Erstellt am 03. Mai 2016, 15:34

von Mario Kern

Bankomatgebühr: Banken beruhigen. Während Minister Verbot will und Kammern sich gegen Abhebe-Gebühr aussprechen, dementieren Geldinstitute Pläne. ST. PÖLTEN / 

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Lange war eine Bankomatgebühr für Banken ein Tabu. Seit den lauten Überlegungen einzelner Geldinstitute ist das Thema allerdings in aller Munde: Während Sozialminister Alois Stöger ein Verbot der Gebühr erwirken will und Finanzminister Hans Jörg Schelling derzeit von Gebühren abrät, sehen die in St. Pölten stationierte Bankhäuser keinen Anlass für die Diskussion.

Kein Anlass für Diskussion

Der Tenor ist dabei klar: Sparkasse NÖ Mitte West, Volksbank, Bank Austria, Hypo und Oberbank hätten derzeit keine Extra-Gebühren für Bargeldabhebung geplant. Nicht festlegen lassen möchte sich die Raiffeisenbank. Die Raiba Region St. Pölten verweist hier auf die Landesbank, deren Vizechef Georg Kraft-Kinz betont, dass die RLB das Thema nicht öffentlich diskutiere. Grundsätzlich könne aber bei einer Bank als Wirtschaftsunternehmen nichts ausgeschlossen werden.

Warum Banken überhaupt eine Gebühr in Erwägung ziehen, liege laut Bankvorständen unter anderem an den Kosten für die Bankomaten. Laufend müsse in die Sicherheit und in Kameras investiert werden, weiß etwa Oberbank-Direktor Franz Frosch. Auch Volksbank-NÖ-Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle ist nicht verwundert, dass die Banken dem Thema so viel Aufmerksamkeit schenken: „Die Fülle an Regulatorien, die seit Ausbruch der Finanzkrise von allen Banken zu erfüllen sind, verursacht hohe Kosten und steigert den Ertragsdruck.“

AK und WK sind gegen Gebühr

Die Diskussion über das mögliche Verbot „einer Gebühr, die es noch gar nicht gibt“, empfindet Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Helge Haslinger als übertrieben. „Außerdem ist die Gebühr in vielen anderen Ländern längst Realität.“

Eine klare Position zum Thema haben Arbeiter- und Wirtschaftskammer: Eine solche Gebühr sollte erst der letzte Schritt sein, betont Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Gernot Binder. „Natürlich muss der Bankenbetrieb aufrecht erhalten werden. Der Druck vor dem Hintergrund fehlender Zinsen und des Wettbewerbs mit internationalen Banken ist sehr groß.“ Binder zieht aber eine Strukturänderung möglichen Gebühren für Kunden vor.

Auch für AK-Bezirksstellenleiter Andreas Windl sind Kosten für die Geldbehebung nicht vertretbar. Er kritisiert: „Vor Jahren haben Banken begonnen, aus Kostengründen Personal einzusparen. Damals hieß es, Bankgeschäfte bei Automaten seien billiger und das käme den Kunden zugute. Jetzt meinen die Banken, dass das alles so teuer sei.“