Erstellt am 23. März 2016, 18:34

von Mario Kern

AGZ findet Nachahmer. Entwickler von progressNetz "exportieren" Arbeitgeberzusammenschluss in andere Bundesländer. St. Pöltner Pionier-Projekt ist damit österreichweites Vorzeige-Modell.

Franz Heumayr und Alexander Szöllösy von progressNetz beziehen demnächst ihr neues Büro und Infozentrum im NV-Center.  |  NOEN, Kern

Aufbauend auf dem ersten echten Arbeitgeberzusammenschluss (AGZ) Österreichs in St. Pölten soll das Erfolgsmodell auch in anderen Bundesländern Fuß fassen. Fast eineinhalb Jahre nach dem heimischen Prototypen wird demnächst der zweite AGZ mit Begleitung der heimischen Projektentwickler von progressNetz in Kärnten gestartet. Zwei weitere AGZs könnten ebenfalls noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen.

Gespräche in fast allen Bundesländern

„Bis auf Vorarlberg sind wir mit Interessierten in allen Bundesländern im Gespräch“, erklären Alexander Szöllösy und Franz Heumayr von progressNetz. Das insgesamte dreiköpfige Netzwerker-Team für regionale Entwicklung übersiedelt zurzeit ins NV-Center und baut dort ein AGZ-Ressourcen- und Infozentrum auf. „Beschäftigte, Wirtschaftstreibende und Vereine aus ganz Österreich können sich bei uns über das Modell informieren und untereinander Erfahrungen austauschen.“ Vom NV-Center aus werden auch die künftigen AGZs betreut und begleitet. „Wir benötigen natürlich Partner vor Ort, die diese Arbeitgeberzusammenschlüsse leiten.“

Als Blaupause dient das im Oktober 2014 gestartete St. Pöltner AGZ mit Geschäftsführer Wolfgang Wutzl, für das Szöllösy und Heumayr vor drei Jahren die Idee aus Frankreich importierten. Im Vorjahr standen sie dem St. Pöltner AGZ operativ zur Seite und begleiten das „österreichweite Vorzeige-Projekt“. Aus Sicht der Entwickler ist das Arbeitsmodell durchaus erfolgreich: „Heute wird es immer wichtiger, Arbeitsplätze zu schaffen und Unternehmen zu unterstützen. Jedes Modell ist da Gold wert.“

„Heute wird es immer wichtiger, Arbeitsplätze zu schaffen und Unternehmen zu unterstützen. Jedes Modell ist da Gold wert.“ Alexander Szöllösy

Derselben Meinung ist AGZ-Chef Wolfgang Wutzl. „Das Modell ist auf jeden Fall eine gute Idee.“ Das Unternehmen habe nicht schlecht angefangen, betont Wutzl. „Die aktuelle Phase der Stabilisierung braucht das Modell noch. Wir sind da aber guter Dinge.“

Derzeit sind neun Betriebe aus dem Zentralraum an Bord. Durchschnittlich beschäftigen sie vier Angestellte, zu Spitzenzeiten sogar zehn. Zwischendurch seien ein paar Beschäftigte von anderen Unternehmen abgeworben worden. „Das muss man leider in Kauf nehmen. Der AGZ ist aber weiterhin eine wichtige Sache“, so Wutzl.

Was ist ein AGZ?

Der AGZ ist ein Zusammenschluss von Betrieben, die sich Arbeitskräfte teilen. Damit können die Firmen ihren Bedarf zu Spitzenzeiten abdecken. Nach der Gastro-Saison kommen Angestellte etwa in Büros unter und haben so einen gesicherten Vollzeit-Arbeitsplatz.

Beim AGZ St. Pölten sind aktuell neun Betriebe aus St. Pölten, dem Bezirk und auch aus Melk.