Erstellt am 20. Oktober 2015, 05:32

von Mario Kern

5.500 waren im Transit-Quartier. Beteiligte Organisationen ziehen Bilanz: „Haben gemeinsam die Herausforderung bewältigt.“

Im Einsatz bis zuletzt: Am vorletzten Tag des Transit-Quartiers im Wirtschaftshof half die Caritas-Freiwillige Anna Ambichl noch einem irakischen Flüchtling beim Wäschewaschen  |  NOEN, Karl Lahmer

Noch einmal insgesamt 1.800 Transitflüchtlinge waren in den vergangenen Tagen im Wirtschaftshof untergebracht, bevor das Quartier für die Vorbereitung auf den Winterdienst geschlossen werden musste.

300 Flüchtlinge per Bus

Allein am Dienstag der Vorwoche waren mit einem Schlag 300 Flüchtlinge mit Bussen in die Weiterner Straße geführt worden –  sie waren mit weiteren 200 Personen aus Wien mit dem Zug nach Salzburg unterwegs und mussten in St. Pölten einen unfreiwilligen Zwischenstopp einlegen, weil bekannt wurde, dass an diesem Tag keine Weiterreise nach Deutschland möglich sein würde. Beim Zwischenstopp sei es zu keinen Zwischenfällen gekommen, berichtet Landespolizeisprecher Markus Haindl. „Aus sicherheitspolizeilicher Sicht war das Ganze sehr unaufgeregt. Wir haben nur die Situation begleitet.“

„Nur mit dem Einsatz der vielen freiwilligen Helfer haben wir die Herausforderungen gemeinsam und gut bewältigt.“ Beate Schneider, Caritas

Nach 37 Tagen, in denen das Transit-Quartier im Wirtschaftshüf zur Verfügung stand, ziehen die beteiligten Organisationen und Institutionen Bilanz: 5.500 Flüchtende wurden versorgt und betreut. Das Quartier war an 31 von insgesamt 37 Tagen besetzt – die restlichen Tage dienten der Grundreinigung und der Ressourcenplanung.

  • Insgesamt 400 Helfer des Roten Kreuzes waren mehr als 4.000 Stunden vor Ort im Einsatz –  der reguläre Rettungsdienst war die ganze Zeit über vollständig aufrecht. Das Rote Kreuz hatte mit dem ASBÖ das Lagerleben logistisch gemanagt, für Ressourcen und Personal gesorgt. Das Zusammenspiel aller Beteiligten habe sehr gut funktioniert, streicht Bezirkskommandant Wolfgang Brückler hervor.
  • Die nicht planbare Ankunft und Abholung der Flüchtlinge habe aber die Versorgungsplanung sehr erschwert. „Ein Mindeststand an Grundnahrungsmitteln musste immer vorrätig sein. Warme Mahlzeiten mussten oft sehr kurzfristig organisiert werden – und das für bis zu 300 Personen.“
  • Die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariterbundes (ASBÖ) haben mehr als 1.300 Einsatzstunden geleistet. Die Flüchtlingsbetreuung habe gezeigt, dass „wir alle ein starkes Team“ sind, betont Anita Zinner, Obmann-Stellvertreterin des ASBÖ St. Pölten. Problematisch war im Laufe der 37 Tage, genug ehrenamtliche Mitarbeiter für die Flüchtlingsbetreuung zu finden, so Zinner.
  • Die Caritas hat unter anderem Sachspenden verwaltet und damit die Betreuten versorgt. 200 von 446 auf einer Liste eingetragenen Freiwilligen haben 2.500 Stunden in den Dienst der guten Sache gestellt, hauptberufliche Mitarbeiter haben 2.000 Stunden lang gearbeitet. Die Flut an Hilfsgütern und Freiwilligen sei enorm gewesen, sagt Einsatzleiterin Beate Schneider: „Nur mit dem außergewöhnlichen Einsatz der Freiwilligen konnten wir das gemeinsam gut bewältigen.“
  • Die Polizei hat unter anderem die An- und Abreisen überwacht. „Eine permanente Überwachung war gar nicht erforderlich“, so Landespolizeisprecher Markus Haindl. „Die Herausforderungen waren sehr gering.“
  • Das Wirtschaftshof-Team war mit insgesamt 40 Bediensteten im Einsatz – sie haben bei Einrichtung, Instandhaltung und Reinigung des Quartiers gewährleistet. Auch die Stadt hat an wertvollen Erfahrungen gewonnen, wie Baudirektor Kurt Rameis unterstreicht:. „Die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten hat unsere Kooperations- und Einsatzfähigkeiten für künftige Herausforderungen gestärkt.“

 

Noch kein weiteres Quartier in Aussicht

Nach dem Wirtschaftshof sei ein weiteres Transit-Quartier in St. Pölten nicht in Aussicht, weiß Rameis. Da St. Pölten nicht mehr verfügbar sei, werde auf andere Quartiere zurückgegriffen, betont Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck. Auf der Suche sei der Bund nicht, schließlich sei das Entscheidung des Landes. Dort verweist man retour an den Bund: „Die Schaffung von Transitquartieren ist Bundessache. Das Land unterstützt“, betont Anton Heinzl, Sprecher von Landesrat Maurice Androsch.