Erstellt am 13. Januar 2016, 05:13

von Michael Salzer und Christopher Eckl

Smejkal kehrt heim. Nurko Causevic war das Handtuch, der neue Trainer ist mit Zdenek Smejkal ein guter alter Bekannter.

Zurück zu den Wurzeln! Der aktuelle tschechische Teamchef Zdenek Smejkal kehrte triumphal ins Waldviertel zurück. Dort, wo er sieben Jahre als Spielertrainer tätig war, folgt er nun im Rahmen einer wahren Blitz-Aktion Nurko Causevic nach. Zum Einstand gab‘s gleich einen 3:1-Sieg im großen NÖ-Derby gegen Amstetten.  |  NOEN, Michael Salzer

„Als wir nach der Weihnachtspause in die Halle gekommen sind, war kein Trainer da. Da haben wir schon so ungefähr gewusst, was sich abspielt.“ So beschrieb Union Waldviertel-Außenangreifer Anton Menner jenen Moment, als die Mannschaft realisierte, dass sie ohne Übungsleiter dasteht. Nurko Causevic war nicht nur beim Trainingsstart am 2. Jänner abwesend, er trat wenige Tage später zurück. Aus familiären Gründen, wie der Verein angibt. Laut den Funktionären der URW weilt Causevic derzeit bei seiner Gattin in Italien.

Kurzfristig übernahmen mit Michal Peciakowski und Rudinei Boff zwei Nachwuchstrainer die Übungsleitung. Mitte der letzten Woche zauberte Union-Manager Werner Hahn dann mit dem aktuellen tschechischen Teamchef Zdenek Smejkal einen altbekannten Nachfolger förmlich aus dem Hut. „Es ist sehr schwer, in so kurzer Zeit einen solchen Trainer zu finden. Das ging nur, weil wir uns jahrelang kennen und gut befreundet sind“, hielt Manager Werner Hahn fest. Ob Smejkal eine langfristige Lösung der Trainer-Frage sein kann, steht in den Sternen – weil er in einer komplizierten Zwickmühle feststeckt: Der Tscheche war in seiner Heimat gefeierter Meistertrainer bei Kladno und Ostrava (2012/13).

Situation mit Ostrava derzeit ungeklärt

Doch im vorigen Spieljahr verpasste der VK Ostrava das Meister-Play off knapp, danach versank der Klub im Chaos. Mit einer Art Meuterei wurde die alte Führungsebene entmachtet, der neue Vorstand feuerte Zdenek Smejkal. Nun klagte der ehemalige Vorstand den neuen. Gewinnt der alteingesessene Vorstand den laufenden Prozess, muss Smejkal wieder zurück nach Tschechien. „Mein Vertrag dort läuft noch eineinhalb Jahre und – so gern ich hier im Waldviertel bin und meinen alten Freunden helfe – ich werde ihn erfüllen müssen.“

Wann das Urteil fällt, sei derzeit völlig unklar. „Das kann in 14 Tagen sein oder auch erst im Sommer“, tappt Smejkal im Dunklen. Für ihn folgt nun auf das Tohuwabohu in Ostrava das ruhige und bekannte Funktionärsumfeld der URW. „Für uns ist es ein glücklicher Zufall, dass er hier sein kann“, kommentiert URW-Routinier Petr Calabek, der das Geschehen in Ostrava genau verfolgt hat, die kuriose Situation. „Aber Smejk tut es schon sehr weh, dass seine Arbeit in Ostrava so zerstört wird und die Mannschaft zerfällt.“

Bei seinen neuen Schützlingen hat Smejkal positiven Eindruck hinterlassen. „Er ist das höchste Niveau gewöhnt, hat uns in nur kurzer Zeit die Augen geöffnet“, erklärte Calabek. Vor dem NÖ-Derby gegen Amstetten hat der neue Coach in drei Trainingseinheiten erfolgreich an nur wenigen Schrauben gedreht. So stellte er das Verteidigungssystem um und baut nun, anders als Vorgänger Causevic, auf einen Dreierblock. „Außerdem bringt er viel Positives in die Mannschaft“, meint Anton Menner. Und das auf seine ganz eigene, ruhige Art: „Er redet leise und wenig, aber jeder versteht ihn. Bei Nurko Causevic war es genau das Gegenteil.“

Hintergrund

Zdenek Smejkal lief als aktiver Volleyballer für die tschechischen Klubs Dukla Trencin und Nymburk auf. Danach verbrachte er sieben Jahre in Arbesbach – seit dieser Zeit genießt er bei der Union so etwas wie Legenden-Status. Schließlich war es Smejkal, der die URW 2005 als Spielertrainer erstmals in die Austrian Volley League führte. Danach ging es nicht nur für die Waldviertler, sondern auch für den Tschechen steil bergauf. Er ging als Coach zurück in sein Heimatland, wo er 2010 mit dem VK Kladno und 2013 mit VK Ostrava den Meistertitel holte. Ab 2012 war er zusätzlich Co-Trainer der tschechischen Nationalmannschaft, 2013 übernahm er das Amt des Teamchefs.

Nurko Causevic übernahm 2013 das Traineramt der Union Waldviertel. Im ersten Jahr als Übungsleiter führte er die URW auf Platz vier in der AVL, in der Saison 2014/15 wiederholte er dieses Kunststück. Nicht ganz nach Wunsch verlief die bisherige Spielzeit. Nach zwei Heimniederlagen in Serie (2:3 gegen Graz, 0:3 gegen Enns) ging die Union nur auf dem fünften Rang in die Weihnachtspause. An Einsatz für den Verein mangelte es beim Kroaten nicht. Obwohl er im Sommer 2015 einen Herzinfarkt erlitt, stand er nur wenige Wochen danach wieder an der Outlinie.