Erstellt am 29. September 2015, 19:12

von NÖN Redaktion

Sensation: Herren holen Gold. 4,5 Stunde Spielzeit, drei dramatische Fünfsatzpartien, hochklassige Ballwechsel und eine mannschaftlich geschlossene Topleistung waren im Expo-Center von Jekaterinburg die Zutaten zu einem sporthistorischen Triumph.

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Robert Gardos, Stefan Fegerl und Daniel Habesohn steuerten je einen Punkt zum 3:2-Finaleerfolg gegen den Topfavoriten Deutschland bei. Die insgesamt sechste EM-Goldmedaille für Österreich war die erste für die Herren-Mannschaft.
 
Gardos wurde vom österreichischen Teamtrainer erwartungsgemäß für das erste Match nominiert, begann gegen Linkshänder Patrick Baum aber ungewohnt nervös und lag rasch mit 0:2 im Hintertreffen. Ab Satz drei fand er jedoch zu seinem Rhythmus, nach dem Ausgleich entwickelte sich der fünfte und entscheidende Durchgang zu einem wahren Krimi. Gardos konnte zunächst mit 4:1 davonziehen, agierte dann aber zu vorsichtig und lag aber umgehend mit 6:8 zurück. Nach dem Ausgleich auf 9:9 erspielte er sich den ersten Matchball, ließ diesen aber ungenutzt und stand bei 10:11 plötzlich selbst mit dem Rückend zur Wand. Anschließend gelangen Österreichs Nummer eins aber drei Punktegewinne in Folge, ein hauchdünnes 13:11 bescherte die vielbejubelte Führung.

Wer dachte, nach diesem Nervenkitzel etwas durchatmen zu können, wurde unmittelbar darauf eines Besseren belehrt, am Ende blieben jedoch eine phänomenale Leistung und eine unglaubliche Aufholjagd von Stefan Fegerl gegen den Olympia-Dritten Dimitrij Ovtcharov unbelohnt. Bei 1:1 in Sätzen holte er zunächst ein 4:9 auf, nach dem der Vorteil in der Verlängerung mehrmals wechselte stellte der Weltranglisten-5. Deutsche doch noch auf 2:1. Mit dem psychologischen Vorteil im Rücken zog er auch in Durchgang vier auf 10:6 davon, Fegerl wehrte jedoch mit teils unglaublichen Schlägen alle vier Matchbälle ab und stellte mit 14.12 den Ausgleich her. Im Entscheidungssatz vermochte sich keiner der beiden anzusetzen, der Österreicher holte sich bei 10:9 sogar die erste Chance auf die große Sensation, am Ende hatte Ovtcharov aber doch mit 12:10 das glücklichere Ende.

Auch im Spiel der als Nummer drei nominierten Akteure zwischen Daniel Habesohn und Patrick Franziska blieb man der Tradition der Fünfsatzmatches treu. Der Österreicher zog zwar auf 2:0 davon, vergab aber in Satz vier bei 10:8 zwei Matchbälle und musste auch Durchgang vier nach hoher 5:0-Anfangsführung abgeben. Im letzten Satz zog er aber wieder von Anfang an davon, blieb aber stets voll konzentriert und holte mit einem auch taktisch klug gespielten 11:5 die wichtige Führung für sein Team zurück.

Match vier ging entgegen den Gepflogenheiten nur auf vier Sätze. Robert Gardos konnte gegen Dimitrij Ovtcharov zwar mit 11:8 vorlegen, die noch fehlenden zwei Sätze zum Titel wollten aber nicht gelingen. Mit zweimal 11:8 und einem 11:5 dominierte der Deutsche das Geschehen in weiterer Folge souverän und holte damit für sein Team zum zweiten Mal an diesem Abend den Ausgleich.

Gespielt waren zu diesem Zeitpunkt schon knapp vier Stunden, die Entscheidung um EM-Gold musste im fünften und letzten Spiel zwischen Stefan Fegerl und Patrick Baum fallen. Der 27-jährige Österreicher startete mit einem 11:8, nach einem 11:9 fehlte noch ein Satz zum großen Traum. Bis 4:6 lag Fegerl im dritten Durchgang immer ein bis zwei Punkte zurück, ab diesem Zeitpunkt agierte er aber wie in Trance. Fünf Punkte holte er in Folge, verwandelte seinen ersten Matchball zum 3:0 und lag sich anschließend mit seinen Teamkollegen unter lautem Jubel in den Armen.