn Riegl musste am dritten Tag mit Magen_Darm-Problemen aufgeben.

Tschellnig hingegen triumphierte nicht nur über Riegl, sondern der 60-Jährige ist in tollen 43:37 Stunden sogar in seiner Altersklasse M 60-69 zum Sieg gelaufen. Für ihn bedeutete dies auch den starken Gesamtrang 81.

Den Klassensieg konnte er selbst kaum fassen: „Bei so einem Rennen als Sieger durchs Ziel zu laufen, war schon ein Traum von mir, aber auf Ergebnislisten habe ich die ganze Woche nicht geschaut“, wusste Tschellnig bis zur Siegerehrung nicht, dass er vorn lag. „Ich bin zur Siegerehrung ohne große Erwartung gegangen, war schon mit meiner Finishermedaille zufrieden“, hat sich Tschellnig dann aber doch geärgert, als zunächst nur die Namen der Klassensieger und nicht der Platzierten genannt wurden. „Da dachte ich schon, dass ich wieder nicht erfahre, ob ich’s unter die Top-3 geschafft habe“, war Tschellnigs Überraschung umso größer, als dann sein Name fiel. „Ich bin herumgehüpft wie ein Rumpelstilzchen, wusste, dass das bescheuert ist, konnte aber nicht aufhören!“

Perfekte Vorbereitung als Erfolgsgeheimnis

Den Grund für seinen Erfolg sieht er vor allem in der perfekten Vorbereitung. „So beschwerdefrei und fit wie heuer ging ich noch nie in einen Ultralauf“, nahm der 1,80 Meter große Tschellnig von 72 Kilogramm beim Start bis ins Ziel nochmals vier Kilogramm ab. „Trotzdem fühlte ich mich großartig!“

Probleme machten ihm nur die ersten zwei Tage, als man am Strand der Atlantik-Küste entlang lief. „Vom Tau war in der Nacht alles nass, und ich fahre ja nicht in die Wüste um zu frieren, aber die ersten beiden Nächste waren einfach eiskalt!“ Auch der Sand war zunächst nicht nach Tschellnigs Geschmack. „Man ist eingesunken, es war kaum zu laufen“, ließ er es daher zu Beginn gemächlich angehen. „So manch anderer ist wie ein Irrer drauflos gehetzt, aber ich bin da geduldig, weiß, dass ein Ultrabewerb doch länger dauert.“

Nur für einen galt das nicht! Der japanische Gesamtsieger legte die 250 Kilometer in etwas mehr als 22 Stunden zurück. „Selbst die Königsetappe über mehr als 70 Kilometer lief er unter sieben Stunden“, traute nicht nur Tschellnig seinen Augen nicht. Da er das Glück hatte, das Zelt mit Spitzenläufern wie dem neuntplatzierten Deutschen zu teilen, hatte er auch Gelegenheit den zu fragen, ob sich die Elite vorn bei der Führungsarbeit abwechseln würde. Und was sagte da dieser 1,90-Meter-Hüne, der jede Woche 120 Kilometer trainiert, zu Tschellnig? „Wir anderen helfen uns schon, aber dieser Japaner setzt sich immer sofort ab und nach fünf Minuten sehen auch wir ihn nicht mehr!“ Am Ende hatte der Sieger mehr als fünf Stunden Vorsprung auf das hinter ihm dicht gedrängte „Verfolgerfeld“.

Auch mit dem Japaner konnte sich Tschellning unterhalten und er erfuhr „Abartiges“ vom 30-jährigen Weltklasseathleten. „Er hat mir gesagt, dass er im Monat 1200 Kilometer trainiert, also faktisch jeden Tag einen Marathon läuft — da werde auch ich blass“, lacht Tschellnig.

Auf der Hitze_Etappe taute Tschellnig auf

Tatsächlich kehrte Tschellnig aber braun gebrannt aus Namibia heim, denn am dritten Tag führte die Strecke endlich ins Landesinnere und es wurde heiß. „Mit 43 bis 44 Grad Celsius richtig heiß“, lacht Tschellnig, der diese Bedingungen liebt. Für ihn war der Zeitpunkt gekommen, das Tempo langsam zu steigern, wohingegen die ersten Athleten neben ihm kollabierten. „Meine Erfahrung hat mich gelehrt, an solchen Tagen ständig zu trinken, und am Abend hat sich herausgestellt, dass es 14 Liter Wasser gewesen sein müssen, weil so viele Mineraltabletten hatten am Ende gefehlt.“

Auch der Sand hatte jetzt die von Tschellnig gewünschte Konsistenz. „Durch den starken Wind war er hart gepresst und nur ganz oben auf den Dünen wurde er tiefer.“ Und das Beeindruckendste waren für Tschellnig die Dünen. „Eine war 400 Meter hoch und das vom Meeresspiegel weg gemessen — da spürt man, wie klein man als Mensch ist“, wird er fast philosophisch.

Schon einmal hat Tschellnig ein Wüstenabenteuer in ein Kabarettprogramm einfließen lassen. So weit wird es diesmal wohl nicht gehen, aber schon jetzt steht der Termin für eine Multimediashow zum Event fest. Wer mehr von Tschellnigs Abenteuern in Namibia erfahren will, wird daher am 23. Juni in der Purkersdorfer Bühne ab 19.30 Uhr sicher sehr gut unterhalten.