Erstellt am 17. Dezember 2015, 03:03

Ablenkung ist die Haupt-Unfallursache. Handygebrauch während der Autofahrt ist vor allem für junge Autofahrer eine Falle, auch auf den St. Pöltner Straßen.

Verkehrspsychologe Gregor Bartl (Mitte) referierte über Ablenkung im Straßenverkehr. Mit im Bild: Reinhard Mader mit Sohn und Neo-Führerscheinbesitzer Markus, Fahrschulinhaber Richard Mader und Günter Nusterer, Leiter des Sauer-Fahrtechnikzentrums.  |  NOEN, NÖN

„Offensichtlich ist Autofahren zumindest zeitweise so einfach, dass sich die Fahrer dabei sicher genug fühlen, um sich mit anderen Dingen gleichzeitig zu beschäftigen“, formulierte es Verkehrspsychologe Gregor Bartl bei seinem Vortrag in St. Pölten. Das sei aber ein Trugschluss, denn Ablenkung ist Unfallursache Nummer eins im Straßenverkehr.

An der Kreuzung Birkenallee/ B1-Linzer Straße wird sichtbar, welche Folgen mangelnde Aufmerksamkeit haben kann. Hier ereigneten sich in den letzten Jahren zahlreiche Verkehrsunfälle (allein im Vorjahr waren es zehn mit Personen- oder Sachschaden), viele davon waren rechtwinkelige Kollisionen aufgrund von Vorrangverletzungen.

Ursachen sind vielseitig 

Die Ursachen reichen laut Stephan Mayrhofer von der Abteilung für Landesstraßenplanung vom Übersehen eines bevorrangten Verkehrsteilnehmers aufgrund schwieriger Sichtbedingungen bis zur Nichtbeachtung der Stopp-Tafel. Als Gegenmaßnahme regelt seit November eine Ampel den Verkehr (die NÖN berichtete).

38,3 Prozent der Verkehrsteilnehmer lassen sich durch Handy, Navi, Gespräche mit Mitfahrern oder Radio von der Straße ablenken. Ein gefährliches Spiel in Anbetracht der Fakten: Laut „alles-führerschein.at“ versursachen in den ersten neun Monaten nach Führerscheinerwerb 6,1 Prozent der Fahranfänger einen Unfall wegen Ablenkung, weitere 19,4 Prozent geben in der Befragung vom April 2015 an, einen Beinaheunfall wegen Ablenkung gehabt zu haben. Hauptgrund ist die Handynutzung. Und die Summe der Möglichkeiten zur Ablenkung nimmt ständig zu.

„Man kann nicht zwei Dinge zugleich machen“

Aber können wir eigentlich SMS schreiben und autofahren gleichzeitig? „Multitasking heißt, hin und her zu springen. Wir können nicht zwei Dinge gleichzeitig abarbeiten“, so Verkehrspsychologe Gregor Bartl. Ein einfacher Versuch zeige, dass Multitasking eigentlich gar nicht existiere: Macht man Dinge hintereinander, wird das (voraussichtlich) ganz gut funktionieren.

Versucht man sie gleichzeitig, erhöht sich die Fehleranfälligkeit und der Zeitaufwand. „Wir Menschen leben 0,1 Sekunde in der Vergangenheit. Was wir sehen, ist schon passiert. Das Gehirn benötigt Zeit, um etwas zu verarbeiten“, so Bartl. „Eine Schwachstelle, die uns selbst nicht bewusst ist.“