Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 18. Juli 2017, 02:54

von Ingrid Vogl

Viel Frust beim ersten Highlight. Bei der EM verfehlte Christian Kromoser seine Ziele. Bei den World Games soll es für den Waidhofner besser laufen.

Eine besondere Ehre. Die für die World Games qualifizierten österreichischen Athleten – am Bild Christian Kromoser – wurden von Bundespräsident Alexander Van der Bellen feierlich verabschiedet.  |  BSO/Hagen

EM, World Games, University Games und WM. Das Jahr 2017 hält für Christian Kromoser gleich vier absolute Saisonhighlights parat. Das erste, die Europameisterschaft im portugiesischen Lagos, hat der Waidhofner bereits absolviert – mit Enttäuschung über die verpassten Ziele und viel Frust wegen eines defekten Skates, der bessere Ergebnisse verhinderte.

„Die EM war noch als Vorbereitung für die anderen Wettkämpfe gedacht. Daher ist das alles leichter zu verdauen“, hatte Kromoser an seinem Abschneiden in Lagos aber trotzdem ordentlich zu knabbern.

Dabei hatten die Titelkämpfe im Urlaubsparadies an der Algarve noch vielversprechend begonnen. Bei der Punkte-Elimination auf der Bahn fuhr Kromoser ein starkes Rennen und präsentierte sich in guter Form.

Dass keine bessere Platzierung als der 23. Rang im Endklassement aufschien, lag daran, dass sich der Mostviertler für Teamkollege Jakob Ulreich opferte. „Ich habe für ihn den Joker gespielt und bin für ihn eliminiert worden. Das Ergebnis war nicht das, was ich wollte, aber wir fahren gemeinsam und es war ausgemacht, dass er Vorrang hat“, so Kromoser.

„Die EM war noch als Vorbereitung für die anderen Wettkämpfe gedacht. Daher ist das alles leichter zu verdauen.“Christian Kromoser war über sein Abschneiden bei der EM schwer enttäuscht.

Auch mit der Elimination war der Medizinstudent nicht unzufrieden, obwohl er den angepeilten Top 15-Platz als 18. knapp verfehlte. „Ich war nicht so weit weg von meinem Ziel. Bis zur Elimination war das ein gutes Rennen“, fasste Kromoser den Bewerb zusammen. Völlig daneben ging dann das 1.000 Meter-Rennen. Kromoser erwischte den stärksten Vorlauf. Anstatt den Führenden einfach nur zu folgen, versuchte er zweieinhalb Runden vor Schluss, innen an einem deutschen Skater vorbeizukommen.

Die beiden stießen zusammen, blockierten einander und der Speed sowie der Aufstieg ins Halbfinale waren dahin. „Ich war übermotiviert und habe mir mit der Aktion mein eigenes Rennen ruiniert“, ärgerte sich Kromoser über den Fehler im letzten Bahnrennen.

Obwohl die Straßenrennen dem Ybbstaler mehr liegen, sah er den Bewerben mit gemischten Gefühlen entgegen. Das lag zum einen am schwierigen Straßenkurs mit seinen engen Kurven und Schikanen. Mehr Sorgen als der umstrittene Kurs bereitete Kromoser aber sein linker Skate. Bereits nach dem ersten Rennen auf der Bahn hatte er einen Riss im Schuh entdeckt. „Ich habe gewusst, der hat ein Ablaufdatum“, so Kromosers Vorahnung.

Und dieses Ablaufdatum war beim Eliminationsrennen erreicht: „Nach fünf Runden habe ich gemerkt, dass beim Schuh etwas nicht passt. Ich hatte das Gefühl, als ob ich ins Leere steigen würde.“ Beschleunigung in der Kurve war mit dem gebrochenen Skate nicht mehr möglich. „Ich habe nur mehr versucht, möglichst lange im Rennen zu bleiben und meinen Platz zu halten“, schilderte Kromoser die Taktik, die ihm Platz 18 einbrachte.

Der defekte Schuh sorgte dann für einiges Kopfzerbrechen und hatte zur Folge, dass Kromoser das Punkterennen mit einem alten Skate am linken Fuß und dem gewohnten Skate am rechten Fuß ins Rennen ging. Eine Kombination, mit der der angepeilte Top Ten-Platz außer Reichweite war, denn in den schwierigen Kurven fühlte sich Kromoser ziemlich unsicher. Im Endeffekt belegte er Rang 16. „Für die Umstände war das eigentlich ziemlich gut.“

Und so ging Kromoser mit Selbstvertrauen in den abschließenden Marathon, der auf der Autorennstrecke ausgetragen wurde und dem 24-Jährigen die nächste Enttäuschung einbrachte. Ein Drittel des Rennens war absolviert, als Kromoser den Anschluss an die Spitzengruppe verlor und allein gegen den starken Wind versuchte, sich wieder heranzukämpfen. Erfolglos. Am niedrigsten Punkt der Strecke wurde er von der Verfolgergruppe überholt. „Zwölf Leute rollen bergab einfach schneller als ich allein“, fasste Kromoser die rennentscheidende Situation zusammen. Er fuhr das Rennen enttäuscht zu Ende und finishte auf Platz 24.

Einziger Österreicher bei den World Games

Viel Zeit, um über die verpatzte EM nachzudenken, blieb aber nicht, denn das nächste Saisonhighlight steht mit den World Games in Breslau (Polen) bereits in wenigen Tagen bevor. Eingeläutet wurde das Großereignis mit der offiziellen Verabschiedung der 44 Sportler durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Das ist schon ganz speziell“, genoss Christian Kromoser die Anerkennung, die den Aktiven dabei entgegengebracht wurde.

Der Waidhofner hatte sich als einziger österreichischer Speed-skater im Vorjahr bei der WM in China für dieses Event qualifiziert und wird am 24. und 25. Juli beim Punkterennen und bei der Elimination auf der Straße am Start stehen. Dort wird er auf die Creme de la Creme des Inlinesports treffen. „Pro Land dürfen nur zwei Skater starten. Das Feld ist daher kleiner als bei einer WM, aber dafür sind es nur die Besten“, warten auf Christian Kromoser hochkarätige Konkurrenten. „Ich glaube, dass ich mich gut präsentieren kann und freue mich schon sehr darauf“, fiebert Kromoser der Abreise am Mittwoch entgegen.