Erstellt am 24. Februar 2016, 14:24

von Claus Stumpfer

Märchen in Weiß für Mercedes aus Böheimkirchen. Die Böheimkirchnerin Mercedes Schulte fuhr in Lillehammer zu Silber. Die 17-Jährige lehrte bei den Olympischen Jugendspielen der Konkurrenz das Fürchten.

Böheimkirchens Mercedes Schulte zeigte in Lillehammer nicht nur Topleistungen, sondern auch, dass sie noch viel vorhat. Foto: ÖOC,GEPA  |  NOEN, ÖOC,GEPA

NÖN: Du hast bei den Jugendspielen den zweiten Platz, und damit eine von zehn Medaillen für Österreich geholt.Ab wann war Dir klar, dass Du hier in Lillehammer einen solchen Erfolg feiern kannst?
Mercedes Schulte: Ich war schon im Training immer unter den Top 4 von insgesamt 15 Mädels, wobei alle großen Bobnationen dabei waren. Aber auch wenn alle Gegnerinnen Klasse gezeigt haben, war für mich schon eine Medaille das Ziel und ich bin froh, dass ich dabei sein durfte. Heute wurde ich Zweite, es ist aber noch mehr drin. Ich habe Fehler gemacht, speziell in Lauf zwei. Die erste Fahrt war schon sehr gut, wie auch einige Trainings. Aber ich habe einfach noch zu wenig Körpergewicht, muss 10 Kilogramm mehr in den Schlitten packen. Trotzdem bin ich bei den Startzeiten nicht weit weg von denen, die kein Gewicht drinnen haben.

„Die Trainer haben mich von Anfang an sehr gelobt“

Wart Ihr früher schon einmal hier, um die Bahn kennenzulernen? Und wie schwer ist sie zu fahren?
Wir waren schon zweimal hier, letztes Jahr im März und nochmals im Dezember für die Qualifikation. Und bis zum Rennen konnten wir praktisch täglich trainieren. Das ist auch wichtig, weil Sie schwieriger zu fahren ist, als unsere Heimbahn in Igls. Die Bahn in Königssee ist zwar schon noch um einiges schwieriger, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h ist anspruchsvoll.

Du warst im Training schneller als Dein Teamkollege vom LZ Ost, Leonhard Pichler! Liegt Dir die Bahn besser als ihm?
Ich war einmal um zwei Hundertstel schneller. Speziell beim Start bin ich hinten, aber insgesamt fahre ich manchmal schneller als er. Dabei sagt man, dass Frauen nicht so begabt sind im Lenken (lacht). Wir haben gleichzeitig begonnen. Anfangs war es für mich schwieriger. Leonhard fährt schon länger Motorrad, ich begann erst jetzt mit dem Autofahren. Aber von Fahrt zu Fahrt wurde es bei mir besser und die Trainer haben mich von Anfang an sehr gelobt, was mich motiviert hat, dabei zu bleiben.

Wie bist Du überhaupt zum Bobfahren gekommen?
Ich habe vorher Karate gemacht und kam durch meinen Krafttrainer, Stefan Schweiger, zum Bob fahren. Er rief beim ÖTSV an und fragte, ob sie eine junge Athletin bräuchten, weil die Testergebnisse von der Schnellkraft ziemlich gut waren. Dann wurde ich getestet und sie wollten mich.

„Ich teile das Zimmer mit einer Eishockey-
spielerin und Snowboarderinnen“

Es muss eine große Überwindung sein, erstmals alleine einen Bob zu steuern? Wie hast Du Deine erste Fahrt erlebt?
Das erste Mal Lenken war wirklich schlimm, weil man die ganze Verantwortung hat. Wenn man stürzt, ist man schuld und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Bei der allerersten Fahrt hatte ich keine Kontrolle über den Schlitten. Aber in Igls kommt der Schlitten auch von alleine im Ziel an!

Entgegen seiner Ankündigung war nun doch auch Kurt Teigl hier dabei. War das wichtig für Dich?
Sehr! Am Anfang sah keiner das Talent in mir, nur er hat gesagt „Mädel, du hast das Potenzial und wir werden was daraus machen!“ Das hat mich immer gepusht und so ist er nun wie ein Vater für mich. Ich denke, dass ich durch ihn mein Maximum erreichen kann.

Wie hat es Dir generell in Lillehammer gefallen. Wie hast Du die Eröffnungsfeier erlebt?
Es ist wunderschön hier, und die Zeit mit Sportlern unterschiedlicher Sportarten verbringen zu können, ist großartig. Ich teile das Zimmer mit einer Eishockeyspielerin und Snowboarderinnen, die ich nicht kannte. Auch von anderen Nationen lernt man viele Sportler kennen, und es gibt Treffen mit internationalen Sportstars, die uns Tipps geben. Auch die Eröffnungsfeier war toll. Sie begann zwar etwas ruhiger, aber als das Feuer entzündet wurde, war das wunderschön.

Du hast jetzt ein großes Ziel erreicht. Wie sehen Deine weiteren sportlichen, aber auch schulischen Pläne aus?
Ich bin im BORGL für Leistungssportler in St. Pölten, habe dort noch drei Jahre vor mir und will mit Matura abschließen. Ich war aber schon drei Monate nicht mehr in der Schule. Die Lehrer freuen sich nicht darüber, aber verstehen die Situation. In vier Fächern muss ich jetzt im März alles für das Zeugnis nachholen. Sportlich werde ich jetzt in den Zweierbob umsteigen — als Pilotin, wegen der ganzen Ausbildung, die in mich gesteckt wurde, ist das logisch. Wenn ich eine gute Bremserin bekomme, sollte es dann möglich sein, nächste Saison im Europacup zu fahren. Meine Partnerin wird sicher routinierter sein, da sie körperlich weiter sein muss als ich. Mein nächstes großes sportliches Ziel sind jetzt natürlich die richtigen Olympischen Spiele. Südkorea kommt zwar etwas früh, aber mit einer starken Anschieberin wäre sogar ein Start dort noch möglich. In zwei Jahren bin ich 19 Jahre alt, muss also noch nicht dabei sein, aber ich würde gerne in Benni Maiers Fußstapfen treten, der ja auch mit 19 Jahren sein Debüt gab.


Zahlen und Daten:

  • 200 TV-Stationen berichteten von den Youth Olympics in Lillehammer.

  • 3200 Volunteers waren im Einsatz.

  • Rund 100.000 Fans besuchten die Sport- aber auch zahlreichen Kulturevents in Lillehammer.

  • 380.000 Zuschauer verfolgten auf dem norwegischen Sender NRK den Langlaufbewerb.

  • 350 Millionen Kronen (rund 30 Millionen Euro) kostete der Event, 240.000 Kronen kamen von der norwegischen Regierung, das ist fast um ein Drittel mehr, als vor vier Jahren in Innsbruck. 108 Millionen kamen vom IOC fürs olympische Dorf. Nachnutzung: 360 Studentenzimmer sind bereits fürs nächste Studienjahr vergeben.