Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:58

von Christopher Eckl

Saison endete für Lösch abrupt. Die erfolgreiche Versehrtensportlerin Claudia Lösch zog sich einen Oberschenkel-Trümmerbruch zu und wird in diesem Winter keine Rennen mehr bestreiten.

Claudia Lösch kann nach ihrem Unfall schon wieder lächeln.  |  NOEN, Salzer

Claudia Lösch wurde vergangene Woche eine Abfahrt zum Verhängnis – aber keine auf Schnee, sondern eine auf Asphalt. Nach dem IPCAS-Slalom im Pitztal, wo die 27-jährige auf Platz vier landete, fuhr sie mit ihrem Rollstuhl auf der Gletscherstraße von der Talstation in Richtung Team-Hotel. Ein Autofahrer fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Lösch sah ihn spät, konnte nicht mehr ausweichen und prallte gegen das Fahrzeug. „Ich war zu schnell dran. Aber ich fahre da seit 15 Jahren rund 20 Mal jährlich runter, da ist mir an einem Nachmittag noch nie ein Auto entgegengekommen“, wundert sich die zweifache Paralympics-Siegerin im NÖN-Gespräch.

Nach dem Zusammenprall wurde sie sofort ins Uni-Klinikum nach Innsbruck gebracht. Dort diagnostizierte man einen Oberschenkel-Trümmerbruch und operierte die Waldviertlerin vier Stunden lang. Mittlerweile ist sie wieder wohlauf, kann das Krankenhaus spätestens am Heiligen Abend verlassen. Schmerzen am Oberschenkel verspürt sie aufgrund ihrer Querschnittlähmung keine. „Wenn es nach mir gehen würde, würde ich schon nächste Woche wieder Ski fahren.“

Tolle Resultate bis  zum Zwischenfall

Die Realität sieht allerdings anders aus – auf Lösch warten zwei bis drei Monate Regenerationspause, in der aktuellen Saison wird sie kein Rennen mehr bestreiten. Bitter, denn aus sportlicher Sicht lief es in den letzten Wochen hervorragend. Zum Saisonauftakt fuhr Lösch in Landgraaf (Niederlande) bei zwei Europacup-Slaloms auf den zweiten Rang. Zweite Plätze erreichte sich auch im Pitztal, beiim Super-G und Riesentorlauf. Im Slalom, jenem Rennen vor dem verhängnisvollen Zusammenstoß, landete sie auf Rang vier.

„Nach dem Unfall war ich sauer auf mich selbst.
Dann hab‘ ich aber schon wieder an die WM gedacht.“
Claudia Lösch blickt schon wieder in die Zukunft


Über dieses Abschneiden war die dreifache Weltmeisterin der diesjährigen Titelkämpfe selbst erstaunt. „Ich war wirklich gut in Form, hätte gedacht, dass ich von den Konkurrentinnen weiter weg bin.“ Das gesamte Sommer- und Herbsttraining glich nämlich einer einzigen Testphase. Lösch tauschte nach der letzten Saison ihr Monoski-Gerät aus, wechselte von einem österreichischen Hersteller zu einem japanischen. Warum? „Es hat sich in den letzten drei Jahren abgezeichnet, dass man mit diesem Gerät noch konkurrenzfähiger ist.“ Auf dem neuen Untersatz musste sie erst das richtige Fahrgefühl wiederfinden.

Große Ziele vor Augen

Damit die alten Automatismen wieder greifen, möchte die 27-jährige schon im Frühjahr erneut die Pisten runterglühen. Schließlich hat sie schon wieder große Ziele vor Augen. „Ein bis zwei Tage nach dem Unfall war ich natürlich enttäuscht und sauer auf mich selbst. Dann hab‘ ich aber schon wieder an die nächste Weltmeisterschaft gedacht.“ Die findet 2017 höchstwahrscheinlich in Tarvis/Italien statt. „Das ist ja fast eine Heim-WM für mich. Dort möchte ich unbedingt meine Goldmedaille in der Abfahrt verteidigen.