Erstellt am 19. Mai 2016, 05:04

von Wolfgang Stritzl

Nur ein Tor fehlte Tulln zum Meistertitel. Das ist bitter! Das Unentschieden gegen Graz war wie eine Niederlage. Tulln hat den Meistertitel verloren!

Die Grazer Abwehr brachte Tulln zur Verzweiflung. Das ging so weit, dass sich die Tullnerinnen kaum noch trauten, aufs Tor zu werfen. Beate Tataruch war eine der wenigen, die immer wieder Verantwortung übernahmen. Foto: Wolfgang Stritzl  |  NOEN, Wolfgang Stritzl

TULLN – GRAZ 21:21. 23 Minuten lang war Tulln Meister. Solange nämlich führten die Rosenstädterinnen im mit Spannung erwarteten Spitzenspiel gegen den Tabellenführer. 7:3 war der größte Vorsprung. Die am Tag der Feierlichkeiten rund um das 70-jährige Jubiläum bestens besuchte Halle stand Kopf.

Dann aber kam Sand ins Getriebe. Tulln tat sich gegen die aggressive 6:0-Verteidigung der Grazerinnen immer schwerer, fand kaum noch eine Lücke. Die Nerven begannen zu flattern. Aus dem Spiel heraus gelang kein leichtes Tor. Bezeichnend, dass acht der 21 Tullner Treffer aus Siebenmetern resultierten, kaum ein Tor aus der zweiten Welle – Tullns eigentliche Stärke - gelang.

Graz lag ab dem 10:10 nie mehr in Rückstand

Die Gäste wurden im Rückspiegel immer größer. Michaela Fischer stellte vom Kreis die Plus-zwei-Führung her (8:6), holte eine Zwei-Minuten-Strafe samt Siebenmeter heraus, Selina Zeh verwandelte zum 9:6. Die nächsten drei Tore aber machten die Grazerinnen (9:9), die nach dem 10:10 (26.) nie mehr in Rückstand liegen sollten.

In einer Phase, als Tulln Zwei-Mann-Überzahl hatte, scheiterte die Gegenstoß laufende Johanna Fischer an Janina Preininger (12:12). Die Grazer Torfrau hielt gleich darauf auch einen Siebenmeter von Raphaela Kugler und avancierte in weiterer Folge endgültig zur Matchwinnerin ihrer Mannschaft.

Erst 20 Minuten vor Schluss wurde die angeschlagene Abwehrchefin Beate Vizvary in die Schlacht geworfen. Auch sie konnte das 14:16 nicht verhindern.

Die Zeit war neben Graz Tullns größter Gegner. Trainer Zeljko Gasperov stellte auf 5:1-, später auf 4:2-Abwehr um. Seine Schützlinge bekamen das Zitterhändchen, so etwa Selina Zeh, als sie beim Stand von 15:17 einen Siebenmeter über das Tor setzte.

Als Vizvary den nächsten Siebenmeter verwertete (zum 16:17) und Torfrau Nadine Burkert zu halten begann, wachte das Publikum wieder auf, wurde die Josef-Welser-Sporthalle zum Hexenkessel. Ausgerechnet in dieser Phase fassten Zeh und gleich darauf Jojo Dovedan Zwei-Minuten-Strafen aus, im Spiel sechs gegen vier zog Graz auf 19:16 davon – die Entscheidung.

Tulln steckte nie auf, kämpfte tapfer weiter. 32 Sekunden vor Schluss verkürzte Dovedan auf 20:21, vier Sekunden vor dem Ende glich Michaela Fischer aus …

Längst hatte Graz zu jubeln begonnen. Während der Tullner Bernd Rabenseifner im Namen des ÖHB den Meisterpokal überreichte, richtete Gasperov seine Spielerinnen auf. „Wir haben unser Bestes gegeben und nicht verloren.“