Erstellt am 19. Juli 2016, 05:12

Triumph im Himalaya. Nach Schwierigkeiten zu Beginn des Trainings passt sich Stefan Hackl beim Rennen im Himalaya-Massiv schnell an und schafft es, alle Etappen zu gewinnen.

Stefan Hackl konnte seine Topform bestätigen: Bei einer Ausfallquote von 50 Prozent verwies der St. Pöltner die internationale Konkurrenz vo malerischer Kulisse auf die Plätze..  |  NOEN

Am Wochenende kehrte der St. Pöltner Stefan Hackl von einem weiteren Abenteuerrennen zurück. Diesmal hatte es ihn ins Himalaya-Massiv gezogen. „Ich reiste bereits eine Woche vor dem Startschuss nach Leh an, denn ich wollte mich auf den 3500 Meter gelegenen Startort optimal akklimatisieren“, war er froh über diese Entscheidung, denn der erste Tag sei „echt hart“ gewesen. „Ich lag praktisch nur in meinem Zimmer und bei der kleinsten Bewegung kam ich außer Atem und mir wurde schwindelig.“

Schnell an die extreme Höhenlage angepasst

Hackl gewöhnte sich aber recht rasch an die Höhe. Die ersten Trainingsfahrten bis 4500 Meter am zweiten Tag verliefen dann bereits ohne Beschwerden. „Erst ab einer Höhe von 5000 Meter plagten mich noch Kopfschmerzen“, war aber für ihn unklar, wie sein Körper auf die Höhe unter Rennbedingungen reagieren würde.

Doch bereits die erste Etappe zeigte, dass der Racerholix-Fahrer seine Topform der letzten Wochen auch im höchsten Gebirge der Welt abrufen konnte. Während einige Rennfahrer schon auf der ersten Etappe den hohen Temperaturen und der Höhe Tribut zollen mussten, wurde Hackl seiner Favoritenrolle gerecht. Mit einer halben Stunde Vorsprung feierte er einen unangefochtenen Tagessieg.

„Auf der ersten Etappe wollte ich unbedingt schon mal richtig Gas geben, denn die Strecke führte uns gerade mal auf maximal 4000 Meter“, erzählt er, dass das kupierte Profil enorm viel Kraft kostete. „Auf den letzten 20 Kilometern musste ich bei starkem Gegenwind daher ordentlich beißen, aber mit dem Vorsprung im Ziel war ich mehr als zufrieden.“

Mit Zeitpolster startete der St. Pöltner in die erste Bergetappe. Umgeben von majestätischen Bergformationen folgt das Starterfeld zunächst dem Indus-Fluss, um schließlich in den 25 Kilometer langen Anstieg einzubiegen. „Ich bin kein Taktiker, darum wollte ich wieder Vollgas geben! Am Beginn des Anstieges lagen meine Konkurrenten zwar bereits hinter mir, aber ich tastete mich erst langsam an den roten Bereich heran und konnte voll durchziehen“, schildert Hackl die entscheidendenden Rennszenen bei seinem Etappensieg auf 5000 Metern.

Hatten tagsüber sommerliche Temperaturen um die 30 Grad geherrscht, brachte eine Tiefwetterfront Schnee in den Nachtstunden. Die Wetterkapriolen belasteten so manchen geschwächten Fahrer noch weiter. „Das medizinische Team hatte alle Hände voll zu tun und die nächste harte Bergetappe bis auf 5300 Meter sollte dann das Starterfeld noch weiter ausdünnen“, schildert Hackl, das im Zeltlager auf 4600 Meter die ersten Fahrer unter der gefürchteten Höhenkrankheit (Anschwellen des Gehirns mit Übelkeit und Kopfschmerzen) litten.

Hackl fährt Konkurrenz auf und davon

Deshalb mussten einige Starter vor dem 30-Kilometer-Anstieg auf der Königsetappe passen. Für Hackl verlief auch diese Etappe gut. Bis zum Anstieg hielt er sich in einer größeren Gruppe. Auf den ersten fünf Kilometern des Bergs verschärfte er das Tempo, sodass nur noch ein Inder mithalten konnte. Auf den letzten 300 Höhenmetern machte Hackl mit einem explosiven Antritt aber alles klar. Mit diesem neuerlichen Etappensieg baute Hackl seinen Vorsprung in der Gesamtwertung bereits auf über eine Stunde aus. Auch die fünfte Etappe brachte keine Überraschungen mehr — Hackl fuhr weiter allen auf und davon.

Am letzten Tag stand noch ein 53 Kilometer langes Bergzeitfahren am Programm und Hackl wollte unbedingt der Erste am höchsten Punkt des Rennens (5600 Meter) sein. „Noch nie zuvor bin ich so einen langen Anstieg gefahren und schon gar nicht auf dieser Höhe“, schildert Hackl, dem die letzten 14 Kilometer die vollste Konzentration abverlangten. Die Strecke führte über losen Schotter mit Steinstufen und am Ende reichte es erneut zum Etappensieg.

„Eine unglaubliche Woche“, resümiert Hackl, der alle Etappen für sich entscheiden konnte. „Die Ausfallquote von über 50 Prozent der Fahrer zeigt, wie hart das Rennen war, die Crocodile Trophy ist dagegen eine 5-Sterne-Wellness-Reise“, zieht Hackl einen Vergleich. Er muss es wissen, hat er doch beide Klassiker absolviert.

Viel Zeit zur Regeneration bleibt dem Racer aber nicht, denn Anfang August stehen bereits die nächsten Bike-Marathons für ihn im Rennkalender.