Erstellt am 12. Juli 2016, 10:00

von Malcolm Zottl

Kirchschlag feiert den neuen „Herminator“. Stück entfernt, mit der Ö-Rundfahrt hat sich Hermann Pernsteiner aber einen Namen gemacht. Vom Kultstatus des „Herminators“, Skilegende Hermann Maier, ist er noch ein

Am Sonntag wurde Hermann Pernsteiner (M.) in Kirchschlag von Fans und Familie willkommen geheißen. Zum Empfang des „Herminators“ kamen um die 300 Leute. Am Bild: ÖVP-Bürgermeister Josef Freiler (l.) und Vizebürgermeister Karl Kager (r.), der im Gemeinderat auch für Sport zuständig ist.  |  zVg

Skilegende Hermann Maier war dafür bekannt, im Training immer wieder Kilometer am Ergometer abzuspulen. Nun tat ihm dies ein Kirchschlager am Rennrad nach. Hermann Pernsteiner schlüpfte bei der Österreich-Radrundfahrt auf der Glockner-Etappe ins Rosa Trikot des besten Österreichers und zog das „Maglia Rosa“ bis zum Finale am Wiener Kahlenberg nicht mehr aus. In der Gesamtwertung belegte Pernsteiner den sechsten Rang.

Dabei wäre Pernsteiner beinahe nicht gestartet, war bei seinem Team BMC Amplatz nur Ersatzfahrer. Und selbst der Shooting Star hätte mit diesem Erfolg bei seiner erst zweiten Rundfahrt (Anm.: Slowenien-Rundfahrt) nicht gerechnet. „Hätte mir das vorher jemand gesagt, hätte ich nur den Kopf geschüttelt“, schmunzelt Pernsteiner. „Ich hätte mir nie erwartet einen Markus Eibegger, Clemens Fankhauser oder Stephan Rabitsch bei einer einwöchigen Rundfahrt hinter mir zu lassen“, so Pernsteiner weiter.

 „Ich habe gewusst, dass du die Tour nur am Glockner entscheiden kannst.“

Hermann Pernsteiner über die Königsetappe der Österreich-Rundfahrt. 

Die Rundfahrt selbst war ein Wechselbad der Gefühle. Bei der Etappe auf den Sonntagberg kam Pernsteiner zu Sturz. „Der Anstieg ist nicht so selektiv wie der Glockner und kommt mir nicht so entgegen. Dass ich trotzdem Vierter geworden bin, ist umso schöner“, freut sich Pernsteiner. Plötzlich fand sich der Kirchschlager vor der Königsetappe auf den Großglockner in der teaminternen Leaderrolle wieder und durfte nun auf die volle Unterstützung seiner Mannschaftskollegen zählen.

„Für den Anstieg auf den Glockner habe ich mir viel vorgenommen. Ich habe gewusst, dass du die Tour nur am Glockner entscheiden kannst, auf den anderen Etappen kannst du sie nur verlieren“, analysiert Pernsteiner. Der Kirchschlager kam als Siebenter auf der Edelweißspitze an, war damit auf der Etappe bester Österreicher und schlüpfte in das Rosa Trikot. Bei der Bergankunft am Kärntner Dobratsch belegte Pernsteiner den elften Platz.

Großer Empfang für "jüngsten Helfen"

An den letzten beiden Tagen ging es für Pernsteiner praktisch an seiner Haustür vorbei. Vor allem am Geschriebenstein warteten zahlreiche Fans, um den 25-Jährigen bis zum Gipfel anzufeuern. Auf der letzten Etappe von Bad Tatzmannsdorf nach Wien verteidigte Pernsteiner sein Rosa Trikot souverän. „Dann bei der Siegerehrung am Kahlenberg mit meinen ganzen Fans und meiner Familie zu feiern, war einfach unglaublich schön“, jubelt Pernsteiner.

In seiner Heimatgemeinde wurden Pernsteiners Erfolge genau verfolgt. Beim Testspiel Austria Wien gegen 1860 München im Weststadion verkündete der Platzsprecher unter tosendem Applaus Pernsteiners Ergebnisse bei der Österreichrundfahrt. Am Sonntag gab es für den „jüngsten Helden“ der Gemeinde einen großen Empfang.

Ob der gelernte Mountainbiker auch zukünftig bei Straßenrennen fahren wird, bleibt offen. „Ich muss das erst einmal sacken lassen. Es macht mir jedenfalls richtig Spaß, und die mediale Aufmerksamkeit ist viel größer. Ich trainiere sowieso zu 90 Prozent auf der Straße“, so Pernsteiner. Eine Entscheidung, ob er auf die Straße wechselt, wird aber wohl erst im August oder September fallen. Diese Saison hat Pernsteiner noch einen Vertrag bei einem Mountainbike-Team. Bei den ausstehenden Rennen möchte er ähnlich erfolgreich sein wie bei der Österreich-Rundfahrt.