St. Pölten

Erstellt am 19. August 2016, 19:28

von Mario Kern

2.829 Arbeitslose trotz 60.000 Jobs in St. Pölten. Tagespendler, Asylberechtigte und auch Wiener Jobsuchende drängen auf Arbeitsmarkt der Landeshauptstadt.

AMS-Chef Thomas Pop: „Müssen bei der Qualifizierung ansetzen.“  |  NOEN

2.829 St. Pöltner waren im Juli beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet. Warum die Traisenmetropole trotz mehr als 60.000 Jobs bei knapp 54.000 Hauptwohnsitzern in der Statistik nur im Mittelfeld der Landeshauptstädte liegt, erklärt AMS-Chef Thomas Pop: „Die Einpendler beschränken sich nicht nur auf den Bezirk St. Pölten. Menschen, die in St. Pölten einen Arbeitsplatz haben, kommen aus zahlreichen anderen Bezirken.“ Auch aus der Bundeshauptstadt pendeln viele nach St. Pölten. „Früher war das nur umgekehrt denkbar.“

Wien - St. Pölten keine große Entfernung mehr

Als regelrechten Trend bezeichnet Pop die Vermittlung Arbeitsloser von Wiener AMS-Geschäftsstellen in die niederösterreichische Landeshauptstadt. „Durch die hervorragende öffentliche Anbindung ist das keine große Entfernung mehr.“

Grund für die steigenden Arbeitslosenzahlen ist vor allem, dass immer mehr Personen auf den Arbeitsmarkt drängen. Arbeitslose Migranten und Asylberechtigte gibt es dadurch um 21,9 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres – die Zahl der Arbeitssuchenden mit österreichischer Staatsbürgerschaft stieg dagegen nur um 2,9 Prozent. Dazu kommen viele Tagespendler, die für Tätigkeiten aus benachbarten Ländern anreisen, betont Thomas Pop.

„Dass so viele Menschen keine Berufsausbildung haben, ist besorgniserregend.“

Als problematischen Grund sieht der AMS-Chef die schlechte Qualifizierung vieler Arbeitsloser: Von den 5.879 im Bezirk Gemeldeten haben 2.640 nur einen Pflichtabschluss – damit stieg in diesem Segment die Arbeitslosigkeit in den vergangenen zwölf Monaten gleich um zehn Prozent. „Dass so viele Menschen keine Berufsausbildung haben, ist besorgniserregend.“ Das AMS biete deswegen Facharbeiter-Intensivausbildungen an. „Viele können sich eine Berufsausbildung nicht leisten. Da muss man aber unbedingt ansetzen.“