St. Pölten

Erstellt am 19. Juli 2016, 06:55

von Nadja Straubinger, Mario Kern und Alex Erber

„Schwimm-Hilfe“ in Planung . Nach Badeunfällen von Flüchtlingen plant Stadt Crashkurse und Schwimmunterricht für Nichtschwimmer.

Rahimi Freydoon, Aziz Mari und Aziz Azad aus Afghanistan sind bei Schönwetter am Ratzersdorfer See unterwegs und informieren über die Gefahren des Wassers. Organisiert wird die Buddy-Aktion vom Büro für Diversität mit Leiterin Martina Eigelsreiter. Nadja Straubinger  |  NOEN

Drei schwere Badeunfälle in nur einer Woche: Nahe am Ufer des Viehofner Sees ging letzte Woche erneut ein Flüchtling unter. Den Unfall bemerkten sofort einige Badegäste und setzten umgehend einen Notruf ab. Die Retter hatten allerdings ihre Mühe, weil der Syrer im dichten Laichkraut nur schwer zu entdecken war. Als er gefunden wurde, war er bereits gut zehn Minuten unter Wasser. Der Flüchtling wurde noch am See reanimiert, verstarb dann aber im Universitätsklinikum.

Wegen zahlreicher parkender Autos habe die Rettung ihre Schwierigkeiten bei der Zufahrt gehabt, berichteten Augenzeugen. „Nicht nur für die Wasserrettung, auch für Rettung und Feuerwehr sind die Anfahrten unzumutbar“, weiß Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. Seit drei Jahren warne die Polizei die Verantwortlichen des Magistrats, denn: „Wir können nur einschreiten, wenn ein Auto in die Fahrbahn parkt. Ansonsten sind uns die Hände gebunden, weil die Fahrzeuge neben der Straße oder neben der Fahrbahn parken. Insgesamt ist es ein leidiges Thema, die Situation ist furchtbar.“

Baudirektor Kurt Rameis ist die Situation am See durchaus bekannt. Es werde auch aktiv dagegen vorgegangen, betont er. „Eine Abschleppung ist aber hier leider praktisch zumeist nicht möglich. Insofern bleibt der Appell, Rettungszufahrten frei zu lassen beziehungsweise bestehende Halte- und Parkverbote zu beachten, da jeder und jede schnell selbst in die Lage kommen kann, Hilfe zu brauchen“, so Rameis. Hinsichtlich einer Neuregulierung des Zufahrtsbereiches laufen bereits Gespräche und Erhebungen.

Buddys starten mit  Infoaktion am See

Die Stadt reagiert mit drei Schwerpunkten auf die tragischen Schwimm-Unfälle: Buddys warnen mit Infobroschüren in verschiedenen Sprachen vor der Gefahr, die vom Wasser ausgeht. Drei Freiwillige aus Afghanistan sind ab dieser Woche am Ratzersdorfer See unterwegs. „Ich glaube, das Problem ist, dass sich die Leute überschätzen. Sie sehen die Kinder im Wasser und glauben, es geht einfach. Dann bekommen sie aber ein Problem“, mutmaßt Aziz Mari, einer der Buddys. Gemeinsam mit Robert Wotapek von der Stadtgärtnerei und der Leiterin des Büros für Diversität Martina Eigelsreiter war er mit seinen Buddy-Kollegen bei der Einschulung und Begehung an den Seen unterwegs.

Für Ende Juli sind drei Crashkurse angesetzt. Bäderleiter Martin Fuchs wird sie privat im Citysplash durchführen, die Kosten übernimmt das Büro für Diversität. Ihr Zweck ist die Information über Gefahren beim und im Wasser und Tipps für das richtige Verhalten im Notfall. Zudem sind richtige Schwimmkurse für alle Nichtschwimmer in St. Pölten in Planung. Diese sollen im September in Zusammenarbeit mit der Wasserrettung in der Aquacity starten. Angeregt hat diese Initiative der Verein Guarantee on tomorrow: „Gut, dass da etwas passiert“, so Obmann Dominik Paireder.

Auch die Wasserrettung ist aktiv und hat mit den Integrationsfond Kontakt aufgenommen. Am Mittwoch, 27. Juli, soll eine erste Infoveranstaltung zum Verhalten beim Baden und über Gefahren stattfinden.

Baden in St. Pölten

„Wenn man nicht gut schwimmen kann, sollte man in Bäder ausweichen“, so die Leiterin des Büros für Diversität Martina Eigelsreiter.

Viehofner See: Ist nicht geeignet zum Baden, wenn man nicht wirklicht gut schwimmen kann. Es gibt dort keine Station der Wasserrettung. Außerdem fällt der See sehr schnell tief ab. „Wenn die Wasserpflanzen die Beine streifen, kann das leicht Panik verursachen“, sagt Eigelsreiter.

Ratzersdorfer See: Ab dieser Woche sollen bei Schönwetter Buddys unterwegs sein, die die Leute in ihrer Muttersprache über die Gefahren des Wassers informieren.

Citysplash: Am ehesten für Anfänger geeignet, weil es auch ein Nichtschwimmerbecken gibt. Drei Crashkurse für Nichtschwimmer finden Ende Juli statt.