Erstellt am 23. Mai 2017, 05:19

von Claus Stumpfer

Deutsche bleiben in St. Pölten eine Macht. Dreifachsieg bei den Herren für unsere Nachbarn. Frommhold entthront Böcherer, Philipp verteidigt Titel.

Drei Freiburger am Stockerl beim IRONMAN 70.3 in St. Pölten. Sieger Nils Frommhold (Mitte) vor Andi Böcherer (l.) und Maurice Clavel.  |  NOEN, Stumpfer

Beim Start um sieben Uhr früh meinte es der Wettergott nicht gut mit den fast 3000 Athleten, die in Wellen ins Wasser gelassen wurden. Aber eigentlich starteten sie schon im Wasser, denn es goss wie aus Kannen.

Zumindest war die Wassertemperatur mit 20 Grad aber erfreulich angenehm. Die routinierte Austro-Niederländerin Yvonne Van Vlerken sprach sogar vom „besten Wasser“, das sie jemals hatte. Kein Wunder, bei gerade einmal zwölf Grad Lufttemperatur wirkten die Viehofener Seen recht einladend.

Am eiligsten aufs Rad zu kommen, hatte es bei den Herren Martin Bader (nomen est omen) — es sollte aber die einzige Rennphase bleiben, in der ein Österreicher die Nase vorn hatte. Denn auf der Radstrecke übernahmen die Deutschen die Spitze. Nils Frommhold und Vorjahressieger Andi Böcherer zertrümmerten die Konkurrenz förmlich. Und bei den Damen steuerte Titelverteidigerin Laura Philipp ohnehin einem Start-Ziel-Sieg entgegen.

Erster Laufkilometer war entscheidend

Böcherer fuhr mit einem starken Finish noch als erster Athlet in die zweite Wechselzone, aber Frommhold bog dennoch als Erster auf der 21-km-Laufstrecke. „Ich wusste, dass der erste Kilometer entscheidend sein wird und lief diesen sehr schnell an“, sieht er in diesem Abschnitt auch den Schlüssel zum Erfolg. Der 72 Kilogramm schwere Modellathlet Böcherer, der schon in der Vorwoche auf Mallorca eine bittere Niederlage hinnehmen musste — „zuerst hatte ich Defekt, und dann habe ich ein bisschen ‚overpowered‘ und im Finish nicht mehr genug Kraft“ — wollte beweisen, dass man auch nach einer ganz kurzen Pause gleich wieder einen IRONMAN 70,3 gewinnen kann. Allein der Abstand auf Frommhold wurde entlang der Traisen von Kilometer zu Kilometer größer. Im Ziel betrug der Vorsprung fast drei Minuten. Hinter Frommhold und Böcherer folgte mit Maurice Clavel der nächste Deutsche. „Ein Podest wie auf Hawaii mit drei Deutschen,“ scherzte Organisator Christoph Schwarz. Kurios: Alle drei kommen aus der gleichen Heimatstadt Freiburg!

Bester Österreicher wurde Thomas Steger auf Rang Vier. „Ich wollte schon dreimal hinschmeißen und das Rennen beenden. Aber die anderen Österreicher haben mich angefeuert und schlussendlich freue ich mich, durchgehalten zu haben“, war er auch mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden.

Einen achtbaren 14. Rang holte der allererste Sieger von St. Pölten, der Deutsche Michi Göhner, der mittlerweile als Profi abgetankt hat und als Age Grouper startet.

Philipp verteidigte Titel eindrucksvoll

Bei den Damen zeigte Laura Philipp, die auch auf Mallorca erfolgreich war, dass ein zweiter Sieg binnen einer Woche doch möglich ist. Mit fast zehn Minuten Vorsprung auf ihre Konkurrenz strahlte sie im Ziel. „Es war heute nicht leicht und ich möchte mich für die tolle Organisation bedanken“, meinte sie in Richtung Christoph Schwarz und seine Hundertschaft an freiwilligen Helfern. Und sie verriet auch ihren Trick gegen die Kälte am Rad: „Ich dachte ständig an Wärme!“

Hinter Philipp kam es zu einem beinharten Duell zwischen der in Vorarlberg lebenden Holländerin Yvonne Van Vlerken und der Wr. Neustädterin Lisa Hütthaler.

Schon am Rad rückte die routinierte Van Vlerken, die St. Pölten seit Jahren als ihr Lieblingsrennen bezeichnet, der Lokalmatadorin immer näher. Gemeinsam gingen sie dann auf die Laufstrecke.

Sah zunächst Hütthaler schneller aus, musste sie „The Flying Dutch“ am Ende doch ziehen lassen. „Die zehn machen wir voll! Ich komme nächstes Jahr wieder,“ versprach Van Vlerken im Ziel und meldete sich als erste Teilnehmerin für nächstes Jahr an. Im Vorfeld hatte allerdings auch Böcherer bereits für einen weiteren Start in St. Pölten unterschrieben. Eigentlich wollte er die drei Siege vom Tschechen Ospaly übertreffen, doch jetzt kann er diesen Rekord nächstes Jahr zunächst einmal bestenfalls egalisieren. „Mein Trainer ist auch Tscheche und er will, dass der Rekord seines Landsmanns fällt“, hat Böcherer eine Mission.

Von den Lokalmatadoren war natürlich wieder die Harlanderin Michaela Rudolf die herausragende Akteurin. Sie hat zwar bereits ihre Profilizenz zurückgelegt, will aber nun noch einmal als Age Grouper W 50 nach Hawaii. „Dafür war St. Pölten die perfekte Vorbereitung“, ist sie überzeugt und mit der Zeit von 5:14:40 Stunden sicherte sie sich den Klassensieg. „In Klagenfurt soll nun die Qualifikationszeit für die IRONMAN-WM fallen.“