Erstellt am 25. November 2015, 05:23

von Michael Salzer, Mathias Schuster und Christopher Eckl

„Im Frühjahr die letzte Chance“. Für Kampfmannschafts-Spiele gibt es im gesamten Waldviertel nur mehr 17 aktive Refeeres.

Marcel Hobbiger ist einer der wenigen jungen Schiri-Hoffnungsträger im Waldviertel. Der 24-jährige Schremser leitet momentan Spiele in den zweiten Klassen.  |  NOEN, Christopher Eckl

Der markante Abwärtstrend in der Schiedsrichtergruppe Waldviertel geht weiter, der Personalstand hat einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht: Nur mehr fünf Waldviertler sind über den zweiten Klassen als aktive Spielleiter unterwegs! Darunter gibt es noch zwölf aktive Schiedsrichter in den zweiten Klassen, vier Assistenten, elf Jugend-Schiedsrichter und zwei Beobachter.

„Im Frühjahr starten wir wieder eine größere Offensive, aber das ist unsere letzte Chance“, erklärt Hubert Pfeiffer, Obmann der Schiedsrichtergruppe Waldviertel. „Wir machen Werbung in den Schulen und bei den Vereinen, fahren zu den Trainings. Aber die können oder wollen uns nicht helfen. Außerdem haben wir in Waidhofen eine Auslage gestaltet – daraufhin hat sich einer für die Prüfung angemeldet.“

Wie sieht es im Bereich der vielen Zuwanderer aus? Pfeiffer: „Auch das ist nicht so einfach. In der Gruppe Wienerwald sind schon 40 Prozent Ausländer. Aber die müssen, laut Vorgaben vom Verband, Deutsch in Wort und Schrift können. Wo gibt es die im Waldviertel? Her damit!“

Werbeversuche gingen allesamt ins Leere

Das aktuelle und einsame Aushängeschild in der Regionalliga Ost ist Markus Gerstbauer aus Zwettl: „Es ist ein schwerwiegendes Szenario, die Entwicklung in den letzten Jahren ist ein Wahnsinn. Rund um Wien gibt es keine Probleme, aber in der Gruppe Wachau läuft es genauso schlecht wie im Waldviertel. Wir probieren wirklich alles, aber neue bzw. junge Kollegen zu finden, ist kaum noch möglich.“ Warum nicht? Gerstbauer: „Es ist eine Mischung aus vielen Faktoren. Viele wandern aus beruflichen Gründen ab in die Gegend rund um Wien und gründen dort eine Familie, wollen am Wochenende ihre Ruhe haben.“

Wie schaut es aus mit jener Zielgruppe, aus der Markus Gerstbauer selbst stammt? Er hat seine Karriere als aktiver Fußballer beim SC Zwettl nach drei schweren Knie-Verletzungen beendet. „Diese Leute werden auch immer weniger und sind bei ihren Vereinen sehr begehrt, werden dort als Nachwuchstrainer oder Funktionäre eingesetzt.“

Letztlich gibt Markus Gerstbauer – verheiratet, zweifacher Vater und selbstständiger Steuerberater in Zwettl – an, dass auch sein Dasein als Schiedsrichter nicht unbefristet sei: „Solange es mir Spaß macht, werde ich mit vollem Einsatz dabei sein.“

Einen Lösungsansatz für die große Schiri-Krise im Waldviertel hat Kottes-Trainer Rainer Eigner parat: „Vielleicht müssten sich die Vereine selbst engagieren. Wenn jeder aus den eigenen Reihen einen Schiedsrichter stellt, wäre das Problem gelöst.“ Anreize gäbe es für junge Anwärter durchaus, so Eigner: „Unlängst habe ich mit Markus Mayr gesprochen. Mit genügend Begeisterung und etwas Glück kann man es weit bringen. Dazu muss man aber auch früh anfangen. Vielleicht sollte man vom Finanziellen her nachbessern.“ Am anderen Ende der Altersstruktur sieht der Trainer Anpassungspotential: „Die Alterslimits nach oben sind etwas, das ich nie verstehen werde.“

Genug Anreiz bot die Schiedsrichterei für den Sallingberger Matthias Schiller. Der 15-jährige Reservespieler des SC legte Ende August seine Prüfung ab, pfeift nun Jugendspiele. „Es macht ihm Spaß und der Verein unterstützt ihn natürlich – auch wenn er dafür mal nicht spielen kann“, so Sektionsleiter Rainer Prokopec. „Man muss auch schon früh dazukommen, sonst wird’s nicht weit raufgehen“, weiß Waldhausen-Trainer Günter Öhlzelt. Ohne Nachwuchs auf dem Sektor sei selbstverständlich auch der Fußball in Gefahr: „Deswegen sage ich meinen Spielern immer, sie sollen die Schiris in Ruhe lassen. Wenn keiner mehr pfeift, gibt’s auch keine Spiele mehr.“

Zustimmung kommt von Andreas Blauensteiner, Gruppenobmann der 2. Klasse Waldviertel Süd und Sektionsleiter von Herbstmeister Kirchschlag. Neben den Spielern nimmt er aber auch die Zuseher in die Pflicht: „Alle, die g’scheit reinreden, sollte man motivieren, dass sie selber ein Spiel pfeifen. Dann sehen sie, dass es nicht so leicht ist.“ Bei den Gruppensitzungen appelliert er immer wieder an die Vereine, sich um Schiri-Nachwuchs zu kümmern. „Man kann aber niemanden zwingen, Schiedsrichter zu werden.“ Die jüngsten Werbeaktionen seien nicht alle verpufft. Neben dem Sallingberger Schiller hebt Blauensteiner auch Jung-Referee Gerald Simhandl lobend hervor.

Einer der fleißigsten Klubs im Bezirk im Hinblick auf die Schiri-Tätigkeit ist der ESV Schwarzenau. Gleich drei Männer aus dem Verein greifen aktuell zur Pfeife: Gerhard Ratzberger, Reinhardt Scheidl, Markus Marchsteiner. „Um die Jugend zu motivieren, braucht es Aushängeschilder, also mehr Waldviertler, die in der Regionalliga oder höher pfeifen“, meint ESV-Sektionsleiter Robin Franta.