Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:03

von Mario Kern

„Betten statt Bürokratie“. Obdachlose Flüchtlinge / Privatverein Guarantee on tomorrow enttäuscht: „Es hat sich nichts an Situation geändert.“ Abhilfe könnte drittes Notquartier schaffen – das ist in Vorbereitung. ST.

Zuerst diskutierten Dominik Paireder von Guarantee on tomorrow, Wolfgang Gaigg von der Diakonie und Christoph Wagner vom Cinema, dann gab es die Vorpremiere von „Mediterranea“ zu sehen. Im Programmkino können ab sofort Spenden für den St. Pöltner Verein abgegeben werden.  |  NOEN, Mario Kern
„Anfangs dachte ich mir, das wird zwei oder drei Tage andauern, dass wir obdachlose Flüchtlinge bei uns zuhause beherbergen“, erzählt Dominik Paireder vom Verein Guarantee on tomorrow im Rahmen eines vom Verein gestalteten Abends im Cinema Paradiso. „Ich dachte mir, die öffentliche Hand wird sich um dieses Problem kümmern. Mittlerweile sind aus diesen zwei Tagen zwei Monate geworden.“

Nach wie vor sei die Situation unverändert, berichtet Paireder: Nach ihrem Erstabklärungsgespräch würden Flüchtlinge von der Polizei weiterhin auf die Straße gestellt – gebe es da nicht den St. Pöltner Privatverein, der seit Ende Oktober mittlerweile 220 Flüchtlinge bei seinen knapp 30 Mitgliedern aufgenommen hat.

Bewegende Geschichten

„Der jüngste Flüchtling war gerade einmal sechs Wochen alt“, erzählt Paireder von bewegenden menschlichen Schicksalen und unendlicher Demut und Dankbarkeit. „Ein junger Mann ist mit seinem 72-jährigen, gehunfähigen Vater auf den Schultern geflohen. Den ganzen weiten Weg nach Österreich.“

Schützenhilfe bekommt Paireder von Wolfgang Gaigg, dem Leiter der mobilen Flüchtlingsbetreuung der Diakonie: „Man kann ganz klar von einem Versagen des Staates sprechen.“ Das Land müsse Aufgaben des Bundes übernehmen, die beiden durch das Land geschaffenen Notquartiere in Maria Enzersdorf und im Helenental seien seit Wochen überbelegt. „Tagtäglich können dort Menschen nicht unterkommen.“

„BH-Gesundheitschecks greifen nicht“

Auch die vom Land genehmigten Gesundheitschecks, die seit Mitte November in den Bezirksbehörden durchgeführt werden können, damit Flüchtlinge schneller in die Grundversorgung und dann in Privatquartiere kommen, hätten nichts gebracht, wie Dominik Paireder berichtet: „Für die Checks brauchen die Flüchtlinge allerdings die Meldung in einem Quartier.

Sie greifen nicht.“ Paireder und seine Vereinskollegen sind generell „von der fehlenden politischen Unterstützung bitter enttäuscht. Keinen interessiert es offenbar, diesen Menschen zu helfen. Aber: Was wir benötigen, sind Betten statt Bürokratie“.

Die ausgelaugten Privat-Helfer suchen weiterhin nach einem Hausbesitzer in St. Pölten, der sein Haus für obdachlose Flüchtlinge zur Verfügung stellt. „Wir würden als Verein einen Teil der Miete zahlen und mit für die Betreuung sorgen.“

"Funktioniert nur in Ausnahmefällen"

Beim Land versichert man, die Bezirksbehörde, also die BH, würde die Gesundheitschecks auch wirklich durchführen, betont Anton Heinzl junior, Sprecher von Asyl-Landesrat Maurice Androsch. Asylwerber würden via Diakonie in privaten Wohnungen untergebracht –  damit seien sie in Grundversorgung, die Untersuchung könne nachgeholt werden.

Die Unterbringung in privaten Quartieren funktioniere für die obdachlosen Flüchtlinge nur in Ausnahmefällen, erklärt hingegen Wolfgang Gaigg von der Mobilen Flüchtlingsbetreuung der Diakonie: „Wir schaffen das kapazitätsmäßig gar nicht, die Strukturen sind nicht vorhanden. Da greifen die Notquartiere des Landes viel schneller.“ Ein Problem sei auch, dass das Angebot privater Quartiere deutlich zurückgegangen sei.
Abhilfe könnte tatsächlich ein weiteres Notquartier schaffen – das sei auch weiter in Vorbereitung, versichert Heinzl junior.