St. Pölten

Erstellt am 11. April 2017, 06:00

von Daniel Lohninger

Nach Serienunfällen: VCÖ fordert 100er. Nach Unfallserie unternehmen Verkehrsexperten und Magistrat neuen Anlauf für Geschwindigkeitsbegrenzung auf Stadtstrecke.

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Vier Mal musste die Westautobahn bei St Pölten seit Dezember wegen Serien-Unfällen gesperrt werden. Verbunden war das jedes Mal mit stundenlangen Staus in der Stadt. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) greift deshalb eine Forderung auf, die bereits in den vergangenen Jahren verlässlich für Diskussionen sorgte: eine 100er-Beschränkung auf dem Stadt-Abschnitt der A 1.

Serienunfälle als Argument für 100er-Zone

„Gerade die Serienunfälle sind ein starkes Indiz dafür, dass in diesem Abschnitt Tempo 100 statt 130 besser ist“, legt sich VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Eine aktuelle VCÖ-Analyse beweise, dass sich die Einführung der 100er-Beschränkung auf anderen Stadt-Abschnitten bewährt habe. Sie bringe nicht nur eine deutliche Reduktion der Unfallhäufigkeit, sondern erhöhe auch die Leistungsfähigkeit der Autobahnen.

Die VCÖ-Studie zeigt, dass bei Tempo 100 die reale Leistungsfähigkeit einer Fahrbahn 2.440 Kfz pro Stunde beträgt, bei Tempo 130 hingegen nur 2.250. „Eine höhere Leistungsfähigkeit bedeutet weniger Staus und damit weniger Fahrzeit-Verzögerungen“, rechnet Gratzer vor. Abgesehen davon sinke auch die Lärmbelästigung deutlich, die Feinstaub-Emission um mehr als 30 Prozent. Die Schadstoffbelastung insgesamt halbiere sich beinahe. „Jeder Unfall hat enorme Staus und damit massive Zeitverluste für viele Autofahrerinnen und Autofahrer zur Folge“, hält Gratzer den zusätzlichen 42 Sekunden entgegen, die der 100er auf der A 1-Stadtstrecke pro Fahrt kosten würde.

Bemühungen schon 2015

Im St. Pöltner Rathaus betont man, dass schon 2015 die Bemühungen um die 100er-Beschränkung gescheitert sind. Damals sah man im Verkehrsministerium nach Messung der Luftgüte- und Lärmwerte keinen Handlungsbedarf, auch das Land unterstützte St. Pöltens Forderungen nicht. Verkehrsamtsleiter Ernst Schwarzmüller betont aber, dass die Stadt nach wie vor bemüht sei, den 100er durchzusetzen – den auch die Anrainer der von Autobahnlärm betroffenen Stadtteile schon lange fordern.

Angesichts der sich häufenden Unfälle in diesem Abschnitt rückt die Stadt die Frage der Verkehrssicherheit in den Mittelpunkt ihrer Forderungen. Eine „neuerliche Untersuchung in Hinblick auf die gefahrenen Geschwindigkeiten“ müsse umgehend erfolgen, meint Schwarzmüller.

Die Häufung der Unfälle auf der A 1-Stadtstrecke hat aber nicht nur die Experten von VCÖ und Stadt auf den Plan gerufen, auch die Sachverständigen des Bundes haben sich die Situation genau angeschaut. Sie erklären die Verschärfung der Situation mit häufigeren Rückstauungen auf die Autobahn in Richtung Salzburg. Die Abfahrtsrampe St. Pölten-Süd wird daher zu Sommerbeginn verbreitert, der Abfahrtstreifen verlängert. Damit soll die Unfallhäufigkeit wieder gesenkt werden.

Knoten mit S 34 bringt 100er-Beschränkung

Spätestens mit der 2021 geplanten Eröffnung des ersten Abschnitts der S 34 kommt aber zumindest auf einem Teil der Stadtstrecke ein 100er. Der Knoten von A 1 und S 34 bei Schwadorf soll ähnlich dem Voralpenkreuz gelöst werden – und dort gilt im Bereich der Abbiegespur auch eine 100er-Beschränkung.

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