Erstellt am 15. April 2016, 18:11

von Mario Kern

Aufregung um RFJ-Facebook-Daumen. Junge Grüne verurteilen Identitären-Aktion im Wiener Audimax und den Zuspruch des RFJ St. Pölten Land. RFJ-Obmann-Stellvertreter: „Likes waren vorschnell. Gewalt ist zu verurteilen, wenn sie passiert ist.“

 |  NOEN, zVg

Zwei Tage vor der Wahl schlagen die Jungen Grünen St. Pölten Alarm: Michael Roth, Obmann-Stellvertreter des Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) des Bezirks, hat auf der Facebook-Seite der Identitären Bewegung einen „Gefällt mir“-Daumen hinterlassen. Genauer hat er die Aktion der Identitären im Wiener Audimax für gut befunden, im Zuge derer sie die Theater-Aufführung „Schutzbefohlene“ (ein Stück von Elfriede Jelinek) gestört haben. Zudem wurden mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung eingebracht. „Damit zeigt der RFJ klar, auf welcher Seite er steht: Der von rechtsextremen Gewalttätern“, zeigt sich Fiona Karl von den Jungen Grünen erbost.
 
Als brisantes Detail führen die Jungen Grünen die E-Mail-Adresse von Michael Roth – der auch FP-Gemeinderat in Kirchberg an der Pielach ist – ins Treffen: rothor88@hotmail.com . „88 wird in der rechtsextremene Szene als Code für „Heil Hitler“ verwendet.“ Die Mailadresse ist gleichzeitig die auf Facebook publizierte Kontakt-Adresse des RFJ St. Pölten Land. „Dass jemand, der eine dermaßen große Nähe zum rechtsextremen Milieu aufweist, die Bedeutung des Neonazi-Chiffres nicht kennt, halten wir für kaum möglich“, betonen die Jungen Grünen.

"Ziffer 88 wegen Geburtsdatum!"

 St. Pöltens FP-Stadtparteiobmann und Spitzenkandidat Klaus Otzelberger vermutet, die Ziffer 88 sei auf das Geburtsdatum von Michael Roth zurückzuführen. „Das ist natürlich etwas patschert, ich würde die Ziffer nicht nehmen. Ich vermute da aber keinen diesbezüglichen Hintergedanken.“
 
Dass der RFJ und Roth selbst die Identitären auf Facebook „liken“, will Otzelberger nicht weiter kommentieren: „Das kann ich nämlich nicht beurteilen. Ich kenne mich bei den Identitären zu wenig aus, weil ich mit ihnen keine Berührungspunkte habe.“

Roth im NÖN-Gespräch

Otzelbergers Vermutung bestätigt Michael Roth selbst im NÖN-Gespräch: Er habe mit 14 Jahren die E-Mail-Adresse ausgesucht, so Roth. „Die Ziffer wegen meinem Geburtsjahr 1988 und den Namen, weil ich damals vom Computer-Spiel World of Warcraft sehr beeindruckt war und den Namen da auch verwendet habe.“ Heute empfindet Roth diese Mail-Adresse als „blöde Kombination“. „Ich habe erst später erkannt, was 88 noch bedeuten kann.“ Die Adresse sei alt und nicht mehr in Gebrauch. „Ich hatte aber die Mail-Adresse blöderweise auf der RFJ-Facebook-Seite nicht ausgetauscht. Das werde ich aber alsbald tun.“
 
Die Audimax-Aktion der Identitären habe er mit einem Daumen versehen, weil er mitverfolgt habe, wie „die Linken auf so eine Aktion reagieren“, betont Roth. Die Anzeigen wegen Körperverletzung seien erst später medial transportiert worden. „Gewalt ist zu verurteilen, wenn sie wirklich passiert ist“, möchte der RFJ-Obmann-Stellvertreter relativieren. „Wenn so eine Aktion friedlich abläuft, ist sie aber durchaus legitim.“ Grundsätzlich sei er aber gegen Aktionismus dieser Art. Die Facebook-Likes seien ein bisschen vorschnell erfolgt, sagt Michael Roth, der betont, sich von Nationalsozialismus und Rassismus abgrenzen zu wollen.