Erstellt am 20. Januar 2016, 06:33

von Bettina Kulmer

"Ist wie eine Droge". Das sportliche Wälzen und Laufen durch Matsch boomt. Peter Großschmidt frönt dem extremen Sport seit 2011 und weiß, dass er bereits süchtig ist. Devise: Stetig steigern!

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Peter Großschmidt in seinem Element -- umgeben von eiskalten Schlammmassen kämpft sich der Tullner ins Ziel und lotet immer wieder seine Grenzen neu aus.  |  NOEN, privat

Was für die meisten ein Albtraum ist, nämlich von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt zu sein, das nimmt Peter Großschmidt gerne in Kauf. Denn er bestreitet bis zu 30 Dirtruns unter diesen Bedingungen.

Was den Reiz ausmacht? „Wenn man mal dieses Gefühl erfährt, so einen harten, extremen Lauf zu schaffen, ist das wie eine Droge und richtig süchtig machend.“

Deshalb versucht sich der 29-Jährige auch ständig zu steigern. 2011 war es ein Bewerb, 2012 zwei, doch 2013 ist dann „der Vogel komplett mit mir ausgebrochen.“ 2015 stellte sich der Tullner ?? 30 Wettkämpfen, darunter ein Triple-Trifecta. Das sind drei Wettkämpfe der Spartan Race Serie, die aus 10 km Sprint, 15 km Super und 20 km Beast besteht. Großschmidt hat diese Trifecta, für die man eine Kombinationsmedaille erhält, dreimal absolviert.

Saisonziel 2016: WM in Amerika

Für nächstes Jahr hat er sich gleich sieben Spartan Races vorgenommen. „Ich habe schon ziemlich viel gemacht, aber es wird immer extremer. Ich will weg von der Kurzstrecke auf längere Distanzen, also Halbmarathon plus.“

Vergangenes Jahr hat er bereits in Wien beim Rundumadum (130 Kilometer und 1500 Höhenmeter) gefinisht. Für das heurige Jahr hat sich der UHC-Spieler einen Dirtrun Marathon, den Iron Viking Amsterdam, vorgenommen. Außerdem steht ein 24-Stunden-Dirtrun, die Mud Masters, in Weeze (Deutschland) am Programm.

„Die ganze Branche boomt. Es sind unglaublich viele auf den Zug aufgesprungen, die Bewerbe sprießen aus dem Boden. In Amerika könnte ich noch viel mehr machen.“ In Zahlen ausgedrückt bedeutet das etwa, dass bei der Europameisterschaft 2015 3000 Teilnehmer verzeichnet wurden. Bei der Weltmeisterschaft sind es sogar rund 7000 Starter. EM-Luft konnte Großschmidt bereits schnuppern, er befand sich im erweiterten Spitzenfeld. Heuer hat er sich die Qualifikation für die Spartan Race WM in Amerika vorgenommen. „Man kann sich über verschiedene Läufe qualifizieren. Das ist zwar noch eher weiter weg, aber ein großes Ziel von mir. Eine Teilnahme an der OCR-EM (Obstacle Course Racing = Hindernislauf, Anm.) ist aber ein Muss.“

Unbeschreibliches Gefühl im Ziel

Jahresabschluss 2015 stellte erneut der Getting Tough in Rudolstadt (D) dar. Bei diesem Dirtrun über 23 km geht es auch über etwa 1000 Höhenmeter und schwimmend durchs Freibad. Ob man da auch einmal ans Aufgeben denkt? „Gerade im Winter, wenn man wirklich friert, denkt man schon manchmal darüber nach. Der Getting tough laugt wegen der Kälte wirklich aus. Aber dann überwindet man den inneren Schweinehund und genießt das unbeschreibliche Gefühl im Ziel.“

Im Vergleich zum vergangenen Jahr konnte Großschmidt fast 100 Plätze gutmachen. Unter 2800 Startern wurde er 219. Insgesamt geht es ihm jetzt nicht mehr nur ums Finishen, wie am Anfang. Mittlerweile möchte der Tullner schon unter den Top 50 bzw. Top 100 sein — je nach Bewerb.

Da Ehrgeiz bekanntlich Bäume versetzt, wird Großschmidt nicht müde, für sein Hobby durch die Welt zu tingeln. 2015 startete er neben Österreich auch in Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Polen und England. Heuer soll es über den Atlantik gehen. Dass das ins Geld geht, ist selbstredend. Sponsoren sind daher herzlich willkommen.