St. Pölten

Erstellt am 03. Januar 2017, 05:57

von Daniel Lohninger

Neue Alpenbahnhof-Ära beginnt. NÖVOG errichtet neue Werkstätten und bündelt ihre Verwaltung. Leidtragender ist der St. Pöltner Eisenbahnmodellbauclub, dessen Mitglieder um ihr Lebenswerk bangen.

Die Bahn-Gebäude in der Werkstättenstraße werden geschleift. Hier sollen neue Werkstätten entstehen. Im Dachgeschoß des linken Gebäudes ist noch die Modelleisenbahn-Anlage untergebracht.  |  Daniel Lohninger

Große Pläne mit dem St. Pöltner Alpenbahnhof hat die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG). Auf dem 2010 von den ÖBB gekauften Areal sollen neue Werkstätten errichtet und die Verwaltung in einem neuen Gebäude konzentriert werden – derzeit sind die Büros auf den Riemerplatz sowie die Julius-Raab-Promenade verteilt.

Mit den Bauarbeiten soll heuer begonnen werden. Konkreteres lässt sich NÖVOG-Sprecher Martin Prikoszovich nicht entlocken: „Wir sind im Moment in der Endplanungsphase, Anfang Februar wird man Genaueres wissen.“

„Wir fühlen uns wie ein Künstler, der Jahrzehnte an einer Skulptur gearbeitet hat und sie selbst zerstören muss.“

Erich Dürnecker, Obmann des Eisenbahnmodellbauclubs

Erich Dürnecker weiß hingegen bereits Genaueres. Er ist Obmann des Eisenbahnmodellbauclubs St. Pölten, der sich auf den Nachbau von Schmalspurbahnen spezialisiert hat. Seit 1979 ist der Verein in einem ehemaligen ÖBB-Verwaltungsgebäude auf dem Areal des Alpenbahnhofs beheimatet.

Dürnecker berichtet, dass er die über Jahrzehnte entstandene Modelleisenbahn-Anlage übersiedeln muss. Stattdessen soll hier eine Werkstätte für die Wartung und Instandhaltung von Infrastruktur-Geräten sowie Dampf-Lokomotiven entstehen. Das Problem: Übersiedeln lässt sich die Anlage nicht, sie passt durch keine Tür. Also mussten Dürnecker und seine Vereinsfreunde die Modellbahn zersägen. „Wir fühlen uns wie ein Künstler, der Jahrzehnte an einer Skulptur gearbeitet hat und sie selbst zerstören muss“, bedauert Dürnecker.

Erich Dürnecker mit einem Nachbau des Klausgraben-Viadukts der Mariazellerbahn vor der bereits zersägten Modellanlage: „Jedes Detail wurde bis auf den letzten Stein dem Original nachempfunden.“  |  Daniel Lohninger

Über 35 Jahre wurden bei den wöchentlichen Clubabenden markante Streckenteile, historische Loks und Wagen sowie Landschaftselemente von Mariazellerbahn, Waldviertler Bahnen und Ybbstalbahn nachgebaut. „Wir kaufen nichts zu, alles was hier steht, ist komplett selbst gefertigt“, erklärt Dürnecker. Auch die Himmelstreppe hätte schon bald auf der Anlage fahren sollen.

Club steht vor dem Aus

Jetzt hingegen steht der 1948 gegründete Club vor dem Aus. Nicht einmal einen Platz für die Lagerung der Bahn-Elemente haben die Modellbauer. Mit Ende Dezember hätte die Räumung erfolgt sein sollen, tatsächlich liegen die zersägten Elemente noch im NÖVOG-Gebäude.

„Wo sollen wir hin damit? Niemand hat einen Platz dafür“, so Dürnecker. Von seiner Lieblingsvariante wagt er ohnehin nicht mehr zu träumen: „Es wäre schön, wenn wir eine Lokalität finden, wo wir die Bahn oder zumindest Elemente von hier wieder aufbauen könnten.“ Doch selbst wenn sich Räumlichkeiten finden würden, einfach wäre das Unterfangen nicht: „Wir müssen wieder fast von vorne anfangen.“