Erstellt am 05. August 2014, 07:01

von Wolfgang Stritzl

Durch Ärmelkanal. Anton Floh möchte im August von England nach Frankreich schwimmen. Er wäre der erste Österreicher, der dies schafft.

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Anton Floh versucht im August, den Ärmelkanal zu durchqueren. Freilich nicht mit einer der 40 Fähren, die täglich verkehren. Der Tullner wäre der erste Österreicher überhaupt, der es schafft, die Strecke zwischen England und Frankreich schwimmend zurückzulegen.

Am 13. August beginnt das große Abenteuer. „Wir fahren auf gut Glück hin“, so Lebensgefährtin Birgit Geissler. „Ohne sie wäre es ein Traum geblieben“, bedankt sich Floh bei seiner Partnerin, die das Budget aufgestellt hat. „Denn finanziell ist es eine große Geschichte.“

Ab 16. August ist Floh in Dover eine Woche lang in Wartestellung. „Der Anruf unseres Kapitäns – er entscheidet, an welchem Tag eine erfolgreiche Durchquerung überhaupt möglich sein könnte – kann jederzeit erfolgen.“ Falls das Wetter nicht mitspielt, wird man unverrichteter Dinge die Heimreise antreten müssen. „Das wäre sicherlich das Schlimmste.“

Die Kälte ist am härtesten

Aber daran will der 44-Jährige nicht denken. Auch nicht an die vielen Probleme, die es auf der legendärsten Schwimmstrecke der Welt geben kann. Die Wassertemperaturen betragen 13 bis 18 Grad. Das Tragen eines Neopren-Anzuges ist nicht erlaubt. Schwimmer reiben sich vor dem Einstieg mit Lanolin ein – aber nicht zur Wärmeisolierung, sondern als Schutz vor Abschürfungen – eine Folge der Kraulbewegungen – und vor Verbrennungen durch Quallenbisse. Den größten Respekt hat Floh vor der Kälte. „Damit habe ich noch relativ wenig Erfahrung.“

Unterkühlung ist die häufigste Ursache für einen Abbruch. Und ein Scheitern kommt oft vor. „Von den 100 Schwimmern, die es jährlich versuchen, schaffen es etwa nur 20 tatsächlich.“ Mit der Kälte zusammen hängend sind Schwierigkeiten beim Urinieren. „Der wachsende Blasendruck und die Schmerzen zwingen viele zur Aufgabe.“ Auch Seekrankheit ist möglich - „wegen der großen Menge Salzwasser, die geschluckt wird“.

So ganz nebenbei gehört der Ärmelkanal mit 500 Schiffen pro Tag zu den meist befahrenen Schifffahrtswegen. Die „nur“ 34 km Luftlinie zwischen Dover und Cap Gris-Nez täuschen. Tatsächlich müssen aufgrund der Gezeiten-Strömungen 40 bis 50 km zurück gelegt werden. Zeit: 12 bis 14 Stunden.


Anton Floh

geboren am 9. Mai 1970) ist IT-Techniker am Landesklinikum Tulln. Er startet für den Triathlon-Verein Tri Tulln und schwimmt als Vorbereitung für die Ärmelkanal-Durchquerung täglich bis zu 8 km.

Die CSA (channel swimming association), welche die Kanal-Durchquerung überwacht, achtet auf die Einhaltung alter Schwimmregeln, gestattet nur Schwimmbrille, Badehose und -kappe, freilich alles ohne thermischen Schutz.

Der Schwimmer muss stündlich vom Boot aus mit (flüssiger) Nahrung versorgt werden, darf das Begleitboot aber nicht berühren.
Die Kosten für den bei der CSA registrierten Kapitän mit Begleitboot, Anfahrt, Fähre, Unterkunft/Verpflegung (Campingplatz), Trainingslager, administrative Gebühren etc. belaufen sich auf ca. 7400 Euro.
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