Erstellt am 08. August 2017, 01:30

von Claus Stumpfer

Pitztal Alpine Glacier Trail: Die Männer gejagt. Die St. Pöltnerin Martina Trimmel kam nach 94 beinharten Kilometern als Gesamtdritte ins Ziel.

Martina Trimmel ist in der Weltklasse angekommen.  |  NOEN, privat

Der Ultra Trail im Pitztal zählt zu den härtesten Läufen in den österreichischen Alpen, bei dem internationale Top-Läufer der Szene am Start sind. Doch trotz des hochkarätigen Teilnehmerfeldes sahen von 60 Startern über die volle Distanz nur 23 das Ziel.Durch die angekündigte Streckenänderung am Tag vor dem Rennen sind aus 85 gleich satte 94 Kilometer geworden (5360 Höhenmeter).

„Ich hab noch nie so einen türkisblauen See gesehen und bin noch nie ein so technisch anspruchsvolles Rennen gelaufen“, schwärmte die St. Pöltnerin Martina Trimmel.

„Ich wollt‘ diesmal schauen, was ich wirklich so aufs Parkett prack.“ Martina Trimmel kannte im Pitztal nur eine Devise: „Volle Attacke“

Los ging’s um 3.30 Uhr in Mandarfen bei trockenem Wetter. Und Trimmels Strategie lautete volle Attacke. „Nachdem ich es beim Eiger-Trail gemütlicher angehen hatte lassen, und erst hinten raus richtig Gas gab, hab ich es diesmal ‚drauf angelegt‘ und schon von Anfang an flott mitgehalten. Ich wollt‘ schauen, was ich wirklich so aufs Parkett prack“, sagt Trimmel. Und nachdem keine Frauen zu jagen waren, hat ich sie sich die Männer als Sparringpartner vorgenommen.

Gleich der erste Anstieg über 1400 Höhenmeter, hinauf auf den Mittagskogel (über 3000-m-Seehöhe) hatte es in sich. Als besonderes Schmankerl erwies sich dann die morgendliche Gletscherquerung. „Da wollt ich zuerst ohne Steigeisen drüber, so unter dem Motto ‚brauch ma net‘. aber nach zehn Metern hab ich diesen Plan rasch wieder geändert“, schildert Trimmel, die sich auch über einen Anfängerfehler ärgerte. „Stöcke sollte man vorher checken, ob sie sich auch fixieren lassen!“ Ein Herr der Bergrettung half aber aus.

Und obwohl Trimmel nach der zweiten Schleife durch Mandarfen — am Weg zur Kaunergrathütte — das Tempo etwas drosseln musste, hat sie etliche ihrer männlichen Laufkollegen „eingesammelt“.

„Die letzen 15 Kilometer haben sich dann zwar wie kaugummimäßige 30 angefühlt, aber ich hab´s nach 15:40 Stunden ins Ziel geschafft“, freute sich Trimmel über den Sieg bei den „Mädels“, aber mehr noch über den dritten Gesamtrang — elf Minuten hinter dem Zweiten, keine 36 hinter dem Sieger.

„Die Kraft gab mir die leckere Kartoffelsuppe von Tom Klauser auf der Kaunergrathütte und bestimmt auch die traumhafte Berglandschaft, die Seen, Trails und das Blockgelände, über das wir geflitzt sind“, zeigt sich Trimmel beeindruckt vom Pitztal. „Dort, wo beim letzten Abstieg die Blasmusikkapelle aufspielt.“