Erstellt am 17. Mai 2017, 05:17

von Claus Stumpfer

Marie Wolf zeigt sich nervenstark. Mit Rang vier und fünf betreiben die Turngeschwister Vorbereitung für die Jugendmeisterschaften.

Marie Wolf zeigt einen eleganten Strecksalto am Boden.  |  NOEN

In der Delegation der Sportunion St. Pölten verpasste Martin Wolf in Klagenfurt mit Rang vier in der offenen Wertung nur knapp das Stockerl der jüngsten nationalen Jugendstufe. Kurz vor dem Wettkampf war aber noch gar nicht klar gewesen, ob er einen Antritt im Mehrkampf riskieren sollte, denn der Teamarzt hatte wegen seiner andauernden Fersenprobleme für drei Monate absolute Schonung zur Ausheilung verordnet. „Seit der Diagnose trainiere ich kaum Geräte, die Laufen und Springen benötigten“, erzählt er. „Dieses Attest bedeutet de facto einen Verzicht auf seine stärksten Wettkampfgeräte Boden und Sprung“, ist auch Trainer Sivado alles andere als begeistert. Er entschied aber, seinen jungen Turner ohne intensive vorherige Trainingsphase den Wettkampf trotzdem als Mehrkampf turnen zu lassen. Um die Belastung zu minimieren, befahl Sivado jedoch nur halben Einsatz.

Zweitbester Sprung trotz Fersenverletzung

Obwohl Wolf somit nicht voll auf Angriff gehen konnte, gelang ihm am Sprung die zweitbeste Punktezahl hinter Klubkollege Marcel Miedler. Und dasselbe gelang auch am Reck. „Wir werden von Fall zu Fall entscheiden, welche Geräte Martin bis zur österreichischen Jugendmeisterschaft auf Wettkämpfen turnt“, gibt sich Sivado vorsichtig, ist aber überzeugt: „Bei Martins körperlichem Talent entscheidet auch die Tagesverfassung, ob er ein Gerät ohne kurz vorherige Trainingsvorbereitung abrufen kann.“ Sonst ist bis zur ÖJM maximale Schonung angesagt, um sich dann bis zur völligen Wiederherstellung über den Sommer auf die Weiterentwicklung anderer Geräte konzentrieren zu können.

Der Mehrkampf im Kunstturrnen wird an sechs Geräten (Sprung, Boden, Barren, Reck, Pferd, Ringe) ausgetragen, die Trainingszeit ist für das Erlernen der komplexen Anforderungen ohnedies nie ausreichend, da ist ein Umbau im Trainingsplan sehr leicht möglich.

Schwester Marie Wolf gelang diesmal ein eindeutig besserer Wettkampf als noch in Gänserndorf. Das vormalige Angstgerät Stufenbarren gelang erstmals sturzfrei, am Boden überzeugte sie erneut mit ihrer Ausstrahlung und Eleganz. „Auch die in die Kür neu integrierte Schraube ist mittlerweile stabil“, freut sie sich.

In der Bodenwertung der höchsten Jugendstufe (U 15) wurde die 12-Jährige damit sogar Zweite, ebenso beim Sprung. Nur das „Stiefkind“ Balken warf sie zweimal ab: „Beim Schweizer Handstand hatte ich meine Nervenanspannung noch nicht im Griff“, klagte sie. Das zuletzt eingebaute freie Rad war zwar exakt genug, um auf zehn Zentimetern zu landen, aber der großen, schlanken Turnerin wollte es nicht ganz gelingen, das Gleichgewicht zu halten.

Ein wenig war ihre Nervosität wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Nacht vor dem Wettkampf wenig Schlaf gebracht hatte. Im Zimmer der Mädchen machten sich Einbrecher an ihren Taschen zu schaffen, während sie schliefen. Nachdem sie erkannten, was vor sich ging, konnten die Turnerinnen die drei Männer zwar in die Flucht schlagen, aber an Schlaf war nicht mehr zu denken und auch die Formalitäten am nächsten Morgen störten die Wettkampfvorbereitung empfindlich. „So gesehen war es kein Wunder, dass auch Marie nervöser war als sonst“, berichtet Trainerin Szimonetta Lehota von der Union St. Pölten, die für LZ-Trainerin Agnes Hodi eingesprungen war und Marie bei diesem Wettkampf betreute.

„Rang fünf ist schwer in Ordnung, Marie absolut am richtigen Weg“, ist Lehota überzeugt.