St. Pölten

Erstellt am 26. August 2016, 03:28

von Beate Steiner

Wildes Leben in der Stadt. Die zahlreichen Wiesen und Freiflächen der Stadt sind Habitat für viele Wildtiere.

Vor allem zwischen Mai und Juli werden immer wieder Rehe im Wienerwald gerissen.  |  NOEN, shutterstock/D. Steinhausser

Er kann wieder in Freiheit äsen – der Rehbock, der auf einer Wagramer Wiese lebte und mit dieser eingezäunt wurde. Feuerwehrmann Hubert Zoth hatte mit Unterstützung von Feuerwehr-Stadtrat Hans Rankl veranlasst, dass für das Wildtier ein Türl geöffnet wurde. Das Wagramer Reh ist nur eines von vielen Wildtieren, die die Landeshauptstadt bevölkern: Wildschweine, Hasen, Dachse, Füchse, Marder und Wiesel und seltenes Getier wie Iltisse oder Federvieh wie Fasane, Wildenten, Wildgänse und sogar Schnepfen zählen zur tierischen Bevölkerung St. Pöltens.

Die wird zwar nicht genau gezählt, scheint aber in der Jagdstatistik als „Fallwild“ auf: „Bis zu 200 Rehe finden wir pro Jahr nach Unfällen“, weiß Bezirksjägermeister Johannes Schiesser. Der hohe Anteil an Fallwild sei unter anderem auf den stark zunehmenden Straßenverkehr zurückzuführen. „Die vielen frei laufenden Hunde verursachen zusätzliche Unruhe bei den Wildtieren und veranlassen diese zu panischem Fluchtverhalten, wodurch jedes Jahr einige Tiere zu Tode kommen“, appelliert der Bezirksjägermeister an die Einhaltung der gesetzlichen Leinenpflicht.

Lebend gesichtet werden vor allem anpassungsfähige Tiere wie Füchse und Marder, „weil sie von Abfällen leben“, so Schiesser. Wie Wildschweine, die großteils im Au-Gebiet an der Traisen und in Radlberg zu finden sind.

"Bitte nicht füttern"

Der Jäger erinnert daran, dass „Wildtiere als Wildtiere behandelt und zum Beispiel nicht gefüttert werden sollten“. Unlängst habe eine Frau angerufen, weil sie einen angeblich kranken Hasen beobachtet hatte: „Der hat sich schon Stunden nicht bewegt, hat sie gemeint.“ Der Hase hatte allerdings sein normales Verhalten gezeigt, sich in der Hitze „eingelagert“, wie die Jäger sagen: „Er duckt sich, bewegt sich nicht, kühlt sich dadurch ab und seine Fressfeinde können ihn nicht sehen.“ Die Frau habe vollkommen richtig gehandelt, dass sie sich bei den Jägern erkundigt und den Hasen nicht eingefangen habe.

Über St. Pölten kreisen übrigens 30 nachgewiesene Vogelarten, wie Goldammer, Girlitz, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp und Blaumeise oder an den Gewässern auch Silber- und Graureiher. Mit etwas Geduld und scharfem Blick kann man Sperber oder Turmfalken bei der Jagd beobachten. Turmfalken nisten immer wieder im Zentrum der Stadt, etwa auf dem Rathausturm.

Offizielle tierische Einwohner der Stadt sind die Wildtiere in den Gehegen des Hammerparks und des Stadtwaldes. Dort leben Damwild und Mufflons in trauter Zweisamkeit, bestens betreut von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei. „Die Tiere werden täglich versorgt, auch an den Wochenenden haben zwei Leute Dienst“, erzählt Klaus Müller von der Stadtgärtnerei.

30 Tiere leben im Stadtwald

Die Tiere werden gefüttert, das Gehege wird ausgemistet, Stroh eingestreut. 30 Tiere leben im Stadtwald, „mehr dürfen es wegen der Größe der Gehege nicht sein“, erklärt Müller. Und: „Wir sind in Verbindung mit anderen Züchtern. Die übernehmen oft unseren Nachwuchs, auch, damit keine Inzucht passiert.“ Im Hammerpark leben Ziegen, Hasen, Meerschweinchen und Wildenten, sie werden ebenfalls von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei sieben Tage die Woche liebevoll umsorgt.

Die meisten Wildtierarten, die zu Hause betreut werden, müssen bei der Behörde registriert werden. Dazu gehören Reptilien, Lurche oder auch Fische, die in Freiheit mehr als einen Meter lang werden. Rund 100 Echsen, 200 Schildkröten, 70 Schlangen und 20 Amphibien sind derzeit „St. Pöltner“, weil beim Magistrat gemeldet.