Erstellt am 24. Februar 2016, 05:59

von Claus Stumpfer

"Ich mag Schnelligkeit". Leonhard Pichler vom Team Teigl war in Lillehammer am Start. Der NÖN erzählt er, wie er zum Bobsport kam, und welche Ziele er nach Platz Neun bei den Jugendspielen hat.

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NÖN: Du bis vor der Eröffnungsfeier nach Lillehammer gekommen, und Dein Rennen war am vorletzten Tag der Spiele. Taugt‘s Dir noch hier?
Leonhard Pichler: Die Eröffnungsfeier im Skistadion war spektakulär, Highlight das Entzünden des Feuers durch die norwegische Prinzessin! Aber natürlich ist es fad, wenn man so lange auf den Wettkampf wartet, während die anderen, für die alles vorbei ist, die Rockkonzerte genießen. Aber es war auch gut, dass wir hier auf der Bahn täglich gut trainieren konnten — davon habe ich auch für die Zukunft echt profitiert.

Wer betreut Dich hier?
Mein Trainer Kurt Teigl vom LZ Ost ist hierhergekommen, hat auf die Heim-WM in Igls verzichtet, und bemüht sich um meine Athletik und Kraft.

Wie schwer ist die Bahn zu fahren?
Sie gibt viel her, ist sehr anspruchsvoll, weit schwieriger zu fahren als Igls. Sie ist auch länger und wird speziell im Finish noch schwieriger. Die Kurvenabstände sind extrem kurz.

Der Monobobbewerb wurde extra für die Jugendspiele eingeführt. Was sind die Vorteile gegenüber einem Zweierbob?
Man wollte damit mehr Athleten an den Start bringen, was gelungen ist. 2012 wurde Zweierbob gefahren, aber es gab keine Konkurrenz. Auch Materialschlachten sollten verhindert werden. Die Monobobs finanziert die IBSF und sie sind deren Eigentum. Jedes Training wird durchgewechselt und da merkt man bei jedem Schlitten einen Unterschied. Es ist auch Glück dabei, welchen man erwischt.

"Man muss eine irrsinnige Leistung bringen"

Alleine Bob fahren, das schaut schwierig aus! Ist es das?
Man muss eine irrsinnige Leistung bringen. Beim Start sind es 30, 40 Meter Anlauf und nachdem man reingesprungen ist, geht es auch gleich schon los mit den ersten Kurven. Auf bis zu 120 km/h beschleunigt der 170 kg schwere Schlitten.

Wie wird man Bobfahrer?
Ich habe zuvor in Wien Football gespielt, war viel im Fitnesscenter und fand bei den Spielen in Sotschi Gefallen am Bobsport. Im April 2014 nahm ich bei einem landesweiten Leistungstest für Athletik und Kraft teil, und mir wurde gesagt, dass meine Werte super seien. Kurt Teigl sah viel Potenzial bei mir.

"Solange ich lauter Einser schreibe, geht es sich gut aus"

Du besuchst eine AHS in Wien. Wie schaffst Du es, alles mit normalem Regelunterricht unter einen Hut zu bekommen?
Ich muss mich bei meiner Direktorin bedanken, die mir so viel Freizeit gibt. Aber solange ich lauter Einser schreibe, geht es sich gut aus.

Schulisch bist Du offenbar konkurrenzlos hier in Lillehammer. We sieht‘s auf der Bahn aus?
 Wir sind hier 15 Jungs aus 15 verschiedenen Nationen am Start, und liegen alle dicht beieinander. Mein Ziel war es, dass ich eine für mich gute Leistung bringe, den Druck verarbeite. Zwei gute Läufe waren es dann zwar nicht, aber es war mein erster große Wettbewerb, Leistungsschwankungen sind da normal. Wenn ich einen guten Tag erwische, an dem ich Spaß am Sport habe, klappt es super. Ich habe die Herangehensweise, dass ich das für mich mache, für niemand anderen. Keiner zwingt mich dazu. Mit der Einstellung geht vieles besser.

Du bist im LZ Ost, wo bislang das Hauptaugenmerk beim Ausbilden von Anschiebern lag. Siehst Du Dich als Lenker oder Anschieber?
Ich ziele schon aufs Lenken ab. Als ich im Vorjahr begonnen habe, dachte ich nicht, dass ich mit meinem Alter noch reinkomme. Aber ich habe es in kurzer Zeit bis hierher geschafft!

"Die erste Fahrt ist ein Nervenkitzel"

Ich stelle mir die erste Fahrt, bei der man am Steuer sitzt, schrecklich vor. Wie war es für Dich?
Die erste Fahrt ist ein Nervenkitzel, pures Aufgeregtsein, Adrenalin. Ich fahre aber schon lange Motorrad in meiner Freizeit , mag Schnelligkeit, fühle mich daher im Eiskanal wohl. Es ist auch ein Vorteil, dass wir mit Igls eine Anfängerbahn haben. Da kommt man leicht runter. Es ist schwierig, einen so groben Fehler zu machen, dass der Bob kippt.

Du hattest nicht das Gefühl des Kontrollverlusts beim Debüt?
Natürlich war da das ungute Gefühl, sich selbst überlassen zu sein — Überforderung! Man kann die erste Fahrt nicht trainieren oder simulieren. Der Trainer hat uns nur bei den Bahnbesichtigungen immer wieder erklärt, wie sich der Bob verhalten wird — das war’s.

Du bist hier in Lillehammer Neunter geworden. Welche sportlichen Ziele hast Du nun?
Das größte Ziel sind jetzt schon die Olympischen Spiele. Wenn ich mich voll reinknie, sollte das realistisch sein. Benni Maier wird als Trainersohn besonders gefördert, aber das ist eine Herausforderung für mich, und wenn ich mich gut schlage, wird das den Leuten auffallen.

"Ich bin mehr ein Teamplayer"

Es gab hier viele Treffen mit Stars von einst und jetzt. Von wem hast Du am meisten mitgenommen?
Der Vortrag von Felix Gottwald war mitreißend, er ist sehr motivierend. Seine Begeisterung hat man gemerkt. Aber für mich muss jeder Sportler bei sich selbst beginnen. Ich bin mehr ein Teamplayer, auch wenn ich hier im Einzelsport aktiv bin. Vor allem im Einzelsport muss man an sich glauben. Das beste Vorbild ist man selbst. Man muss auch die Ziele so stecken, dass man sie erreichen kann.