Erstellt am 21. März 2017, 06:07

von Claus Stumpfer

Karl holt zwei Silberne. Jubeltage in der Sierra Nevada für den Wilhelmsburger. Der Erfolgslauf bei Großevents reißt nicht ab.

Benjamin Karl (l.) feiert seine Silbermedaille beim Riesentorlauf mit Sieger Andreas Prommegger und dem drittplatzierten Schweizer Nevin Galmarini.  |  NOEN, APA, AFP/Javier Soriano

Der vierfache Weltmeister Benjamin Karl war nahe daran sich zum sechsfachen WM-Sieger zu küren. Zum Sieg fehlten beim Parallelslalom lediglich 16 beziehungsweise beim Riesentorlauf 12 hundertstel Sekunden!

Die Medaillensammlung des Wilhelmsburgers bei Großereignissen kann sich trotzdem sehen lassen: Viermal holte er bereits Gold bei Weltmeisterschaften und einmal Bronze. Jetzt ließ er zwei Silberne folgen. Nicht vergessen darf man natürlich auch je eine Silber- und eine Bronzemedaille bei Olympischen Spielen. „Jetzt fehlt nur mehr Gold bei den Olympischen Spielen“, hat Karl gleich nach den Weltmeisterschaften sein großes Ziel für kommende Saison umrissen.

Obwohl er diesmal Gold knapp verpasst hat, zeigt sich Karl auch mit seinen Silbermedaillen zufrieden. „Ich gönne Andi seinen Doppelsieg, er hat lange darauf gewartet“, musste sich Karl diesmal nämlich seinem 36-jährigen Teamkollegen aus Salzburg geschlagen geben.

Karls Erfolgsbilanz ist trotzdem herausragend. „Es spricht mich jeder auf meine Serie an und sie ist wirklich außergewöhnlich“, erzählt er. Seit 2009 hat er nämlich bei jedem Großereignis eine Medaille geholt. „Das ist schon cool“, quittiert er seine Leistung lachend. „Andi und ich, wir haben uns beide so gepusht heuer, wir waren beide wirklich gut drauf“, meinte Karl beim Interview mit dem frischgebackenen Doppelweltmeister Andreas Prommegger, dem am Ende seiner Karriere endlich einmal alles aufging, nachdem ihm bisher Erfolge bei Großereignissen versagt geblieben waren.

„Wenn du 15 Saisonen lang immer mit vorn bist, aber noch keine Medaille von einem Großereignis hast und dann holst du mir 36 Jahren WM-Gold, dann kommen viele Emotionen hoch“, hatte Promegger im Ziel feuchte Augen.

Karl betonte auch, dass in den letzten Jahren aus beinharter Konkurrenz eine Freundschaft zwischen den beiden erwachsen ist. „Das hängt wohl auch mit einer gewissen Altersmilde zusammen“, lacht Karl. Und beide betonten als aktuelle „Häuslbauer“, wie wichtig der Rückhalt in der Familie sei. „Zudem hat uns das Ziegelschupfen im Sommer am Bau für den Winter hart gemacht“, scherzte Prommegger.

Beide wollen nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen nochmals voll angreifen, hoffen dabei aber auch auf die Unterstützung der jungen Österreicher, die diesmal noch ausließen. „Aber an uns liegt es nicht, wir haben großes Interesse, sie auch an die Weltspitze heranzuführen und Tipps weiterzugeben — sie müssen diese nur annehmen“, erklärte Karl.