Erstellt am 16. März 2016, 05:24

von Raimund Novak

„Eltern können ruhiger schlafen“. Michael Strasser genießt die letzten Tage in Afrika – für die NÖN gab der Weltrekordler ein Interview.

Riesenjubel! Nach 35 Tagen, also um drei Tage früher als jenes Team, das im Vorjahr Afrika durchquerte, erreichte Michael Strasser (m.) mit Ärztin Ingrid Kiselka und Fotograf Christoph Wisser das Kap der guten Hoffnung in Südafrika. 10.940 Kilometer legte er von Küste zu Küste zurück.  |  NOEN, Foto: Cairo2Cape

NÖN: Welche Gedanken sind Ihnen auf den letzten Metern Richtung Ziel durch den Kopf gegangen?
Michael Strasser: Ich hab es tatsächlich durchgestanden, unglaublich. Es hätte 1000 Gründe geben können, warum wir es nicht schaffen.

Wie wurden Sie am Kap der guten Hoffnung empfangen?
Strasser: Ein paar Freunde aus Österreich flogen extra nach Kapstadt, auch einige südafrikanische Freunde waren da, um mich zu empfangen. Es war schon nach Mitternacht, als wir dann tatsächlich angekommen sind. Ein Moment, welchen ich nie mehr vergessen werde. Wunderschön.

Hatten Sie während der Tour irgendwann das Gefühl, dass Sie es nicht packen würden und aufgeben müssen?
Strasser: Die letzten zwei Wochen waren die mit Abstand härtesten, die ich in meinem Leben je durchgemacht habe. Meine Gelenke waren seit längerem entzunden und mein Gesäß bescherte mir solche Schmerzen, dass ich immer nur von Stunde zu Stunde denken konnte.

Gab es Situationen, die Ihnen Angst bereitet haben?
Strasser: In Äthiopien gab es Gebiete, wo es bis vor einigen Jahren noch Bürgerkrieg gab. Dort hat jeder zehnte Bürger eine vollautomatische Waffe um die Schulter hängen. Beunruhigend, sehr beunruhigend.

Was war der prägendste Moment der Tour?
Strasser: Am Tag acht kollabierte ich in der sudanesischen Wüstenhitze am Rad. Ich begann mich zu übergeben und Durchfall hatte ich ohnehin schon. Am Folgetag fuhr ich 250km und das, obwohl ich keine Nahrung aufnehmen konnte. Das hat mich selbst überrascht und meine Grenzen der Leidensbereitschaft nochmals verschoben.

Wie verbringen Sie die letzten Tage in Afrika?
Strasser: Mit schwimmen, laufen und radfahren, aber ohne Zeitdruck und „just for fun“. In dreieinhalb Monaten möchte ich aber meinen Titel beim „Austria Extreme Triathlon“ verteidigen, mal schauen, ob das möglich ist.

Planen Sie weitere derart aufregende Großprojekte?
Strasser: Es gibt einige, welche ich entwickeln möchte, aber alles noch nicht spruchreif. Jetzt muss ich mal schauen, dass ich die Reisekasse wieder mit Vorträge etc. fülle - dort fehlen, trotz Sponsoren, noch über 30.000 Euro.

Am Samstag treten Sie die Heimreise an. Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie zurück in Österreich sind?
Strasser: Dass meine Eltern wieder ruhiger schlafen können.