Erstellt am 06. April 2017, 17:10

von Daniel Lohninger

Droh-SMS statt Prügel. Die Art der Gewalt gegen Frauen hat sich zwar geändert. Aber auch nach 30 Jahren ist das Haus der Frau ein sicherer Hafen. 1.880 Frauen und 1.982 Kinder fanden hier Zuflucht.

Feierten im Festsaal der Raiffeisenbank 30 Jahre Haus der Frau: Doris Schmidl, Franz Bäuchler, Anna Durstberger, Renate Gamsjäger, Franz Gindler, Christina Veit, Matthias Adl, Maria Imlinger, Ilona Tröls-Holzweber und Mirsada Zupani (von links).  |  NOEN, Raiffeisenbank Region St. Pölten

„Wenn vor 30 Jahren ein Mann im Wirtshaus damit geprahlt hat, seine Frau zu schlagen, hat er Zuspruch erhalten. Das wäre heute undenkbar.“ So beschreibt Gründungsmitglied Anne Marie Figdor, wie sich die Akzeptanz von Gewalt in der Familie seit Eröffnung des Frauenhauses geändert hat.

Frauen seien heute weniger mit brutaler Gewalt konfrontiert als vor 30 Jahren, häufiger aber mit struktureller Gewalt wie Psychoterror, Stalking und Erniedrigungen. „Gewalt ist anders geworden, aber nicht weniger“, so Figdor.

Erfolgreiche Initative

Am Anfang stand eine Initative der Katholischen Frauenbewegung mit dem Ziel, von Gewalt bedrohten Frauen eine Perspektive zu geben. Das ist vielfach gelungen: 1.880 Frauen und 1.982 Kinder fanden seit der Gründung im größten Frauenhaus Niederösterreichs verübergehend Zuflucht, tausende ließen sich beraten. Manche von ihnen sind wieder zum gewalttätigen Mann zurückgekehrt, viele haben die Kraft gefunden, ein neues Leben aufzubauen. Oft würden Frauen lange leiden, bevor sie den Schritt ins Frauenhaus wagen. „Viele gehen erst, wenn ihre Kinder in Gefahr sind“, weiß Figdor. Die Schwelle sei aber niedriger geworden.

Früher war das Gros der Frauen Ende 40, heute zwischen 25 und 30 Jahre. Für Frauenhaus-Leiterin Maria Imlinger ein Zeichen, dass Frauen Gewalt nicht mehr so lange tolerieren, und eine Folge der verschärften Gesetzeslage. Auch der gesellschaftliche Wandel spiegle sich wider: Waren es anfangs nur österreichische Frauen, fanden hier mittlerweile Frauen aus 26 Nationen eine Zuflucht. So schnell werde sich das Haus der Frau nicht abschaffen, meint Imlinger: „Ich befürchte, dass es eine lange Zukunftsperspektive hat und nie überflüssig wird.“