Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:53

von Michael Salzer, Mathias Schuster und Christopher Eckl

Das Euro-Los macht glücklich. Die Vereinsvertreter aus dem Bezirk trauen dem ÖFB-Nationalteam geschlossen den Einzug ins Achtelfinale zu.

Nach der äußerst erfolgreichen Qualifikation folgte am Samstag in Paris die Auslosung für die Euro 2016 in Frankreich – nun stehen die Gegner in der Vorrunde fest: Das österreichische Nationalteam trifft in Gruppe F zunächst auf Ungarn, danach auf Portugal und Island.

Wie schätzen nun die regionalen Klubvertreter die Chancen ein? Da sei alles drinnen, sogar der Gruppensieg, meint SC Zwettl-Sektionsleiter Harald Resch – aber nur, wenn die ÖFB-Kicker genauso weiterspielen wie in der Qualifikation: „Von Spiel zu Spiel denken, die Mannschaft gut einstellen, nur ja keinen Gegner unterschätzen.“ SCZ-Coach Ljubo Petrovic sieht es ganz ähnlich: „Das ist ein super Team, eine super Generation, ähnlich wie damals bei der WM 1978 mit Krankl und Prohaska. Immer schön am Boden bleiben, dann kann nicht viel schiefgehen. Österreich kommt auf jeden Fall in die K.o.-Phase!“

Plazibat: „Wir werden weiterkommen“

Ebenfalls mit einem langen Frankreich-Aufenthalt des ÖFB-Teams rechnet Groß Gerungs-Trainer Ante Plazibat. „Aus Topf eins gehört Portugal zu den schwächsten Teams. Wir sind besser als Ungarn, wir sind besser als Island, wir können gegen Portugal gewinnen. Daher werden wir weiterkommen – so einfach ist das!“

Thomas Reif, der Sportliche Leiter von Gebietsligist USC Schweiggers, würde im Hinblick auf die Gruppengegner auch gerne mit den Gastgebern tauschen: „Die Gruppe der Franzosen (Anm.: mit Schweiz, Rumänien, Albanien) wäre auch interessant gewesen. Wir dürfen uns aber nicht beschweren, aus Topf eins gibt’s deutlich bessere Teams als Portugal.“ Aufpassen müsse man auf Island: „Das sind kaum bekannte Fußballer, die aber immerhin Holland zweimal geschlagen haben.“

Auf die Euphoriebremse tritt indes Waldhausen-Trainer Günter Öhlzelt: „Viele sehen uns ja schon im Viertelfinale, oder gar noch weiter. Ich hoffe, dass man die Euphorie bis zur EM halten kann und verletzungsfrei bleibt. Dass es ohne Junuzovic nicht so läuft, hat man nämlich schon gesehen. Vielleicht rutscht auch noch ein Senkrechtstarter in den Kader. Marcel Koller ist ein guter Trainer, das macht mich zuversichtlich.“ Vor Teamchef Koller zieht auch Kottes-Trainer Rainer Eigner den Hut: „Alle Spieler ordnen sich im Nationalteam unter. Der Weltklasse-Faktor ist für mich Marcel Koller, denn das hätte kein österreichischer Trainer geschafft.“


„Man muss am Boden bleiben. Wenn wir das
Viertelfinale erreichen, wäre das Weltklasse.“
Mario Reicher, Spielertrainer
USC Rappottenstein


Neben dem Schweizer Erfolgsbringer ist für Eigner vor allem die Besinnung auf den eigenen Nachwuchs „schuld“ am derzeitigen Erfolgslauf – Vorreiter sei hier die Jugendabteilung von Austria Wien. „In einer deutschen Zeitschrift habe ich unlängst einen Artikel über den Nachwuchs der Wiener Austria gelesen. Heute zerlegt Arnautovic Manchester City im Alleingang, Dragovic steigt in der Champions League auf, David Alaba ist einer der besten Spieler auf dem Planeten. Oder Okotie, der einen Durchschnittsverein wie 1860 München am Leben hält.“

Dass das ÖFB-Team die Gruppenphase überstehen wird, darin sind sich die Vereinsvertreter also einig. Doch wie weit kann es in der K.o.-Phase gehen? Optimistisch zeigt sich Gerungs-Coach Plazibat: „Warum sollten wir nicht die EM gewinnen? Sind wir im Moment schlechter als beispielsweise England? Man braucht sich doch nur mal anschauen, wer diesmal mitspielt: Albanien, Wales, Island, und und und. Da sind 12 Mannschaften dabei, die sich in 50 Jahren einmal qualifizieren. Wie waren die Griechen beisammen, als sie mit Libero und einer Handvoll Toren Europameister geworden sind? Mit einer guten Platzierung in der Gruppe spielt man vielleicht gegen einen Gruppendritten im Achtelfinale. Das Viertelfinale sollten wir also locker schaffen.“
Kollers Mannen in der Runde der letzten Acht – da wäre auch Rappottensteins Spielertrainer Mario Reicher froh: „Es kann sehr weit für uns gehen, aber man muss am Boden bleiben. Wenn wir das Viertelfinale erreichen, wäre das Weltklasse.“ Vielerorts ist auch vom Einzug ins Semifinale die Rede. Arbesbach-Präsident Markus Lichtenwallner möchte nicht so weit gehen. „Österreich gehört zu den Top-Nationen in Europa. Es wäre trotzdem vermessen, zu sagen, wir kommen ins Halbfinale. Das Achtelfinale wäre für uns schon ein Riesenerfolg.“