Erstellt am 18. Februar 2016, 12:49

von Manuela Mayerhofer

Bauernbund: Schibich wirft das Handtuch. Obmann Josef Schibich legte Funktion zurück, weilFörderungen sich verzögern. Ein Nachfolger wird demnächst gewählt.

 |  NOEN, zvg

Josef Schibich legte nach knapp einem Jahr seine Funktion als Bauernbund-Obmann zurück. Die Gründe dafür seien, so Schibich, zum einen  Verzögerungen der Ausgleichszahlungen und zum anderen fehlende Zeit für die Familie.

Den Interessensvertretern von Landwirtschaftskammer und Bezirksbauernbund sind die Probleme bekannt, Doris Schmidl zeigt durchaus Verständnis für die Reaktion.

„Da spiel‘ ich nicht mehr mit! Ich habe investiert und Schulden gemacht, um meinen Viehbestand aufzustocken, um davon auch Leben zu können.“ Josef Schibich, Landwirt

Diese Ausgleichszahlungen werden von Bund, Land und EU ausgeschüttet. Erst vor einigen Jahren, so Josef Schibich, habe er den Entschluss gefasst, sich auf die Landwirtschaft zu konzentrieren, davor sei er bei einer Baufirma beschäftigt gewesen. Und er habe die Empfehlung, den Viehbestand aufzustocken, befolgt. 

Die noch ausständigen Förderungen bringen finanzielle Probleme. Schibich ist empört: „Da spiel‘ ich nicht mehr mit! Ich habe investiert und Schulden gemacht, um meinen Viehbestand aufzustocken, um davon auch Leben zu können. Wir haben drei Kinder, ich kann ja nicht einmal aufhören“, ist der Landwirt frustriert. Im August des Vorjahres hätten die für die Mutterkuhhaltung vorgesehenen Fördermittel von 80 Prozent ausbezahlt werden sollen. Ausbezahlt wurde aber nur die Hälfte davon, nämlich 40 Prozent. „Man hat uns gesagt, nach zwei Monaten bekommen wir den Rest“, so Josef Schibich. Passiert ist das nicht, voraussichtlich wird im April noch Fördergeld ausbezahlt, in welcher Höhe, wisse man nicht. Die Situation für die Landwirte sei derzeit generell nicht rosig, räumen die Interessensvertreter Josef Hieger, Obmann der Bezirksbauernkammer St. Pölten und Landtagsabgeordnete Doris Schmidl, Obfrau des Bezirksbauernbundes St. Pölten, ein.

Rudi Blamauer jun.: „Er hat nicht ganz unrecht!“

 „Die Lage ist für Landwirte nicht sehr motivierend. Vor einem Jahr lag der Milchpreis bei 41 Cent pro Liter, jetzt sind es nur noch 31 Cent, Verzögerungen bei den Ausgleichszahlungen oder der Exportstopp durch die Blauzungenkrankheit sorgen für Frustration“, so Doris Schmidl.  

„Er hat nicht ganz unrecht, aber es ist seine Entscheidung“, erklärt Rudi Blamauer jun., erster Obmann-Stellvertreter. Inoffiziell gibt es einen Kandidaten für die Nachfolge, demnächst soll die Neuwahl stattfinden.

„Da spiel‘ ich nicht mehr mit! Ich habe investiert und Schulden gemacht, um meinen Viehbestand aufzustocken, um davon auch Leben zu können.“ Josef Schibich, Landwirt